Wissensfrage
Woher kommt der Begriff "einlochen"?
Im späten Mittelalter landen Straftäter entweder in den Türmen der Stadtbefestigungen oder den unterirdischen Gefängnissen der Rathäuser und der Klöster. In den Winkeln der Grundmauern versteckt, sind diese oft nur zwei Quadratmeter großen, mannshohen Kerker immer fensterlos. Licht erblickt der Häftling nur, wenn der so genannte Beschließer mit der Laterne kommt und Wasser und Brot bringt. Eine hölzerne Pritsche müssen sich meistens mehrere Gefangene teilen. Sie sitzen dann eng nebeneinander. Dabei sind Füße und Hände angekettet, in einen Stock geschraubt oder an einen schweren, eichenen Balken gefesselt, der sich nur mühsam bewegen lässt. Eine Toilette gibt es nicht. Stattdessen ist in der Mitte der Pritsche ein Loch, unter dem ein Kübel steht. Der Kerker ist feucht, kalt und stinkt nach Schmutz und Fäkalien. Da diese Art von Gefängnissen unterirdisch in Kellern und Erdlöchern liegen, heißen sie Lochgefängnisse.
Das Lochgefängnis ist, wie alle anderen Gefängnisse bis zum späten Mittelalter, ein Untersuchungsgefängnis. Die Inhaftierten werden so lange festgehalten, bis feststeht, auf welche Weise sie bestraft werden sollen. Üblich sind Todes- und Körperstrafen. Die grausame Tradition ist alt. Auch die antiken römischen Staatsgefängnisse sind unterirdisch angelegt. Vor allem in den Mittelmeerländern werden auch ausgetrocknete Brunnenschächte als Kerker benutzt. So vegetierten die Häftlinge unter den qualvollsten Bedingungen. Eines der bekanntesten Lochgefängnisse ist das Nürnberger Lochgefängnis. Es befindet sich unter dem Rathaus und wurde bis Anfang des 19. Jahrhunderts benutzt. Ebenso zwei Lochgefängnisse unter dem Regensburger Rathaus. Sie sind noch heute zu besichtigen. Wer ins Lochgefängnis kam, wurde buchstäblich "eingelocht".
Bärbel Heidenreich, Stand vom 01.06.2009






