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Nomaden des Nordens: die Sami

Die Samen, die sich selbst als Volk der Sami bezeichnen, sind die Ureinwohner im nördlichen Skandinavien und auf der russischen Kolahalbinsel. Vieles im traditionellen Leben der Sami hat sich verändert. Zogen sie früher als Nomaden durch die karge Landschaft, so sind sie heute meist sesshaft und benutzen moderne Techniken. Auch wenn sie ihr Leben an die modernen Zeiten angepasst haben, sind sie ihrer jahrtausendealten Kultur und Geschichte immer noch eng verbunden.

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Ureinwohner des Nordens

Die Sami sind das ursprüngliche Volk des Nordens. Ihr Name kommt vom samischen "sapmi": ein Wort, das sowohl das traditionell von Samen bewohnte Gebiet als auch die ethnische Gruppe bezeichnet. Schon vor über 10.000 Jahren bewohnten die Vorfahren der Sami die eisigen Regionen in Nordeuropa. Heute leben noch knapp 70.000 der Ureinwohner in Norwegen, Schweden, Finnland und Russland. Neben Ackerbau und Fischfang lebten viele Sami jahrhundertelang von den Rentieren. Anfangs jagten sie die Tiere, begannen aber schon im frühen 16. Jahrhundert mit der Herdenbildung und Rentierzucht. Mit ihren großen Herden zogen sie zwischen den jahreszeitlich wechselnden Weidegebieten hin und her. Bei den Grenzziehungen der skandinavischen Staaten wurde auf diese Weidegebiete immer weniger Rücksicht genommen. Der Lebensraum der Sami schränkte sich zunehmend ein. Trotzdem waren noch bis vor wenigen Jahrzehnten viele rentierzüchtende Sami als Nomaden mit ihren Herden unterwegs. Inzwischen haben sich die meisten der Sami ihren Lebensstil der Moderne angepasst. Weniger als zehn Prozent sind noch Rentierzüchter, Tendenz fallend.

Karge Landschaft Lapplands. Im Vordergrund ein Rentiergeweih. (Rechte: Mauritius)

Die Rentierzucht benötigt weite Flächen

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Konflikte mit den Nationalstaaten

Immer wieder ist bei den Sami von den Indianern Nordeuropas die Rede. Das trifft zumindest in ihrer Einstellung zum Landbesitz zu. Sie beanspruchen große Flächen ihrer angestammten Siedlungsgebiete als Gemeinschaftsbesitz an Weideland für ihre riesigen Rentierherden. Rein rechtlich jedoch gehört den modernen Nationalstaaten das Land, auf dem sie ihre Rentiere züchten. Dies führt immer wieder zu Missstimmungen und Konflikten, besonders dort, wo die Staaten Nordeuropas mit Infrastrukturprojekten und der Nutzung von Bodenschätzen in den Lebensraum der Sami eingreifen. Vor dem Hintergrund massiver Wirtschaftsinteressen wie etwa dem schwedischen Eisenerzbergbau, der finnischen Holzindustrie oder der Wasserkraft-Energiegewinnung wurden den Sami sehr spät und oft zögerlich kulturelle Autonomie und rechtliche Sicherheit bei der Landnutzung eingeräumt. Schweden führte 1971 ein neues Rentierzuchtgesetz ein, mit dem jene Sami, die Rentierzucht betreiben, besondere Rechte bei der Nutzung von Boden und Wasser erhalten.

Nachdem die Interessen der Sami jahrhundertelang von den nordeuropäischen Staaten missachtet wurden, tritt seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs eine zögerliche Verbesserung ein. Schleppend wird der samischen Bevölkerung immer mehr Autonomie zugestanden sowie ein Gewohnheitsrecht bei der Nutzung ihrer Weideflächen. In allen drei skandinavischen Staaten gibt es mittlerweile offizielle samische Interessensvertretungen, die häufig auch in den nationalen und regionalen Parlamenten sitzen.

Sängerin Mari Boine bei einem Live-Auftritt. (Rechte: WDR/Rainer Leigraf)

Mari Boine machte den Joik-Gesang weltbekannt

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Kulturelle Eigenheiten

Auch wenn Sami für Touristenfotos mit Rentier und Tracht vor ihrem Zelt, der sogenannten Kote, posieren, so entspricht dieses Ambiente nicht ihrem Alltag. Trotzdem hat sich das Volk der Sami eine große kulturelle Eigenständigkeit erhalten. Berühmt ist die samische Musik mit ihrem charakteristischen Gesang, dem "Joik". Früher war der Joik-Gesang Teil des samischen Schamanentums und wurde als Heilgesang und aus spirituellen Gründen gesungen. Heute hat dieser eigenwillige Gesang Einzug in die Weltmusik gefunden. Die bekannteste Interpretin, die Sängerin Marie Boine, ist weit über die Grenzen Europas hinaus bekannt.

Die samische Kultur ist aber trotz der Besinnung auf ihre Traditionen nicht rückwärtsgewandt. Im Gegenteil, die Samen entwickeln sogar neue Bräuche und Feste. Das samische Rentierrennen ist eine Erfindung der modernen Zeit und verbindet die jahrhundertealte Verbundenheit zum Rentier mit dem Skilaufen. Im Winter, und der reicht in Nordeuropa bis Anfang Mai, finden in allen von Samen bewohnten Regionen Rentierrennen statt.

Blick über einen aufgeschichteten Steinhaufen in die karge Ebene Lapplands im Dämmerlicht. (Rechte: dpa)

Weites mystisches Land

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Die samische Sprache

Die Hälfte aller Sami spricht neben der jeweiligen Landessprache zusätzlich eine eigene Sprache, das Samisch. Die samische Sprache ist eng verwandt mit Finnisch, Estnisch und Ungarisch und wird in den samischen Siedlungsgebieten von vielen Menschen auch heute noch gesprochen. Obwohl in Norwegen lebenden Sami bis in die 1970er Jahre der Gebrauch der eigenen Sprache an Schulen und in öffentlichen Einrichtungen untersagt wurde, ist das Samische auch dort nicht ausgestorben. Es gibt zahlreiche Dialekte des Samischen, die sich deutlich voneinander unterscheiden. Gemeinsam ist allen Dialekten jedoch der große Wortreichtum für die umgebende Natur. Traditionell ist Samisch eine gesprochene Sprache mit reicher Erzähltradition. Eine samische Schriftsprache ist erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden. Das erste literarische Werk in samischer Sprache war 1910 eine Erzählung von Johan Turi zur Geschichte der Sami.

Wolfgang Neumann-Bechstein, Stand vom 01.06.2009

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