Efeu
Die Kletterin mit den dunkelgrünen Blättern bildet Haftwurzeln aus, mit denen sie an ihrem Wirt haftet. Handelt es sich dabei um einen Baum, entzieht das Efeu ihm aber keine Nährstoffe. Zur Bedrohung wird die Pflanze nur, wenn sie den Baum überwächst. Dann nimmt sie ihm das zur Photosynthese notwendige Licht weg. Sind weder Mauern noch Bäume zum Klettern vorhanden, kann Efeu auch den Boden überwuchern.
Efeu ist eine immergrüne Pflanze. Eine Besonderheit ist ihre späte Blüte, die für gewöhnlich im September und Oktober stattfindet. Die unscheinbaren gelb-grüne Blüten wachsen nur an älteren Pflanzen. Da der Großteil der mitteleuropäischen Pfanzenwelt im Frühjahr und Sommer blüht, ist Efeu eine wichtige herbstliche Nahrungsquelle für Insekten. Im Frühjahr bildet das Rankgewächs dunkelblaue Beeren aus. Sie werden unter anderem von Staren, Amseln und Drosseln gefressen, die so die Samen verbreiten. Die Beeren sind - genau wie die Blätter des Efeus - giftig.
Heilpflanze Efeu
"Allein die Dosis macht das Gift", schrieb der mittelalterliche Arzt Paracelsus. Das erklärt, warum Efeu gleichzeitig Gift- und Heilpflanze sein kann. Als Heilpflanze hat Efeu einen krampf- und schleimlösenden Effekt. Deshalb werden Efeu-Extrakte in der Kinderheilkunde gegen Husten und Keuchhusten angewendet. Die Homöopathie setzt die Pflanze bei Bronchialasthma, Erkrankungen der Nasenschleimhaut und der Galle ein. In der Antike und im Mittelalter wurde Efeu bei Erkrankungen der Milz und der Atemwege sowie bei Ruhr verwendet. Auch bei Hühneraugen soll Efeu helfen. Deshalb lautet ein volkstümlicher Name der Pflanze auch "Hühneraugenkraut". Das Rezept: Ein Efeublatt wird kleingefaltet auf das Hühnerauge gelegt und mit einem Pflaster festgeklebt. Nach 24 Stunden wird die Prozedur noch zweimal wiederholt. Danach soll sich das Hühnerauge einfach ablösen lassen.
Mythologie
Da es immergrün ist, ist Efeu ein - etwas düsteres - Symbol der Treue und Unsterblichkeit. Auch heute noch werden Friedhöfe und Gräber gerne mit Hedera bepflanzt. Der Sage nach wurde das Liebespaar Tristan und Isolde an zwei verschiedenen Ecken einer Kirche begraben. König Marke, der ursprünglich Isolde zu Frau wollte, wollte auch im Tod ihre Trennung. Da wuchsen Efeustöcke auf ihren Gräbern, die sich hoch in der Luft begegneten. So konnten sich die Liebenden dann doch vereinen. Im antiken Griechenland war Efeu ein Symbol für Heiterkeit, Kraft und nicht welkende Jugend. Dionysos, der fröhliche Gott des Weins, wurde von Efeu umrankt dargestellt. Auch seine Begleiterinnen, die Mänaden, tragen Kränze von Efeu. Darin kommt zum Ausdruck, dass die Kletterpflanze auch wilde Weiblichkeit symbolisierte.
Andrea Lützenkirchen, Stand vom 01.06.2009
Sendung: Gärten und Parks – Natur gut angelegt, 01.08.2006






