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Heinrich Hauser

Heinrich Hauser ist einer der Pioniere der deutschen Caravangeschichte. 1934 verbrachte er mit seiner Frau und seinen zwei Kindern 143 Tage in der "Arche", einem von ihm selbstgebauten Wohnanhänger. Es wurde eine Reise quer durch Deutschland, mit vielen Unwegsamkeiten. Hauser war einer der ersten Deutschen, die sich die Frage stellten: "Wie kann ich gleichzeitig reisen und zu Hause bleiben?"

Schwarzweißaufnahme der Arche während einer Rast in einem Kieferwäldchen. (Rechte: Ulrich Kubisch)

Im Wohnwagen quer durch Deutschland

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"Heiß, heiß!"

Dabei lag die Antwort auf der Hand. Das Haus muss auf Räder gestellt werden. Mit den eigenen vier Wänden um sich herum könnte dann die ganze Familie auf Reisen gehen. Heinrich Hauser war begeistert von dieser Idee, auch wenn sie seiner Frau zunächst etwas verrückt erschien. Sie soll ihm mit kühler Hand über die Stirn gestrichen und danach die Finger schüttelnd gesagt haben: "Heiß, heiß!"

Doch Heinrich Hauser ließ sich nicht beirren. Nur wenige Bedingungen sollte sein Haus auf Rädern erfüllen. Leicht, stromlinienförmig und nicht zu sperrig, wetterfest und nicht teurer als ein normales Wochenendhaus sollte die Arche werden. Mit drei Räumen - einem für die Kinder, einer Küche und einem Schlafzimmer für die Eltern, das zugleich Wohn-, Arbeits- und Esszimmer sein sollte.

Die Idee wird umgesetzt

Die Umsetzung dieser Idee war wahre Pionierarbeit, denn eine solche Arche gab es bis dahin in Deutschland noch nicht. In England zogen bereits die ersten Caravans durch das Land. Doch England war weit weg und ein Wagen von dort für die Familie unerschwinglich. Die Wagen der Zigeuner kamen für Heinrich Hauser nicht in Frage. Sie waren viel zu sperrig und durch ihr immenses Gewicht auch nur langsam zu bewegen. Heinrich Hauser wollte die Vorzüge des Autos nutzen: schnell und problemlos voranzukommen und gleichzeitig sein "Zuhause" mit sich zu ziehen.

Also setzte sich Heinrich Hauser an den Zeichentisch und entwarf den groben Aufbau eines Wohnwagens. Doch noch fehlte ihm die Grundlage für seine Zeichnungen, der fahrbare Untersatz! Das Chassis eines Autos sollte den Grundstock des mobilen Hauses bilden. Am 29. Januar 1934 wurde Heinrich Hauser auf einem Autofriedhof fündig. Die Karosserie war von einem Unfall stark beschädigt, aber das machte nichts. Denn noch auf dem Autofriedhof wurde die zerbeulte Karosserie vom Chassis abgetrennt. Für 130 Mark wechselte der Wagen seinen Besitzer. Und Heinrich Hauser zog dieses Autoskelett glücklich heimwärts.

Schwarzweißaufnahme des Rohaufbaus der Arche mit Längs- und Querhölzern in einer Werkstatt. (Rechte: Ulrich Kubisch)

Das Skelett wurde aus Eschenholz gefertigt

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Eine Vielzahl von Problemen

Die Aufbauarbeiten an der Arche konnten beginnen, Erfindergeist war gefragt. Der Benzintank des Chassis wurde zum Wassertank der Arche. Die Federn mussten verstärkt werden. Schon das Planen und Zeichnen verschlang so viel Zeit, dass Heinrich Hauser unmöglich alles alleine bewältigen konnte. Verstärkung musste gefunden werden. Denn das Haus der Hausers war schon gekündigt. Die Arche musste rechtzeitig fertig werden.

Eine Schmiede kümmerte sich um das Chassis, eine andere Werkstatt um den Aufbau der Arche. Doch das Zusammenfügen von Chassis und Aufbau bereitete Probleme. Die Tore der Werkstatt waren zu klein. Heinrich Hauser erlebte bange Minuten, als seine Arche gefährlich schräg durch das Tor manövriert wurde. Doch dann konnten Aufbau und Chassis, die millimetergenau ineinander passten, mit langen Bolzen verschraubt werden.

Der Innenausbau konnte beginnen und Heinrich Hauser bemerkte schnell, dass der Innenraum, der ihm einst so riesig wie ein Tanzsaal erschienen war, schnell eng wurde. Ein kleiner Schiffskombüsenherd für die Küche, ein Wickeltisch im Kinderzimmer, Schranktüren, die geöffnet die Räume voneinander trennten. Alles durchdacht und jeder Millimeter genutzt. Die technische Abnahme erfolgte beim Dampfkesselüberwachungsverein, dem heutigen TÜV (Technischer Überwachungsverein). Dann machte sich die Arche auf die große Fahrt.

Holprige Jungfernfahrt

Die ersten Kilometer mit der Arche verlangten von ihrem Kapitän volle Aufmerksamkeit. Kurven mussten langsam genommen werden, die Bremse mit voller Kraft getreten werden. Und auch seiner Frau Toms und seinen Kindern erging es in der Arche nicht besser. Um sie herum klapperte und schepperte die Einrichtung. Toms wusste sich nicht zu helfen, denn auch auf dem Boden ausgelegt und mit Kleidung gepolstert schepperte das Geschirr munter weiter. Sie gab über eine Glocke, die das Auto mit der Arche verband, das Signal zum Halten.

"Ich konnte es nicht mehr aushalten, das furchtbare Geklapper." Mit diesen Worten fiel Toms ihrem Mann um den Hals. Heinrich Hauser war entsetzt über das Chaos in seiner Arche. Ein schwieriger Start, doch die Familie Hauser ließ sich nicht entmutigen. Ein Nothafen wurde angelaufen und die Einrichtung der Arche überarbeitet. Jedes Ding bekam nun einen passgenauen Platz. Alle Behälter wurden mit breiten Gummibändern fest verschlossen. Die Arche wurde straßentüchtig gemacht.

Schwarzweißaufnahme mit Heinrich Hauser an der Zuggabel seiner Arche. (Rechte: Ulrich Kubisch)

Hauser bei der Wartung seiner Arche

Vergrößern

Natur und Neugierde

Dann klapperte und schepperte nichts mehr, und die Familie lernte das Wanderleben zu genießen. Baden bei Abenddämmerung in einem See, Gras unter den nackten Füßen, Wäsche im Fluss, Pflege der Fahrzeuge und Arbeiten in der freien Natur. Tag für Tag kam die Familie nur knappe hundert Kilometer voran. Doch das reichte. Denn Heinrich Hauser hatte Zeit. Die einzige Schwierigkeit, mit der die Familie während ihrer ganzen Fahrt leben musste, war die Neugierde. Mit der hatte Heinrich Hauser nicht gerechnet.

Heinrich Hauser weckte mit seiner Arche nicht nur die Neugierde der Menschen. Er trug mit seiner Arche und mit seinen Reiseberichten auch zur Verbreitung des Wohnwagengedankens bei. Und sicherlich träumte nicht nur das ein oder andere Dorfkind nach einem Blick auf die Arche von einem solchen Vagabundenleben.

Lene Kemling, Stand vom 25.08.2010

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