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Beruf Detektiv - Gewerbe in der Grauzone

Der gelernte Versicherungskaufmann Lothar Kimm leitet seit 1971 ein Detektivbüro in Dortmund. Seine Mitgliedschaft in der "World Association of Detectives" und sein Posten als ehemaliger Präsident und Ehrenvorsitzender des "Bundes Internationaler Detektive" sind nur zwei von vielen Engagements für Detektivverbände deutschland- und weltweit. Mit Planet Wissen spricht er darüber, wieso das Detektivgewerbe in Deutschland unübersichtlich und unreglementiert ist und welche Voraussetzungen ein Detektiv für seinen Beruf braucht.

Foto von Lothar Kimm. (Rechte: Privat)

Detektiv Lothar Kimm

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Planet Wissen (PW): Herr Kimm, das Detektivgewerbe in Deutschland ist unübersichtlich und unreglementiert. Woran liegt das?

Lothar Kimm (L.K.): Es gibt in Deutschland drei große Verbände: den 'Bund Internationaler Detektive' (BID), den 'Bundesverband Deutscher Detektive' (BDD) und den 'Berufsverband Bayerischer Detektive' (BBD). Außerdem gibt es einige kleinere Verbände. Oft lösen sich die kleinen Verbände nach ihrer Gründung bald wieder auf, wodurch die Situation noch unübersichtlicher wird. Die großen Verbände sind langlebiger, der BID feiert im Mai 2010 zum Beispiel 50-jähriges Bestehen. Es gibt in jedem Fall viele verschiedene Verbände und keinen Dachverband.

PW: Welche Probleme stehen einer zentralen Anlaufstelle oder einem Dachverband im Weg?

L.K.: Eine solche Anlaufstelle müsste sehr neutral sein. Sie müsste einkommende Aufträge an Detektivbüros weitergeben. Das liefe dann so ab wie bei den heute existierenden Verbandsgeschäftsstellen. Wenn ein Auftrag in Dortmund zu vergeben ist, kriegt der Kunde eine Liste mit allen Verbandsmitgliedern in Dortmund. So müsste eine zentrale Anlaufstelle auch arbeiten. Aber die wird es nicht geben. Das scheitert vor allem an personellen Differenzen. Wer soll die Anlaufstelle machen? Wer soll sie bezahlen? Deswegen gibt es auch kein Zentralregister und keine übersichtlichen Zahlen über unser Gewerbe. Wir hatten ein Register, das ein Kollege aus Stuttgart erstellt hat. Da waren alle Detektive Deutschlands aufgeführt. Das ist allerdings zuletzt 2004 erschienen. Die Vorherrschaft des Internets machte ein gedrucktes Register überflüssig.

Altes Bild aus einem Stummfilm: Sherlock Jr. liest das Buch 'How to be a detective'. (Rechte: dpa)

Immer eine große Frage: Wie wird man Detektiv?

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PW: Ein weiteres Problem ist die Ausbildung. Warum kann man in Deutschland nicht einfach ausgebildeter Detektiv werden?

L.K.: Der Detektivberuf ist kein anerkannter Lehrberuf. Wir haben die "Zentralstelle für die Ausbildung im Detektivgewerbe" (ZAD), die immerhin Fernkurse anbietet. Man muss als Praktikant in einer Detektei tätig sein, dann kann man sich bei der ZAD anmelden, um eine zweijährige Ausbildung durchzuführen. Die ZAD bietet eine Fernausbildung mit einer abschließenden Prüfung, danach ist man ausgebildeter Detektiv. Das Praktikum liefert dabei den praktischen Teil, die ZAD die Theorie. Das ist im Augenblick die beste Ausbildung, die wir haben. Außerdem gibt es eine Ausbildung, die die Industrie- und Handelskammer (IHK) anbietet. Die ist allerdings auf das Sicherheitsgewerbe spezialisiert. Dort kann man sich zum Kaufhausdetektiv ausbilden lassen.

Und dann gibt auch noch "Kollegen" - ich möchte sie eigentlich gar nicht als Kollegen bezeichnen - die für sehr viel Geld eine Ausbildung anbieten und Aufträge und Arbeitsverhältnisse versprechen, die hinterher nicht zustande kommen. Das ist sicherlich der schlechteste Weg ins Detektivgewerbe: Die Leute, die auf so etwas hereinfallen, verschwenden nur viel Geld.

