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Psychologie des Verbrechens

Diebstahl oder Raub sind verhältnismäßig klare Angelegenheiten. Solche Verbrechen werden in der Regel aus Habgier begangen, das Motiv ist meistens klar. Schwieriger ist es mit Verbrechen, die eine stark psychisch motivierte Komponente besitzen. Solchen Taten liegt eine krankhafte Veranlagung oder ein gestörtes Sozialverhalten des Täters zugrunde.

Eine vermummte Person mit einem Messer in der Hand bedroht eine andere Person, von der man nur die erhobenen Hände sieht. (Rechte: mauritius images)

Die Psyche des Täters verstehen

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Polizeipsychologie

Er bezweckt meist nichts anderes, als Menschen auf ebenso krankhafte Weise zu zermürben oder gar zu töten. Das zwingt die Polizei, sich in die Psyche des Täters hineinzuversetzen, denn nur wenn man das Muster kennt, nach dem zum Beispiel ein Serienmörder oder "Stalker" tickt, kann man ihn überführen. Trotzdem ist die Polizeipsychologie noch eine relativ junge Disziplin, die sich aber im Laufe der letzten drei Jahrzehnte einen festen Platz in der Polizeiarbeit erobert hat.

Für den Begriff "Polizeipsychologie" fehlt es an einer verbindlichen Definition. Man unterscheidet im Prinzip drei Kategorien: Unter "Psychologie für die Polizei" versteht man zum Beispiel Eignungstests und Verhaltenstrainings für Polizeibeamte. "Psychologie der Polizei" beschäftigt sich mit der Motivation von Polizisten oder mit gravierendem Fehlverhalten der Beamten. "Psychologie in der Polizei" bezeichnet Vernehmungs- und Verhandlungstechniken auf psychologischer Grundlage und nur darum soll es hier gehen. Psychologie ist die Wissenschaft vom menschlichen "Verhalten und Erleben". Sie beobachtet, klassifiziert und analysiert die dazugehörenden physischen, psychischen und sozialen Bedingungen. Dadurch kann Psychologie Ursachen und Folgen solcher "Erlebens- und Verhaltensweisen" aufzeigen und vorhersagen, mit welchen Reaktionen in bestimmten Situationen zu rechnen ist. Der Psychologe kann Strategien entwickeln, mit denen er gezielt in die menschliche Psyche eingreift, um eine Änderung des Verhaltens zu erwirken. In der Polizeiarbeit spielt diese Wissenschaft eine immer größere Rolle und kann entscheidend für den Erfolg eines Einsatzes sein.

Geschichte

Der Münchener Polizeipräsident Dr. Manfred Schreiber etablierte 1964 den ersten polizeipsychologischen Dienst bei der Stadtpolizei München. Die Einrichtung sollte die Polizeiführung über alle psychologischen Grundfragen der alltäglichen, aber auch außergewöhnlichen Polizeiarbeit informieren, Forschung betreiben und lehren. Das Pilotprojekt hat psychologische Unterstützungs- und Beratungstechniken bei Polizeieinsätzen erfolgreich erprobt und so konnte sich die Polizeipsychologie in München etablieren und sich weiterentwickeln. Obwohl sich das Münchener Modell bewährt hatte, zögerten andere Bundesländer mit der Einführung eines polizeipsychologischen Dienstes. Zu groß waren Skepsis und Vorbehalte gegenüber dieser ganz und gar "unpolizeilichen" Arbeitsweise. Das hat sich mittlerweile geändert. Die Polizeipsychologie spielt heute eine sehr wichtige Rolle und ist gut in den Polizeidienst integriert.

Einsatz- und Kriminalpsychologie

Die psychologische Unterstützung von Einsätzen der Schutzpolizei zählt zu den anspruchsvollsten Aufgaben der Polizeipsychologen und erfordert viel Erfahrung. Bei schwierigen Einsätzen kommen deswegen nur die zum Zug, die sich mit den Strukturen der Polizei genau auskennen. Die Psychologen sind Teil der Polizeiführung beziehungsweise von Einsatzstäben. Dort beraten sie die Verantwortlichen hinsichtlich der Vorgehensweise aus psychologischer Sicht und sprechen Handlungsempfehlungen aus. So wird zum Beispiel zu Großveranstaltungen wie Demonstrationen, Konzerten, Sportveranstaltungen oder Wahlkundgebungen ein Fachpsychologe angefordert. Er soll das Verhalten der Massen aus psychologischer Sicht beobachten und gegebenenfalls geeignete Maßnahmen vorschlagen. Besteht bei einem Einsatz Lebensgefahr, zum Beispiel bei einer Geiselnahme, bei der Androhung von Morden oder bei Amokläufen, übernehmen Verhandlungsgruppen die Kommunikation mit den Tätern. Das sind von den psychologischen Diensten speziell geschulte Polizisten, zu denen auch ein Polizeipsychologe als Fachberater gehört.

Eine Person mit einer Gesichtsmaske telefoniert. (Rechte: picture-alliance/ZB)

Die Psychologen können etwa einen Täteranruf analysieren

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Zögerliche Zusammenarbeit

Im Gegensatz zur Arbeit bei der Schutzpolizei, die in der Regel versucht einen Einsatz ad hoc zu bewältigen, ist die Zusammenarbeit des Polizeipsychologen mit der Kriminalpolizei eher langfristig angelegt. Dabei sollen Psychologen in Sonderkommissionen und Analyseteams zum Beispiel ein Täterschreiben, oder - wie oft bei Entführungs- oder Erpressungsfällen üblich - einen Täteranruf analysieren. Während psychologische Techniken bei der Schutzpolizei der Nachkriegszeit langsam aber kontinuierlich integriert wurden, öffnete sich die Kripo dieser wissenschaftlichen Disziplin nur zögerlich. Man wollte nicht, dass die Untersuchungs- und Ermittlungsverfahren wissenschaftlich hinterfragt werden. Erst in den letzten zwei Jahrzehnten gingen die Ressentiments zurück und die Kriminalpolizei entwickelte zusammen mit Psychologen neue Vernehmungstechniken und suchte deren Rat bei operativen Fallanalysen - oft mit Erfolg.

Harald Brenner, Stand vom 01.06.2009
Sendung: Die Kripo - Von Giftspuren, Morden und Verhörmethoden, 27.08.2008

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