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Interview mit Ralf Südhoff

Als Leiter des Welternährungsprogramms WFP im Berliner Büro ist Ralf Südhoff täglich mit den Folgen der aktuellen Nahrungsmittelkrise konfrontiert. Wie man aus dieser Krise auch eine Chance machen könnte, erklärt er im Interview mit Planet Wissen.

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Planet Wissen (PW): Herr Südhoff, was müsste geschehen, um die Hungersnot in den Entwicklungsländern zu beenden?

Ralf Südhoff (R.S.): Das Entscheidende ist, dafür zu sorgen, dass die Menschen in den Entwicklungsländern von den Preissteigerungen profitieren. Und das ist mit einfachsten Mitteln möglich. Das Problem ist ja nicht, dass die Preise überhaupt steigen, denn sie waren zuvor auf sehr niedrigem Niveau. Für die Leute auf dem Land - und drei Viertel der Armen und Hungernden leben auf dem Land - sind die gestiegenen Preise auch eine Chance.

Ralf Südhoff zu Gast bei Planet Wissen (Rechte: SWR/Brigitte Karwath)

Ralf Südhoff zu Gast bei Planet Wissen

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PW: Wie das?

R.S.: Höhere Preise bedeuten, dass der Kleinbauer auf dem Markt auch höhere Preise für seine Ernte bekommt. Der Landarbeiter hat dadurch bessere Chancen, eine Arbeit zu finden. Jetzt ist aber das Problem: Mit den steigenden Nahrungsmittelpreisen steigen auch die Preise für Saatgut und für Dünger. Das bedeutet: Die Bauern können es sich im Moment nicht leisten, die nächste Ernte überhaupt auszubringen. Wir reden ja von Ländern, wo die Menschen nicht irgendwo zu einer Bank gehen können und dort einen Kredit bekommen.

PW: Wie kann die Hilfe konkret aussehen?

R.S.: Höhere Preise bedeuten, dass der Kleinbauer auf dem Markt auch höhere Preise für seine Ernte bekommt. Der Landarbeiter hat dadurch bessere Chancen, eine Arbeit zu finden. Jetzt ist aber das Problem: Mit den steigenden Nahrungsmittelpreisen steigen auch die Preise für Saatgut und für Dünger. Das bedeutet: Die Bauern können es sich im Moment nicht leisten, die nächste Ernte überhaupt auszubringen. Wir reden ja von Ländern, wo die Menschen nicht irgendwo zu einer Bank gehen können und dort einen Kredit bekommen.

PW: Wie kann die Hilfe konkret aussehen?

R.S.: Für eine effektive Hilfe braucht es nicht einmal viel Geld. Wenn wir den Kleinbauern Mikrokredite geben, wenn wir ihnen Saatgut geben für die nächste Ernte, wenn wir sie beraten, wie sie sich zusammenschließen können, dann könnten sie zumindest mittelfristig zu Gewinnern dieser Krise werden. Dafür müssen wir aber kurzfristig etwas tun und ihnen weitaus mehr Hilfe anbieten.

PW: Müsste man vor Ort nicht auch die Produktivität der Landwirtschaft steigern? Einige Versuche wurden ja bereits unternommen. Was macht das so schwierig?

R.S.: Mich hat vor kurzem jemand gefragt: Warum rennt jetzt nicht jeder in Afrika mit seiner Hacke auf das Feld, das ist doch eine Goldgrube. Es fängt ganz einfach damit an: Der einfache Landarbeiter hat keine Hacke. Und er kann sie auch nicht kaufen. Das heißt, wenn diese Mittel nicht zur Verfügung stehen, dann ist es sehr schwierig, die Produktivität zu steigern. Es hat aber auch viel mit Beratung zu tun.

PW: Wo sollte die Beratung ansetzen?

R.S.: Man könnte den Bauern zum Beispiel zeigen, wie sie mit sehr simplen Bewässerungskanälen dieselbe Ernte holen wie früher, als es noch mehr geregnet hat. Solche Methoden sind traditionell nicht bekannt, weil diese Folgen des Klimawandels vor einigen Jahren noch nicht existiert haben. Mit etwas mehr Beratung und mit etwas mehr Kleinstkrediten - gar nicht unbedingt mit Spenden und Gaben – helfen Sie den Bauern, ihre Produktivität zu erhöhen. So können sie diese unterstützen, um auf den Markt zu kommen und künftig nicht unter der Krise zu leiden, sondern von ihr zu profitieren.

PW: Es ist also auch ein psychologischer Faktor: Wenn Sie dem Kleinbauern zuvor garantieren, dass Sie ihm zu einem bestimmten Preis seine Ernte abkaufen, dann weiß er zumindest, dass sich die Arbeit lohnt...

R.S.: Natürlich. Deswegen ist Beratung so wichtig. Wir reden ja von Menschen, die meistens irgendwo im Hinterland leben. Da gibt es weder Fernsehen noch Internet. Woher sollen diese Menschen wissen, was sie überhaupt anbauen sollen, weil es demnächst gefragt sein wird? Wenn wir diesen zur Hand gehen, dann haben wir eine große Chance. Natürlich müssen auch die betroffenen Länder selbst ihre Hausaufgaben in dem Bereich machen und wieder selbst viel mehr in die Landwirtschaft investieren.

Interview: Claudia Heidenfelder, Stand vom 02.03.2009

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