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Fairer Handel

Mit Kaffee, Tee, Schokolade und Jutetaschen in Weltläden und auf Kirchenbasaren fing es an. Heute kann man in Deutschland fast 1000 verschiedene fair gehandelte Produkte in mehr als 30.000 Geschäften kaufen - auch in Supermärkten und bei Discountern. Doch ist Fairtrade, der Handel mit Produkten, die ohne Zwangs- und Kinderarbeit entstehen und für die die Hersteller fair entlohnt werden, wirklich eine Erfolgsgeschichte?

Fair gehandelte Kleidung und Kosmetik (2'53'')

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Kofferraum und Hungermarsch - die Anfänge

Die Geschichte des Fairen Handels beginnt mit einer Reise: Gemeinsam mit ihrem Mann besucht die Amerikanerin Edna Ruth Byler 1946 Puerto Rico. Sie lernt dort Handarbeiterinnen kennen, die in sehr armen Verhältnissen ihre Waren produzieren. Byler beschließt, einen Markt für diese Handarbeiten zu schaffen, der für eine faire Bezahlung der Arbeiterinnen sorgen soll. Aus dem Kofferraum ihres Autos heraus verkauft sie Waren aus Südamerika zunächst an ihre Familie und Freundinnen. Die Idee kommt an, und aus Bylers Graswurzelbewegung entsteht "Selfhelp Crafts", eine Organisation des fairen Handels, die unter dem Namen "Ten Thousand Villages" bis heute existiert.

Volle Regale in einem Weltladen. (Rechte: WDR)

In Weltläden gibt es schon lange Fairtrade-Produkte

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"Selfhelp Crafts" war eine Organisation des "Mennonite Central Committee", und auch Edna Ruth Byler war Mennonitin. So wie in den USA hat die Idee des fairen Handels auch in Deutschland einen kirchlichen Ursprung: 1970 demonstrieren kirchliche Jugendverbände mit Hungermärschen gegen die damalige deutsche Entwicklungspolitik. Aus diesem Protest entwickelt sich 1971 die "Aktion Dritte Welt Handel" und 1975 die Gepa (Gesellschaft zur Förderung der Partnerschaft mit der Dritten Welt). Europäische Vorbilder für diese Fairtrade-Organisation haben sich zuvor bereits in England (Oxfam Trading) und in den Niederlanden (S.O.S. Wereldhandel) gegründet. Zu dieser Zeit entstehen auch die ersten Weltläden, Geschäfte, die fair gehandelte Produkte anbieten. Heute gibt es in Deutschland rund 800 Weltläden.

Händler und Siegel - wichtige Organisationen

Die Gepa ist bis heute der größte deutsche Importeur fair gehandelter Waren und nach eigenen Angaben mit einem Jahresumsatz von 54 Millionen Euro Europas größte Fairtrade-Organisation. Gut die Hälfte des Umsatzes macht Kaffee aus. Gepa arbeitet mit Kleinbauern und Handwerkern zusammen, die neben langfristigen Handelsbeziehungen und garantierten, fairen Preisen auch Kredite und Beratung bekommen. Gesellschafter von Gepa sind kirchliche Organisationen wie Misereor, der Evangelische Entwicklungsdienst oder Brot für die Welt.

Eine Grafik zeigt, welche Aufgaben FLO und TransFair wahrnehmen (Rechte: TransFair e.V.)

Aufgabenteilung zwischen FLO und TransFair

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1992 wird mit TransFair ein gemeinnütziger Verein gegründet, der das Ziel hat, durch fairen Handel die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Produzenten in Afrika, Asien und Lateinamerika zu verbessern. TransFair handelt selbst nicht mit Waren, sondern vergibt das Fairtrade-Siegel für Waren, die den Standards des fairen Handels entsprechen. Als erster Händler erhält die Gepa das Siegel. Siegelinitiativen aus 22 Ländern sind in der Fairtrade Labelling Organisation (FLO) zusammengeschlossen, die 2002 das internationale Fairtrade-Logo einführt.

Kaffeepflückerin (Rechte: Interfoto)

Arbeit soll gerecht entlohnt werden

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Wann ist der Handel fair?

Produzenten und Händler dürfen das Fairtrade-Siegel nur auf ihre Waren drucken, wenn sie die Standards des fairen Handels einhalten. Ziel dieser Standards ist es, die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Kleinbauern und der Plantagenarbeiter in armen Ländern zu verbessern. Über feste Preise und langfristige Handelsbeziehungen sollen sie die Möglichkeit bekommen, ihre Organisationsstrukturen und damit auch die Qualität ihrer Produkte zu verbessern.

