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Ludwig Erhard - Der Vater des Wirtschaftswunders

Mit keiner Person ist die wirtschaftliche Nachkriegsordnung der Bundesrepublik so verknüpft wie mit Ludwig Erhard, dem ersten Wirtschaftsminister der Bundesrepublik und späteren Kanzler.

Porträtfoto von Ludwig Erhard im Profil mit einer Zigarre im Mund. (Rechte: dpa)

Vater der Sozialen Marktwirtschaft

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Die Zeit bis 1945

Ludwig Erhard wird 1897 in Fürth als Sohn eines Textilwarenhändlers geboren. Nach dem Besuch der Realschule absolviert Erhard eine kaufmännische Lehre in Nürnberg. Im Ersten Weltkrieg ist er Soldat und wird an der Westfront schwer verwundet. Nach dem Krieg studiert er an der Handelshochschule Nürnberg, später an der Universität Frankfurt Betriebswirtschaft, Nationalökonomie und Soziologie. Nur kurz arbeitet er danach im elterlichen Betrieb, sondern beschäftigt sich ab 1928 am "Institut für Wirtschaftsbeobachtung der deutschen Fertigware" in Nürnberg mit Konsumforschung. 1942 verlässt er das "Institut für Wirtschaftsbeobachtung" und gründet mit dem "Institut für Industrieforschung" ein eigenes Institut, das von der Reichsgruppe Industrie finanziert wird.

Menschen in den 40er Jahren bilden auf einem Platz eine riesige Warteschlange. (Rechte: dpa)

Menschenschlangen am Tag der Währungsreform

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1944 arbeitet er für den "Kleinen Arbeitskreis der deutschen Industrie", der sich Gedanken darüber macht, wie in Deutschland nach dem Krieg die Wirtschaft wieder aufgebaut werden soll. In diesem Zusammenhang verfasst Ludwig Erhard seine Denkschrift "Kriegsfinanzierung und Schuldenkonsolidierung", in der er von davon ausgeht, dass der Krieg mit einer Niederlage endet. Eine Haltung, die zu der Zeit unbedingt geheim bleiben muss, weil sie der nationalsozialistischen Durchhaltepropaganda widerspricht. Seine Arbeit als Wirtschaftsexperte wird auch von Widerstandskreisen wahrgenommen. Erhard vertritt die Ansicht, dass die Nachkriegsordnung eine wirtschaftlich liberale sein sollte. Eine Enteignung industriellen Großkapitals, die als Szenario ebenfalls diskutiert wird, lehnt er ab.

Verschiedene Briefmarken von Erhard und eine Telefonkarte mit Erhard und seinem Buch 'Wohlstand für alle'. (Rechte: dpa)

Erinnerungen an Ludwig Erhard

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1945 bis 1948: Einführung der "Sozialen Marktwirtschaft"

Erhard gilt als politisch unbelastet. Die Amerikaner sind froh die Kenntnisse dieses deutschen Wirtschaftsexperten einsetzen zu können. Im Oktober 1945 wird Ludwig Erhard zum Wirtschaftsminister in Bayern ernannt, zwei Jahre später in die "Sonderstelle Geld und Kredit" berufen. In dieser geheim tagenden deutschen Expertengruppe wird unter Aufsicht der Amerikaner die Währungsreform vorbereitet. Im März 1948 wählt der Wirtschaftsrat, ein aus Abgeordneten deutscher Landtage gebildetes Parlament, Erhard zum "Direktor der Verwaltung für Wirtschaft des Vereinigten Wirtschaftsgebiets", eine Art Wirtschaftsminister für den noch nicht gegründeten Staat. Erhard will in der Nachkriegswirtschaft vor allem die Konsumgüterindustrie stärken.

Am Tage der Währungsreform wagt er einen Alleingang: Ohne die Amerikaner zu informieren, hebt er das Bezugsscheinsystem für viele Bereiche des täglichen Konsums auf. Er hält es für notwendig, dass sich die neue Währung direkt unter marktwirtschaftlichen Gesetzen bewährt. Zentral ist für ihn die Sorge "dass die Übereinstimmung von Güterproduktion und Kaufkraftbildung gewahrt bleibt". Eine "Soziale Marktwirtschaft" will Erhard für die Bundesrepublik. Dieser Begriff kennzeichnet ein Wirtschaftsmodell, das grundsätzlich die Freiheit der Wirtschaft unterstützt, aber auch die Regulierungs- und Kontrollfunktion des Staates betont, um unsoziale Auswirkungen zu verhindern und "Wohlstand für alle" zu schaffen.

Kritisiert wurde Erhard vor allem von sozialdemokratischen Politikern, die befürchten, dass der soziale Gedanke zu kurz kommen könnte. Bei der Gründung der Bundesrepublik gab es starke politische Kräfte, die ein sozialistisches Staatsmodell wollten, in dem die Wirtschaft strenger durch den Staat gelenkt werden sollte.

Ein Elektrohändler erklärt einer Frau einen Plattenspieler in seinem Geschäft in den 50er Jahren. (Rechte: dpa)

Ab Mitte der 50er Jahre wuchs auch der private Konsum

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1949 bis 1963: Bundeswirtschaftsminister

Auch als erster Wirtschaftsminister folgt Erhard seinem marktwirtschaftlichen Konzept. Allerdings kann er die Konsumgüterindustrie anfangs nicht so fördern, wie er es sich vorstellt: Zu Zeiten von Kaltem Krieg und Korea-Krieg verlangen vor allem die Amerikaner, Wirtschaftsbereiche, wie zum Beispiel den Maschinenbau oder die Rüstungsindustrie, zu unterstützen. Den Rückschritt zu einer staatlich gelenkten Wirtschaft, den die Amerikaner im Sinn hatten, lehnt Erhard ab.

In den Folgejahren arbeitet er daran, die deutsche Wirtschaft wieder international einzubinden und weltmarktfähig zu machen: Die Bundesrepublik wird Mitglied in der Montanunion, aus der später die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft hervorgeht. Sie tritt der Weltbank und dem Internationalem Währungsfonds bei. Gleichzeitig versucht Erhard den rein liberalen Kurs der Marktwirtschaft sozial abzufedern: zum Beispiel den sozialen Wohnungsbau zu fördern und den Lastenausgleich zu beschließen, um die Kriegsfolgen abzumildern. Rentengesetze werden verabschiedet. "Wohlstand für alle" bleibt sein Leitmotiv. Mitbestimmungsmodelle bringen eine begrenzte Demokratie in die Wirtschaft.

Als Adenauer 1963 zurücktritt, wird Ludwig Erhard vom Bundestag zum neuen Kanzler gewählt. Bei der Bundestagswahl 1965 wird er wieder Kanzler, tritt jedoch nach Differenzen mit dem Koalitionspartner FDP ein Jahr später zurück. In dieser Zeit erlebt die Bundesrepublik ihre erste Wirtschaftskrise: Die Arbeitslosenzahlen steigen, vor allem der Bergbau kann gegen die Konkurrenz durch das Erdöl nicht mehr bestehen. Viele Zechen im Ruhrgebiet werden stillgelegt. Die Wirtschaftswunderzeit mit Vollbeschäftigung und einer rasant wachsenden Wirtschaft ist vorbei.

Erhard bleibt Mitglied des Deutschen Bundestages. Er stirbt 1977.

Hildegard Kriwet, Stand vom 26.07.2011

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