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Kleine Siegelkunde

Bananen oder Teppiche, Blumen, Kleidung oder sogar Steinplatten - inzwischen gibt es eine reichhaltige Palette von fair gehandelten Waren. Oft sind diese etwas teurer als Konkurrenzprodukte. Der Verbraucher muss sich die Vertrauensfrage stellen: Glaubt er dem Händler, dass das Produkt den höheren Preis wirklich wert ist? Um dieses Vertrauen der Verbraucher werben eine ganze Reihe von Siegeln und Zeichen. Allerdings sagen sie nicht alle das Gleiche aus - fair ist also nicht gleich fair. Planet Wissen stellt einige wichtige Siegel vor.

Einkaufswagen mit verschiedenen Produkten aus fairem Handel. In der Mitte sieht man eine Papiertüte mit dem Fairtrade-Siegel. (Rechte: dpa)

Fairtrade - das bekannteste Siegel

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TransFair - Fairtrade

Bei den Siegeln für fairen Handel ist in Deutschland "Fairtrade" am weitesten verbreitet. Es wird vom Verein "TransFair" vergeben, bei dem verschiedene gesellschaftliche Organisationen aus Entwicklungspolitik, Kirchen und Verbraucherschutz Mitglied sind. Der Verein schließt Lizenzverträge mit Händlern, Importeuren und Verarbeitern ab. Alle müssen bestimmte ökologische, ökonomische und soziale Standards erfüllen. So ist zum Beispiel Zwangsarbeit genauso verboten wie die Verwendung gentechnisch veränderter Organismen. Bei den langfristigen Handelsbeziehungen gibt es stabile Mindestpreise.

Regelmäßig wird überprüft, ob die Standards auch noch eingehalten werden. Kaffee war das erste Produkt, das 1992 ein Siegel des Vereins trug. Damals hieß es noch Trans-Fair-Siegel, später wurde es in das international gängige "Fairtrade" umbenannt. Im Jahr 2010 wurden in Deutschland rund 1000 Produkte mit dem Siegel angeboten. Außer Lebensmitteln sind darunter auch viele Textilien. Rund 30.000 Händler hatten zertifizierte Produkte im Programm - vom Bioladen bis zum Discounter.

Rückseite eines Teppichs. Er trägt ein Schild mit einem GoodWeave-Siegel. (Rechte: GoodWeave/Christian Wyrwa)

GoodWeave hilft Teppichknüpfern

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GoodWeave - RugMark

"GoodWeave" nennt sich das Siegel für Teppiche. Wichtigste Bedingung für die Zertifizierung ist hier, dass in den Teppichmanufakturen keine Kinder unter 14 Jahren beschäftigt sein dürfen. Außerdem müssen noch weitere Umwelt- und Sozialstandards erfüllt sein, die auch für erwachsene Knüpferinnen und Knüpfer gelten. Bis Herbst 2009 hieß das Teppich-Siegel "RugMark", wie die internationale Organisation, die es vergibt. Der deutsche Verein TransFair ist Mitglied bei "RugMark International" (RMI).

Die Organisation bekämpft Kinderarbeit nicht nur passiv durch Richtlinien: GoodWeave-Inspektoren befreien aktiv Kinder aus ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen und ermöglichen ihnen den Besuch von Schulen. Schwerpunkt der Arbeit von RMI sind Indien und Nepal. 2009 stammte knapp ein Drittel der deutschen Teppichimporte aus Indien. Im selben Jahr lag der Anteil von Teppichen mit GoodWeave-Siegel am Gesamtumsatz aus dem Teppichverkauf nach Angaben von RMI bei rund 4,5 Prozent.

In der Mitte von Kaffeebohnen liegt ein GEPA-Zeichen aus Metall. (Rechte: dpa)

Mit Kaffee fing in den 70er Jahren der Faire Handel an

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Gepa, BanaFair und Naturland Fair

"Gepa - The Fair Trade Company" wird zwar von vielen Verbrauchern wie ein Siegel für fairen Handel wahrgenommen, ist aber eher ein Logo. Im Gegensatz zu dem Verein TransFair, der nur Siegel vergibt, treibt Gepa aktiv Handel. Der Jahresumsatz der Gesellschaft betrug im Geschäftsjahr 2008/09 nach eigenen Angaben 54 Millionen Euro. Gegründet wurde sie 1975 als "Gesellschaft zur Förderung der Partnerschaft mit der Dritten Welt". Die Gesellschafter sind Organisationen der evangelischen und katholischen Kirche. Ihre Handelspartner sind rund 170 Genossenschaften, Vermarktungsorganisationen und Privatbetriebe in etwa 40 Ländern Afrikas, Lateinamerikas und Asiens. Gewinne werden in den fairen Handel reinvestiert. Das Sortiment von Gepa umfasste 2010 rund 300 Lebensmittel und 1000 Handwerksprodukte. Verbraucher finden Gepa-Produkte vor allem in Welt- oder Bioläden, aber teilweise auch in Filialen größerer Handelsketten.

Nach einem ähnlichen Prinzip wie Gepa arbeitet auch BanaFair. Der Verein importiert und vertreibt Bananen von Kleinproduzenten. Außerdem unterstützt er soziale Projekte in den Bananen produzierenden Ländern. Das Siegel "Naturland Fair" arbeitet unter anderem mit BanaFair zusammen. Naturland ist eigentlich ein Zeichen für ökologische Landwirtschaft, das der gleichnamige Bauernverband vergibt. Naturland Fair ist die Erweiterung des Zeichens in Richtung fairer Handel. Das Siegel existiert seit 2010. Es soll nicht nur eine Zertifizierung von Betrieben, sondern auch von einzelnen Produkten ermöglichen. Auch deutsche Produkte können das "Naturland Fair"-Siegel tragen. So wurde die Milch von den "Milchwerken Berchtesgadener Land" als Erstes damit ausgezeichnet.

