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Wissensfrage: Das "Milljöh"

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Welcher Maler porträtierte das Berliner "Milljöh" des beginnenden 20. Jahrhunderts?

Das Berliner "Milljöh" war sein Thema: Heinrich Zille zeichnete Figuren und Szenen aus der sozialen Unterschicht, er richtete den Blick auf die Berliner Mietskasernen und die feuchten, dunklen Hinterhöfe der Großstadt. Heinrich Zille war selbst kein Berliner. 1858 in Radeburg bei Dresden geboren, zog er mit seinen Eltern neun Jahre später nach Berlin. Dort begann Zille nach der Schulzeit eine Ausbildung als Lithograf, studierte aber parallel dazu bei dem Maler und Karikaturisten Theodor Hosemann an der "Königlichen Kunstschule". 1883 heiratete er die Lehrerstochter Hulda Frieske, mit der er drei Kinder bekam. Zille arbeitete 30 Jahre lang bei der "Fotografischen Gesellschaft Berlin". Erst nach seiner Entlassung 1907 lebte und arbeitete er als freier Künstler.

Zeichnung: Ein kleines Mädchen putzt mit dem eigenen Kleid einem Baby im Hochstuhl die Nase. (Rechte: AKG)

1913 erschien der Bildband "Mein Milljöh"

Vergrößern

Um die Jahrhundertwende stellte Zille erste Zeichnungen aus. Zeitschriften wie der "Simplicissimus" und "Die Lustigen Blätter" veröffentlichten seine Werke. 1913 erschien Zilles Bildband "Mein Milljöh" und die Zyklen "Berliner Luft" und "Hurengespräche". Seine Zeichnungen kamen an – und das bereits zu seinen Lebzeiten. Zilles Talent war auch in der Werbung gefragt: So gestaltete er Plakate für den Zirkus Busch, für Malzmann Zigaretten, für Varietétheater und für gesellschaftliche Veranstaltungen.

Das Besondere an Zilles Werken war ihre Echtheit, denn Zille fand seine Motive auf der Straße. Dorthin ging er allerdings nicht als Zeichner, sondern fotografierte live die Szene. Die Fotos übertrug er später mit Kohle, Kreide und Aquarellfarben auf Papier oder schuf Radierungen und Lithografien für den Druck. Zu seiner zeichnerischen Begabung kam ein literarisches Talent, mit dem er die Sprache des Milieus einfing und mit der er viele seiner Zeichnungen kommentierte. Den Höhepunkt seiner Popularität erreichte Zille ein Jahr vor seinem Tod mit den Feierlichkeiten zu seinem 70. Geburtstag: Im Märkischen Museum von Berlin wurde eine Retrospektive seiner Werke mit dem Titel "Zilles Werdegang" ausgestellt. Am 9. August 1929 starb Heinrich Zille in Berlin-Charlottenburg und erhielt ein Ehrenbegräbnis in Stahnsdorf. Seine Bedeutung als Fotograf wurde allerdings erst nach seinem Tod erkannt.

Claudia Heidenfelder, Stand vom 28.01.2010

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