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Fingerabdrücke

Aus jedem "Tatort" kennen wir sie: die Herren mit den weißen Anzügen, die mit feinen Pinseln am Ort des Verbrechens die Spuren sichern. Was sie suchen, sind Fingerabdrücke. Seit etwa hundert Jahren gehört die Analyse des Fingerabdrucks zu den kriminaltechnischen Ermittlungsmethoden. Denn: Jeder Mensch kann durch die sogenannten Papillarlinien an seinen Fingern und der Handinnenfläche ganz eindeutig identifiziert werden. Al Capone soll sich deswegen die verräterischen Linien sogar wegoperiert haben lassen.

Vom Finger einer Hand wird ein Fingerabdruck genommen. (Rechte: Mauritius)

Verräterische Spur

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Was ist Daktyloskopie?

Untersucht werden Fingerabdrücke mit Hilfe des Fingerabdruckverfahrens. Das Fachwort dazu heißt Daktyloskopie, was wörtlich übersetzt "Fingerschau" bedeutet (griech.: daktylos = Finger und skopein = schauen). Experten für Fingerabdrücke werten unter anderem Tatortspuren aus und sind für die Personenerkennung zuständig. Fingerabdrücke konnten sich als Beweismittel in der Kriminalistik durchsetzen, weil sie einmalig und unveränderlich sind. Außerdem lassen sich sie sich in bestimmte Grundmuster einteilen.

Jemand betrachtet durch eine Lupe einen Fingerabdruck. (Rechte: dpa)

Schon 1684 veröffentlichte Nehemia Grew eine Arbeit über Fingerabdrücke

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Die Entstehung der Daktyloskopie

Fingerabdrücke haben mit Abstand die längste Geschichte aller biometrischen Erkennungsverfahren (Biometrie: Vermessung von Lebewesen). Bereits im Jahre 1684 veröffentlichte der britische Botaniker Nehemia Grew eine Arbeit über Fingerabdrücke. In seinen Untersuchungen beschrieb er charakteristische Merkmale wie Hautrillen, Furchen, Täler und Porenstrukturen. Im 18. Jahrhundert untersuchten und beschrieben verschiedene Forscher die anatomischen Formationen von Fingerabdrücken. Wissenschaftlich gesehen wurde dem Fingerabdruck jedoch wenig Bedeutung zugemessen.
Eine erste Klassifikation von Fingerabdrücken in neun Kategorien unternahm im Jahre 1823 Philip Purkinje. Aber erst dem Naturforscher und Genetiker Sir Francis Galton gelang 1888 der eigentliche Durchbruch - er gilt allgemein als Begründer der Daktyloskopie, des Fingerabdruckverfahrens. In einer umfangreichen Studie über Fingerabdrücke beschrieb er erstmals die so genannte Minutia-Eigenschaft von Fingerabdrücken: er zeigte auf, dass die charakteristischen Linien, die Papillar-Linien, in der Fingerkuppe individuell einmalig und erblich sind.
Mit dem Individualitätsproblem setzte er sich als Erster auseinander - und fand eine Möglichkeit, mathematisch nachzuweisen, wie gering die Wahrscheinlichkeit ist, dass sich die Fingerabdrücke zweier verschiedener Personen gleichen können. Grundlage dafür war ein Modell, bei dem der Fingerabdruck in Felder eingeteilt wird. Auf der Basis der Individualität, also der Einmaligkeit eines jeden einzelnen Feldes, berechnete Galton dann die Individualität eines gesamten Fingerabdrucks.
Einen wichtigen Beitrag zur Identifikation, zur Wiedererkennung von Fingerabdrücken, leistete Edward Henry im Jahre 1899. Er und seine beiden indischen Assistenten veröffentlichten das nach ihm benannte "Henry-System" der Fingerabdruck-Klassifikation. Diese Indizierungs-Methode war Voraussetzung für die manuelle Identifikation durch Experten.

Ein Wissenschaftler scannt einen Fingerabdruck. (Rechte: AP)

Der Siegeszug des Fingerabdrucks begann im 20. Jahrhundert

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Die Entwicklung der Daktyloskopie

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war Indien durch das Britische Empire kolonialisiert. Für die Besatzer wurden die wandernden Bevölkerungsgruppen zu einem Problem. Mit europäischen Augen waren diese Menschen, die weder lesen noch schreiben konnten, kaum zu unterscheiden. Das führte oft zu Reibereien bei der Verteilung von Löhnen und Pensionen und in der Krankenbetreuung.
Deshalb beauftragte die englische Kolonialregierung in Indien den Forscher Francis Galton, eine Methode zur Identifizierung von Personen zu entwickeln, die im zivilen Sektor für Beamte des Staates einsetzbar war.
Galton entwickelte ein erstes grobes Raster, durch das die Identität eines Menschen durch seinen Fingerabdruck nachweisbar wurde. Später ergänzte und verfeinerte der Forscher Edward Henry dieses System.
Der Siegeszug des Fingerabdrucks führte im 20. Jahrhundert von den Kolonialverwaltungen aus in die Polizeibehörden der ganzen Welt, in Grenzstationen und Einwanderungsbüros. 1897 überführte Scotland Yard den ersten Verbrecher anhand seiner Fingerabdrücke. Fingerabdrücke als Beweismittel vor Gerichten wurden erstmals 1896 in Argentinien und 1901 in Großbritannien zugelassen.

