Stalking
Täter und ihre Motive
Jeder Mensch kann Opfer eines Stalkers werden. Dabei muss er seinen Peiniger nicht unbedingt kennen. Meist trifft es aber Personen, die eine Beziehung zum Täter hatten. Sie haben die Beziehung oder Ehe beendet oder die Avancen des Täters zurückgewiesen. Aber auch Berufe mit Publikumsverkehr, mit Patienten oder Klienten sind bevorzugte Opfer von Stalkern, weil die sich falsch beraten oder behandelt fühlen. Auch berufliche Rivalität kann die Ursache für Psychoterror gegenüber dem Konkurrenten sein.
Stalking darf nicht mit Liebeskummer verwechselt werden. Auch dabei kann es ja vorkommen, dass man den verlorenen Partner eine Zeit lang mit mehr Telefonaten oder Briefen behelligt, als es normalerweise üblich ist - doch diese Neigung lässt mit der Zeit nach. Stalker dagegen leiden unter massivem Realitätsverlust. Bei ihrem penetranten Verhalten und ihrer gestörten Wahrnehmung empfinden sie keinerlei Unrechtsbewusstsein.
Sie sehen ihren Psychoterror als legitime Reaktion auf das, was ihnen das Opfer "angetan" hat. Allein das Opfer ist schuld an der Kränkung oder der Provokation, die der Stalker erfahren musste und Stalker sind in dieser Beziehung hypersensibel. Sie verlangen geradezu nach Liebe, aber auch nach Rache - jedenfalls wollen sie die ungeteilte Aufmerksamkeit ihrer "Zielperson". Wenn es geht, im Guten, und wenn nicht, ist ihnen jedes Mittel zur Durchsetzung ihres Ziels recht. Untersuchungen haben ergeben, dass 80 Prozent der Stalker Männer sind und dass sie es auf die ehemaligen Partner abgesehen haben. Triebfeder der oft brutalen Angriffe ist der irrationale und unbändige Wille, die zerbrochene Ehe oder Beziehung wieder ins Lot zu bringen oder einen unerwiderten Annäherungsversuch mit Gewalt zum Erfolg zu bringen. Für manche hat sich Stalking zum Lebensinhalt entwickelt. Andere empfinden schlicht eine große Lust, Menschen in Angst und Schrecken zu versetzen.
Methoden und Gegenwehr
Vorübergehend auf jemand zornig zu sein oder heftig Liebeskummer zu haben, kann man keinesfalls mit Stalking gleichsetzen. Kritisch wird es dann, wenn solches Verhalten mit der Zeit eskaliert statt abzunehmen. Das äußert sich dann in penetrantem Telefonterror, auch mitten in der Nacht, oder dem Ausspionieren der Lebensgewohnheiten bis hin zum Wohnungseinbruch. Selbst das Überhäufen mit Geschenken oder Zerstörungswut gehören zum Repertoire eines Stalkers. Besonders peinigend für die Opfer ist es, wenn ihnen der Täter permanent auflauert oder wenn er Rufschädigung betreibt. Oft wird der Druck auf die Opfer so groß, dass sie sich gezwungen sehen, die Arbeitsstelle zu wechseln und sogar einen Umzug in Betracht zu ziehen. Es gibt aber auch Möglichkeiten, sich zur Wehr zu setzen.
Rechtliche Schritte
Ein zivil- oder strafrechtliches Verfahren gegen den Stalker ist eine Alternative. Grundsätzlich ist der Gang zum Rechtsanwalt ratsam. Eine Klage ist nicht zwingend sinnvoll, denn jeder Fall hat andere Hintergründe und die Täter reagieren sehr unterschiedlich auf juristische Maßnahmen. Manchmal können diese die Situation noch verschärfen. Wenn abzusehen ist, dass der Täter bei einer gerichtlichen Auseinandersetzung nicht mit einer harten Strafe rechnen muss, sondern nahezu ungeschoren davonkommt, könnte Rache die Folge sein. In jedem Fall ist es ratsam, eine der Beratungsstellen aufzusuchen, zum Beispiel das Deutsche Institut für Stalking-Prävention und Rechtsaufklärung, um das beste Vorgehen zu diskutieren.
Harald Brenner, Stand vom 01.06.2009





