"BanaFair" - Fairer Handel mit Bananen
Die "faire Banane " wird geboren
Anfang der 70er Jahre ziehen einige Frauen aus einer Kirchengemeinde des schweizerischen Ortes Frauenfeld durch die Straßen und vor die Geschäfte der schweizerischen Handelsgesellschaft Migros. Sie bieten Bananen an, die 15 Rappen mehr kosten. Das zusätzliche Geld ist für Projekte in Guatemala bestimmt. Dorthin nämlich haben die Kirchenfrauen Kontakte geknüpft und erfahren, wie schlecht die Lebensbedingungen der Bananenarbeiter vor Ort sind. Es ist der Beginn der fair verkauften Bananen.
Mitte der 80er Jahre sind die "Bananenfrauen" erneut gefragt. Die Vereinigten Staaten von Amerika haben Nicaragua ein Handelsembargo aufgezwungen. Die Folge: Nicaragua, das wirtschaftlich abhängig von den Exporten in die Vereinigten Staaten ist, sucht einen neuen Abnehmer für seine Bananen. Wieder werden die Frauen aktiv. Sie kümmern sich um Abnehmer in der Schweiz und vertreiben selbst die "Nica-Bananen" mit einem Aufpreis, einem "Solidaritätsbeitrag" zum Aufbau von Nicaragua. Jetzt bleiben auch die Deutschen nicht mehr unbewegt: Ende der 80er Jahre gründen sich Arbeitsgemeinschaften zur Solidarität mit Nicaragua. Dies ist die Geburtsstunde von "BanaFair".
Das "TransFair"-Siegel
Von 1986 bis 1993 werden die "Nica-Bananen" vertrieben. Erst die veränderten politischen Verhältnisse in Nicaragua und die Übernahme der nicaraguanischen Bananenplantagen durch die "Standard Fruit Company" (Dole) zwingen die Organisationen des fairen Handels weiter zu denken. Andere kleine Plantagenbesitzer aus anderen mittelamerikanischen Staaten, die vorwiegend von den Bananen leben, suchen und finden ihre Unterstützung. Um sicherzustellen, dass die unterstützten Betriebe den Kriterien des fairen Handels entsprechen, wird in verschiedenen europäischen Ländern ein Gütesiegel eingeführt. Die Schweizer und andere Europäer übernehmen das holländische Gütesiegel "Max Havelaar", die Deutschen und Italiener führen das "TransFair"-Siegel ein. Unterstützt wird es von verschiedenen kirchlichen Organisationen und parteipolitischen Stiftungen. In den nächsten Jahren wird "TransFair" für Produkte wie Kaffee, Kakao, Schokolade und Bananen zu einem Gütesiegel, das nun auch in Supermärkten vertrieben wird. Europaweit ist der Erfolg groß. In der Schweiz etwa erlangen die fair gehandelten Bananen über 20 Prozent Marktanteil, in Deutschland entwickelt sich der Vertrieb allerdings nicht so gut. Mit dem Zusammenrücken Europas entschließen sich auch die Organisationen des fairen Handels, ein gemeinsames Gütesiegel einzuführen, die "Fair Trade Labelling Organizations" (FLO) entstehen.
Faire Bananenplantagen
Die Arbeit auf den Bananenplantagen ist hart, denn die Banane ist eine sehr empfindliche Frucht und benötigt viel Aufmerksamkeit. Wer Bananen so billig verkaufen will, wie wir sie heute zum größten Teil in unseren Läden bekommen, muss an allen Ecken und Enden sparen. In den meisten Fällen leiden darunter die kleineren und mittelgroßen Plantagen, die an die großen Firmen liefern. Um überhaupt Abnehmer zu finden, müssen sie die Löhne niedrig halten und möglichst viele Pestizide und andere Schadstoffe einsetzen, damit die Bananen nicht erkranken. Hier setzt die Arbeit der FLO an. "BanaFair" unterstützt die Kleinbauernorganisation Urocal in Ecuador, indem sie ihr einen regelmäßigen Absatzmarkt in Deutschland verschafft. Für jeden Karton bekommen die Plantagenbesitzer eine festgelegte Summe, darüber hinaus wird pro Karton eine bestimmte Summe für soziale Projekte bezahlt. Voraussetzung ist, dass die Bauern die Kriterien des fairen Handels einhalten wie Verbot von Kinderarbeit, Organisationsfreiheit der Arbeiter und weniger Pestizid-Einsatz, unter dem vor allen Dingen die Arbeiter leiden. Viele der fair gehandelten Bananen werden inzwischen auch biologisch angebaut und bekommen auch hierfür das entsprechende Siegel.
Stephanie Hiller, Sine Maier-Bode, Stand vom 01.06.2009