Laufband einer Lidl-Kasse. Darauf stehen verschiedene Lebensmittel der Marke "Fairglobe". (Rechte: dpa)

Seit 2006 vertreibt Lidl Waren mit der Eigenmarke "Fairglobe"

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Fairglobe und One World

Beide Bezeichnungen sind Eigenmarken: Fairglobe stammt von der Handelskette Lidl, One World von Aldi-Süd. Die beiden Marken bringen Produkte aus fairem Handel in die Discounter. Dabei haben "One World"-Produkte bei Aldi-Süd eher den Stellenwert von Aktionswaren, die in bestimmten zeitlichen Perioden gezielt beworben werden. Lidl hat seit 2006 dauerhaft Fairglobe-Produkte in seinen Regalen - vom Baumwollbeutel bis zum Fruchtsaft. Sowohl Aldi-Süd als auch Lidl sind - wie im Übrigen auch andere Discounter - Lizenznehmer bei TransFair. Deshalb tragen die Fairglobe- und One World-Produkte auch noch das "Fairtrade"-Siegel.

Der Verein TransFair wurde gerade in den Anfängen stark für seine Zusammenarbeit mit Lidl kritisiert, so von Weltläden oder von der Attac-Bewegung. Angemahnt wurde dabei vor allem der viel kritisierte Umgang der Handelskette mit eigenen Mitarbeitern. TransFair stellte sich jedoch auf den Standpunkt, dass nur durch eine Öffnung gegenüber Discountern fair gehandelte Produkte auch wirklich die breite Bevölkerung erreichen könnten.

Eine Packung mit getrockneten Mangos der Firma Rapunzel. Darauf ist ein grünes Siegel mit zwei Händen zu sehen. (Rechte: Rapunzel Naturkost AG)

Die Rapunzel Naturkost AG hat ein eigenes Siegel

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Hand in Hand

"Hand in Hand" ist ein eigenes Siegel der Rapunzel Naturkost AG. 2010 umfasste das Angebot 70 Produkte aus 14 verschiedenen Rohstoffen. Mindestens 50 Prozent eines Produkts müssen aus fairem Handel stammen, um das Siegel zu erhalten. Auf andere Siegel, wie zum Beispiel Fairtrade, wollte Rapunzel nach eigenen Angaben nicht zurückgreifen. Unter anderem begründet das Unternehmen das damit, dass TransFair bestimmte Unternehmensformen zur Zertifizierung vorschreibe. Damit hätte das Unternehmen langjährige Handelsbeziehungen zu Betrieben, die nach ökologischen Grundsätzen arbeiten, nicht aufrecht erhalten können. Um den Standard des Siegels zu dokumentieren, unterwirft sich Rapunzel regelmäßig einer unabhängigen Kontrolle.

Das FLP-Siegel mit einer stilisierten Rose ist umgeben von drei roten Rosen. (Rechte: FLP)

Besonders für Arbeiter in der Rosenzucht setzt sich FLP ein

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FLP - Flower Label Program

Vor allem für Rosen bekannt ist das Siegel "FLP" des Vereins Flower Label Program. Der Grund: Zum Muttertag und zum Valentinstag werden weltweit am meisten Blumen verkauft. Besonders begehrt bei den Käufern sind hierbei die Rosen. Sie werden oft in Ländern nahe dem Äquator gezüchtet, wegen der dort für Rosen günstigen klimatischen Bedingungen. Ein Großteil des Jahresumsatzes für die Züchter hängt davon ab, was sie zu Muttertag und Valentinstag liefern können. Um dem gerecht werden zu können, werden häufig und verstärkt Pestizide eingesetzt und Arbeiter gezwungen, bis zur körperlichen Erschöpfung Überstunden zu leisten. Dem will FLP entgegenwirken - mit Rosen, die zwar ein wenig teurer sind, aber den Arbeitern dauerhaft ein faires Einkommen ermöglichen. Auch andere Schnitt- und Topfblumen werden von FLP zertifiziert. Seit 2010 gibt es auch eine Zertifizierung für Pflanzen aus deutschem Anbau.

Die Grafik zeigt ein Logo, auf dem "Win=Win" und "Fair Stone" zu lesen sind. (Rechte: Win=Win)

Das Fair-Stone-Siegel gibt es seit 2008

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Fair Stone und XertifiX

Beide Siegel zertifizieren Natursteine. Ähnlich wie in Teppichmanufakturen arbeiten auch in asiatischen Steinbrüchen häufig Kinder. Für die erwachsenen Arbeiter sind die Bedingungen oft ebenfalls sehr hart. Ziel der Siegel ist, hier eine Verbesserung herbeizuführen. Fair Stone wird seit Ende 2008 von der Agentur Win=Win vergeben. Bisher hat die Agentur Lizenznehmer in China, Indien, Vietnam und der Türkei. Der Verein XertifiX, der das gleichnamige Siegel für Natursteine aus Indien verleiht, existiert seit 2006. Obwohl jünger, war das Fair Stone-Siegel bis 2010 bereits weiter verbreitet. So wurden gesiegelte Steine nicht nur im Fachhandel, sondern auch bei einer Baumarktkette geführt. Wichtigster Abnehmer der Steine sind aber vor allem Kommunen, die beispielsweise Pflasterungen in Innenstädten damit vornehmen lassen.

Christina Lüdeke, Stand vom 01.11.2011

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