Die Spielregeln legt die FLO fest. So müssen sich Kleinbauern zum Beispiel zu Organisationen zusammenschließen, in denen Entscheidungen demokratisch getroffen werden. Plantagen verpflichten sich, für ihre Arbeiter Tarifverhandlungen, Versammlungsfreiheit, Sicherheit am Arbeitsplatz und Gesundheitsvorsorge sicherzustellen. Kinder- und Zwangsarbeit sind verboten.


Den Produzenten wird in der Regel ein Fairtrade-Mindestpreis garantiert und eine Fairtrade-Prämie gezahlt, die sie in Projekte für die Gemeinschaft investieren können. Liegt der Weltmarktpreis über dem ausgehandelten Fairtrade-Preis, bekommen die Produzenten den höheren Weltmarktpreis. Biologischer Anbau ist keine Pflicht, wird aber über höhere Preise und Prämien gefördert.

Eine Grafik zeigt den Umsatz von Fairtrade-Produkten von 1992 bis 2009. (Rechte: TransFair e.V.)

Die Umsatzentwicklung von Produkten mit Fairtrade-Siegel

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Fairer Handel - eine Erfolgsgeschichte?

Nach Angaben von TransFair stieg der weltweite Umsatz fair gehandelter Produkte 2009 im Vergleich zum Vorjahr um 15 Prozent auf 3,4 Milliarden Euro. Weltweit arbeiten mehr als 800 Kleinbauernorganisationen und Plantagen in rund 60 Ländern nach den Standards des fairen Handels. Längst haben es Fairtrade-Produkte auch in Deutschland in die Supermärkte und sogar in Discounter wie "Aldi" und "Lidl" geschafft und erreichen somit breite Käuferschichten. Laut TransFair lag der Umsatz von Produkten, die das Fairtrade-Siegel von TransFair trugen, 2009 bei 264 Millionen Euro. Nimmt man Produkte ohne dieses Siegel hinzu, die aber ebenfalls fair gehandelt wurden, gaben die deutschen Verbraucher nach Angaben des Forums Fairer Handel 2009 sogar 332 Millionen Euro für fair gehandelte Waren aus, 21 Prozent mehr als noch 2008. "Für uns war es ein wichtiges Signal", sagt TransFair-Pressesprecherin Claudia Brück, "dass der Umsatz fair gehandelter Produkte in Deutschland trotz Wirtschaftskrise gewachsen ist."

Die Wachstumszahlen mögen beeindrucken, dennoch ist Deutschland noch immer ein "Fair-Trade-Schwellenland", wie es die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" im Sommer 2010 formulierte. In England beispielsweise hat fair gehandelter Kaffee einen Marktanteil von 20 Prozent, in Deutschland nur knapp zwei Prozent. Ein möglicher Grund: In anderen Ländern ist die Idee des fairen Handels schon länger etabliert. Was hinter dem englischen Begriff "Fairtrade" steckt, ist den deutschen Konsumenten noch nicht so geläufig. Zum anderen sei, so Claudia Brück, die Schnäppchenmentalität in Deutschland besonders stark verbreitet.

Eine Vielzahl von Produkten mit dem Fairtrade-Siegel. (Rechte: TransFair e.V.)

Viele Produkte tragen das Fairtrade-Siegel

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Als Fairtrade-Produkte vor einigen Jahren den Weg in die Discounter schafften, sah das nicht jeder gern. Kritiker hielten es für doppelzüngig, dass sich Unternehmen, denen man in Deutschland Verstöße gegen soziale und gewerkschaftliche Standards vorwarf, mit ihrem angeblichen Engagement für den fairen Handel schmückten. TransFair-Pressesprecherin Claudia Brück hält der Kritik entgegen, es sei falsch, "TransFair-Produkte aus Discountern herauszuhalten. Damit hilft man niemandem, auch nicht den deutschen Angestellten, die eventuell selbst unter unfairen Bedingungen arbeiten. Das eine hat nichts mit dem anderen zu tun und wir wollen, dass auch Menschen mit geringem Einkommen fair gehandelte Sachen einkaufen können."

Christoph Teves, Stand vom 13.01.2012
Sendung: Der Kaffee ist fertig!, 13.01.2012

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BanaFair

Der Verein importiert und vertreibt fair gehandelte Bananen. Dahinter steht ein Verbund kleiner Anbauverbände aus Lateinamerika und der Karibik, deren Bananen für den Verkauf vorwiegend in Naturkostläden bestimmt sind.

http://www.planet-wissen.de

TransFair

Der gemeinnützige Verein führt selbst keinen Kaffee ein und verarbeitet ihn auch nicht, sondern vergibt Siegel für Händler von fair gehandelten Produkten.

http://www.planet-wissen.de

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