Das Haus Rothschild
Nathan Mayer Rothschild
1798: Nathan Mayer Rothschild (1777-1836) verlässt Frankfurt am Main und gründet eine Handelsfirma in Manchester. Ein anfängliches Vermögen von 300.000 Pfund vermehrt er rasch mit Spekulationsgeschäften, insbesondere mit Gold.
1806-1815: Durch risikoreiche Goldschmuggelgeschäfte zwischen Großbritannien und dem europäischen Kontinent macht Nathan Mayer Rothschild noch höhere Profite. Die Gewinne legt er in britischen Staatsanleihen an: Nach den napoleonischen Feldzügen gibt es in Europa kein Land, das nicht dringend Geld braucht und es sich etwa über die Ausgabe verzinslicher Staatsanleihen von seinen vermögenden Bürgern ausleiht.
1815-1820: Nathan Mayer Rothschild ist bereits einer der reichsten Männer Großbritanniens. Er wird zu einem der wichtigsten Finanziers der britischen Regierung. Durch die enge Zusammenarbeit mit seinen Brüdern, die Bankhäuser in verschiedenen europäischen Großstädten gegründet hatten, baut er ein finanzielles und politisches Netzwerk auf - die Grundlage für den weiteren Erfolg der Familie.
1825/26: 145 Banken in Europa brechen - durch Überspekulationen nach den napoleonischen Kriegen - zusammen. Nathan Mayer Rothschild organisiert Goldmünzen in ganz Europa und kann so der Bank of England die gigantische Summe von 10 Millionen Pfund zu deren Rettung zur Verfügung stellen.
Die Rothschild-Dynastie wächst weiter
Die weiteren Zweige der Familie Rothschild etablieren sich nach und nach in den europäischen Metropolen Frankfurt, Zürich, Wien, Paris und Neapel. Die Rothschilds investieren nicht nur in Goldminen, sondern in weiteren Gewinn versprechende Rohstoffindustrien der damaligen Zeit, wie zum Beispiel Quecksilber, Diamanten oder Öl. Ihr Vermögen wächst in der Folgezeit ins Unermessliche.
1870: Gestützt auf die hervorragenden Beziehungen der Rothschilds zum britischen Premierminister Benjamin Disraeli wird der internationale Goldstandard etabliert. London wird zum Zentrum des internationalen Währungssystems. Das Handelshaus Rothschild gehört zu den führenden Goldhändlern weltweit.
1871: Nach der deutschen Reichsgründung verliert Frankfurt seine Bedeutung als Finanzplatz zunehmend an Berlin; die Rothschilds ziehen sich wenige Jahre später aus Deutschland zurück.
1892: Das britische Bankhaus N M Rothschild & Sons gibt Anteile der ersten britischen Telefongesellschaft aus.
1902: Die französischen Rothschilds investieren in die russische Ölindustrie und verbünden sich mit dem Royal Dutch Shell Konzern; ein Bündnis, das bis heute anhält.
1941: Die englischen und französischen Rothschilds spielen eine Schlüsselrolle bei der Rettung der Österreichischen Creditanstalt.
1973: Rothschild eröffnet Büros in Hongkong und Singapur.
1982: Die Rothschild Inc. New York wird gegründet, um die Geschäfte auf dem amerikanischen Kontinent intensivieren zu können.
1989: Das Haus Rothschild, neben den Familien Bethmann und Metzler einer der Begründer der deutschen Geld-Metropole Frankfurt, kehrt nach Deutschland zurück - ein Handelshaus in Frankfurt wird eröffnet.
Die Banken-Dynastie Rothschild ist heute in rund 30 Ländern der Welt etabliert, gehört zu den führenden Emissionshäusern, spielt eine bedeutende Rolle bei Firmenkäufen, Fusionen und Privatisierungen und ist in der Vermögensverwaltung und Anlageberatung für private und institutionelle Anleger tätig.
Corinna Wawrzyniak, Stand vom 01.06.2009






