Das Kaufhaus Karstadt
Start mit 1000 Talern
Die Geschichte der Kaufhäuser beginnt im Mecklenburgischen Wismar. Mit 1000 Talern eröffnet der gelernte Einzelhandelskaufmann Rudolph Karstadt am 14. Mai 1881 seinen ersten Laden: das "Tuch-, Manufactur- und Confektionsgeschäft Karstadt". Es besteht lediglich aus einer Wagenladung Ware und dem mutigen Unternehmergeist seines Gründers. Damals ahnt Rudolph Karstadt noch nicht, dass er den Grundstein für eine der erfolgreichsten Karrieren im deutschen Einzelhandel gelegt hat.
Der Jungunternehmer verfolgt ein für damalige Verhältnisse "revolutionäres" Geschäftsmodell. Statt des seinerzeit üblichen Feilschens setzt er auf feste, aber niedrige Preise und vor allem auf Barzahlung. Auf diese Weise kann er genau kalkulieren. Mit den sicher gestellten kontinuierlichen Einnahmen setzt der geschäftstüchtige Hanseat gegenüber seinen Lieferanten günstige Einkaufskonditionen durch. Nur drei Jahre später eröffnet Rudolph Karstadt in Lübeck seine erste Zweigstelle.
Schwierige Zeiten durch die Weltwirtschaftskrise
Die verheerende Wirkung der Weltwirtschaftskrise macht auch vor Deutschland und Karstadt nicht Halt. Die bis dahin erfolgreiche Aktiengesellschaft gerät in eine tiefe finanzielle Krise. Eine umfassende Reorganisierung des Unternehmens mit Hilfe eines Bankenkonsortiums überwindet schließlich den betrieblichen Tiefpunkt. Am 15. Dezember 1944 stirbt der Firmengründer Rudolph Karstadt im Alter von fast 89 Jahren in Schwerin. Der Zweite Weltkrieg beschert der Karstadt AG eine niederschmetternde Bilanz: 22 Filialen in der sowjetischen Besatzungszone sowie in den von Polen und der UdSSR verwalteten ehemals deutschen Gebieten werden enteignet. Über 30 der verbleibenden 45 Häuser in den drei westlichen Besatzungszonen sind im Krieg zerstört worden. Es folgt ein beschwerlicher Wiederaufbau in den Nachkriegsjahren.
Neue Geschäftsfelder und viele Übernahmen
Bereits 1956 zählt Karstadt wieder 49 gut funktionierende Filialen. 1963 wird die Rudolph Karstadt AG zur Karstadt AG umbenannt. Sämtliche Häuser - mit Ausnahme des Münchener "Oberpollinger" - firmieren fortan einheitlich unter dem Namen Karstadt. 1969 zieht die Karstadt AG in die Essener Hauptverwaltung. In den 70er Jahren erschließt sich Karstadt neue, zukunftsorientierte Geschäftsfelder. Der Einstieg in die Reisebranche (NUR GmbH), die Erschließung des Versandhandels durch die Mehrheitsbeteiligung an der Neckermann AG im Jahre 1977 und die Eröffnung von Einrichtungs- und Sporthäusern prägen die Neuausrichtung des Essener Unternehmens.
Zum 100-jährigen Unternehmensjubiläum 1981 zählt die Karstadt AG 155 Warenhäuser und rund 75.000 Mitarbeiter. Mit der Wiedervereinigung Deutschlands nimmt Karstadt das stationäre Geschäft im Osten des Landes wieder auf. Karstadt übernimmt die ehemaligen "Centrum"- und "Magnet"-Warenhäuser.
1994 kauft Karstadt das gesamte Stammkapital der Hertie Waren- und Kaufhaus GmbH. Ein Jahr später übernimmt die Aktiengesellschaft 51 Prozent der Euro-Lloyd Reisebüro GmbH. 1999 entsteht aus der Verschmelzung der Karstadt AG mit der Schickedanz Handelswerte GmbH & Co. KG ein neuer Handels- und Dienstleistungsriese - die KarstadtQuelle AG. 2007 wird das Unternehmen in Arcandor umbenannt und besitzt mit dem Einzelhandel (Karstadt), dem Versandhandel (Quelle) und dem Tourismus (Thomas Cook) drei Kerngeschäftsfelder. Anfang 2009 gerät der Konzern in eine wirstchaftliche Schieflage, die er ohne fremde Hilfe nicht mehr bewältigen kann. Im Juni 2009 lehnt die Bundesregierung jedoch staatliche Unterstützung für die Arcandor AG ab, wenige Tage später meldet der Vorstandsvorsitzende Karl-Gerhard Eick beim Amtsgericht Essen die Insolvenz an.
Inés Carrasco, Stand vom 10.06.2009






