Selbstbestimmung - Nunavut, Nunatsiavut & Co.
Die Gründung der selbstverwalteten Territorien
Seit 1999 existiert das erste durch Inuit selbstverwaltete Territorium Kanadas: Nunavut. Es umfasst vor allem die Bereiche nördlich der Hudson Bay im Nordosten Kanadas, fast ein Fünftel Kanadas, insgesamt ein Gebiet gut fünf- bis sechsmal so groß wie Deutschland. Auf dieser gewaltigen Fläche verlieren sich gerade einmal 30.000 Menschen, davon 25.000 Inuit. Die Hauptstadt Iqaluit ist mit circa 6000 Einwohnern die mit Abstand größte Siedlung. Auf Labrador, einer Halbinsel im Osten Kanadas, entstand 2005 Nunatsiavut, das den nördlichen Küstenstreifen umfasst. Teilweise gingen der Gründung jahrzehntelange Rechtsstreitigkeiten voran, in der die Inuit ihren Anspruch auf die Gebiete belegen mussten. Der Vater unseres Studiogastes Sabina Jung war in der "land claim"-Bewegung von Nunatsiavut rund 30 Jahre lang aktiv.
Die Gründung der Territorien ist mit großen Hoffnungen der Inuit verbunden. Abgaben von Minengesellschaften, aber auch finanzielle Unterstützung der Zentralregierung, können jetzt nach den Vorgaben der Inuit-Parlamente investiert werden. Man erhofft sich größere Berücksichtigung der Interessen der Inuit und vor allem wirtschaftlichen Aufschwung.
Wege aus der Depression
Das Problem der arktischen Region bleibt auch bei Selbstverwaltung erhalten: Wie kann ein derart abgelegenes Gebiet mit anderen, hochentwickelten Landesteilen finanziell konkurrieren und dabei bestehen? Es gibt erste Ansätze der Regionalverwaltungen, um wenigstens die bestehenden Möglichkeiten zu nutzen. Erste zusätzliche Arbeitsplätze wurden zunächst durch gezielte Dezentralisierung und bewusste Aufblähung der Verwaltung geschaffen. Tourismus wird intensiv gefördert. Durch den Tourismus hofft man nicht zuletzt, einen Markt für die hochwertige Kunst und das Kunsthandwerk der Inuit zu schaffen. Die Jugend wird gezielt gefördert, in Bildung investiert. Mancherorts gibt es sogar Programme, den Jugendlichen für gewisse Zeit zu ermöglichen, die Region zu verlassen, zum Beispiel für ein Studium oder andere Ausbildungen. Es bleibt abzuwarten, ob die Inuit durch die verschiedenen Programme langfristig von Sozialleistungen unabhängig werden können und dabei ihre kulturellen Wurzeln erhalten.
Vladimir Rydl, Stand vom 01.06.2009