Ein Mann hält verschiedene deutsche Gesetzbücher in der Hand. (Rechte: WDR )

Kenntnis des Gesetzes ist wichtig

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PW: Der Beruf Detektiv ist immer noch mit Abenteuer und spannenden Verbrecherjagden verbunden. Glaubt man den Medien, kann jedes Kind ein Detektiv sein. Was braucht es wirklich, um in dem Gewerbe arbeiten zu können?

L.K.: Im besten Fall sollte der Detektiv als Basis eine solide kaufmännische Ausbildung haben. Er braucht außerdem Kenntnisse des Gesetzes. So ist es von Vorteil, das Bürgerliche Gesetzbuch auszugsweise zu kennen und ein fundamentales Verständnis von Straf- und Zivilprozessordnungen zu haben. Am liebsten haben wir Mitarbeiter, die aus dem Umfeld der Polizei kommen. Der Polizeiberuf ist ja sehr anstrengend, deswegen werden die Polizisten häufig in jüngeren Jahren in Ruhestand gesetzt und arbeiten dann für uns. Das sind sehr zuverlässige Mitarbeiter. Vor allem, weil man denen nicht sagen muss, was sie machen sollen. Denen sagt man nur 'Das ist der Fall...' und die wissen, was zu tun ist, weil sie eine kriminalistische Ausbildung haben.

Als ausgebildeter Kaufmann kann man das aber auch schaffen, wenn man ein bisschen pfiffig ist - ich sag' immer, man muss immer ein bisschen klüger sein als die Betrüger. Neue Medien gehören heute natürlich dazu, ohne Internet kommt kein Detektiv mehr aus. Wenn wir zum Beispiel in Deutschland ein Kind suchen müssen, das von seiner Mutter aus dem Ausland hierher entführt wurde, dann läuft alles über E-Mail-Kommunikation. Da kriege ich aus dem Ausland die Bilder gemailt und gebe sie an meine Kollegen vor Ort weiter, damit diese in den jeweiligen Städten ermitteln können.

PW: Wie sieht der Arbeitsmarkt für Detektive denn heutzutage aus?

LK: Wir schätzen, dass es derzeit ungefähr 900 Detektivbüros in Deutschland gibt. Die haben, je nach Größe, unterschiedlich viele Mitarbeiter. Die meisten der Mitarbeiter arbeiten aber natürlich freiberuflich. Das sind Einzelkämpfer, die für verschiedene Agenturen arbeiten. Wenn also ein Auftrag anfällt, ruft man diese Agenturen an, die dann einen ihrer Detektive vermitteln. Das ist preisgünstiger, als einen festen Mitarbeiterstamm zu halten. Denn je nach Auftragslage, in einem Sommerloch zum Beispiel, sitzen die Leute sonst untätig an ihrem Schreibtisch herum.

Mann schaut durch ein Schlüsselloch. (Rechte: IMAGO )

Private Aufträge sind selten geworden

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PW: Ist es denn richtig, dass es kaum noch private Fälle gibt?

LK: Ja, das ist richtig. Private Fälle gibt es in unserer Detektei verhältnismäßig wenig, wir haben überwiegend mit Wirtschaftsfällen zu tun und das ist auch der allgemeine Trend. Das hat sich durch die Änderung der Scheidungsgesetze ergeben. Seit 1977 wird man nicht mehr nach Verschulden verurteilt. Mittlerweile haben wir kaum noch private Aufträge, es sei denn, es geht um Unterhaltsklagen. Wir arbeiten mit vielen Anwälten zusammen, zum Beispiel im Fall, wenn eine Frau Unterhalt bekommt, sich aber in der Zwischenzeit eine Arbeit gesucht hat. Dieser Sachverhalt würde den Unterhalt schmälern. Wenn der Mann das erfährt, schaltet sein Anwalt uns ein, um Beweise zu sammeln. Wir arbeiten für die Anwälte, wie die Polizei für die Staatsanwaltschaft arbeitet.

Interview: Laura Niebling, Stand vom 17.05.2010

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