Ein Beamter der Kriminalpolizei nimmt Fingerabdrücke von einer weißen Wand. (Rechte: WDR)

Fingerabdrücke müssen am Tatort gesichert werden

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Wie arbeiten Fingerabdruck-Experten?

Fingerabdrücke am Tatort müssen zuerst gesichert werden. Je nachdem, auf welchem Material die Abdrücke gefunden werden, müssen die Daktyloskopen unterschiedliche Chemikalien dazu verwenden. Bei Stoffen, die keine saugenden Eigenschaften haben, wie zum Beispiel Glas oder Plastik, lassen sich die Fingerabdrücke mit Rußpulver ganz einfach sichtbar machen und mit einer Klebefolie sichern.
Aufwendiger ist es bei Papier oder Holz. Hier werden Chemikalien wie Ninhydrin verwendet. Aus Sicherheitsgründen findet die Analyse jedoch dann im Labor statt. Im nächsten Schritt werden die Fingerabdrücke identifiziert und zwar an Hand der sogenannten "Minuzien" (von lateinisch: minutae für Winzigkeiten). Keine leichte Aufgabe, denn die Fingerabdrücke am Tatort sind oft unvollständig, verschmiert oder überlappen sich. Beim genaueren Betrachten des Linienbildes kann man jedoch winzige Merkmale erkennen, die sich in ihrer Form und Lage zueinander im Laufe des Lebens nicht verändern. Diese Minuzienpunkte werden durch ihre Lage und Richtung beschrieben.
Nach deutschem Recht gilt die Identifizierung einer Person als einwandfrei, wenn zwölf Minuzien zwischen zwei Fingerabdrücken übereinstimmen. Seit Anfang 1994 ist zur Unterstützung der manuellen Tätigkeit der Sachverständigen das Automatische Fingeridentifizierungssystem (AFIS) eingeführt worden, das es den Experten ermöglicht, Tatortspuren computergestützt mit bereits vorhandenen Fingerabdrücken von Straftätern zu vergleichen. Und das bundesweit. Die Kartei des Bundeskriminalamtes umfasst mehr als 2,5 Millionen Fingerabdrücke von Straftätern, sowie von Personen, die sich im Zusammenhang mit einem Asylverfahren in Deutschland aufhalten.

Francis Galton an seinem Schreibtisch, Gemälde von Charles Wellington Furse. (Rechte: AKG)

Der Brite Francis Galton

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Kritik an der Daktyloskopie

Bislang wurden noch nie zwei Menschen mit denselben Fingerabdrücken gefunden. Gestützt wird diese Feststellung von den statistischen Berechnungen des Briten Francis Galton. Danach liegt die Wahrscheinlichkeit, dass es zwei Menschen mit identischen Fingerabdrücken gibt, bei 1 zu 64 Milliarden. Daher glauben die Befürworter der Daktyloskopie auch fest an die Unfehlbarkeit ihrer Methode. Doch es gibt zunehmend Kritik. US-amerikanische Rechtsanwälte bestritten 1999 zum ersten Mal die Wissenschaftlichkeit der Daktyloskopie und damit ihre Aussagekraft als Beweismittel. Dabei geht es vor allem um die Fehlerrate bei der Auswertung. Um das Gericht von der Verlässlichkeit der Technik zu überzeugen hatte das FBI seinerzeit einen Test durchgeführt und die Fingerabdrücke eines Angeklagten an sämtliche Labors in den Staaten verschickt. Das Ergebnis war äußerst peinlich für die Bundesbehörde, denn sieben Labors von 50, konnten keine Identität feststellen. Auch bei andere Testreihen in den USA lag die Fehlerquote der Daktyloskopen zwischen drei und 22 Prozent. Für ein wissenschaftliches Verfahren eindeutig zu hoch.
Die korrekte Beurteilung der Fingerabdrücke beruht also auch zum großen Teil auf der Erfahrung des jeweiligen Experten. Am 7. Januar 2002 entschied ein Richter im Bundesstaat Pennsylvania erstmals, Fingerabdrücke nicht als Beweismittel zuzulassen. In seiner Begründung führte Richter Louis Pollak unter anderem an, dass der Vergleich von sauber genommenen Fingerabdrücken auf der Polizeistation mit "latenten" Fingerabdrücken am Tatort unzuverlässig sei. Denn es gibt Menschen, die sehr ähnliche Papillarmuster haben, so dass kleinste Unsauberkeiten die Unterschiede im Abdruck verwischen können.
Auch der Soziologe Simon Cole von der Cornell Universität, New York stellte in seiner Untersuchung fest, dass die Daktyloskopie noch nie auf ihre Fehlerhaftigkeit untersucht wurde. In Deutschland jedenfalls gilt weiterhin der Spruch des Bundesgerichtshofs von 1952, nach dem die Beweiskraft der Methode uneingeschränkt anerkannt wird.

Bettina Wiegand, Stand vom 01.06.2009
Sendung: Die Kripo - Von Giftspuren, Morden und Verhörmethoden, 27.08.2008

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