Ausgefallene Hotels
Thermounterwäsche statt Abendgarderobe
Fünf Grad Zimmertemperatur - keine Heizung. Wer im "Icehotel" im schwedischen Jukkasjärvi, 200 Kilometer nördlich des Polarkreises, übernachtet, muss sich warm anziehen. Dafür ist das Hotel auch etwas Besonderes - ganz aus Eis und Schnee erbaut.
In der Hotelbar werden alle Getränke in Gläsern aus Eis ausgeschenkt und in der hoteleigenen Eiskirche finden neben regulären Gottesdiensten auch Taufen und Hochzeiten statt. Wer eine Nacht im "Icehotel" verbringen will, muss lange vorher reservieren und weiß nicht, was er bekommt: Jedes Jahr werden Gastkünstler eingeladen, das Hotel neu zu gestalten.
Wasser und Brot statt Frühstücksbüffet
Bis 1998 blickten hier Menschen sehnsüchtig aus den engen Fenstern und schmiedeten Fluchtpläne; heute bezahlen viele freiwillige Gäste für eine Nacht hinter Gittern - im "Jailhotel Löwengraben" in der Altstadt von Luzern. Während das ehemalige Büro des Gefängnisdirektors zu einer Suite mit allem Komfort umgebaut wurde, ist in den so genannten "unplugged"-Zimmern der Originalzustand möglichst erhalten worden. Feine Schokoladen auf dem Kopfkissen findet der Gast hier garantiert nicht vor, dafür ein einfaches Pritschenbett und kahle Wände. Poppiger geht es im Gefängniszimmer des Berliner Kunsthotels "Propeller Island City" zu, wo Farbgebung und Ausbruchsloch in der Wand an die Dalton-Brüder, Lucky Lukes erbitterte Widersacher, erinnern.
Gute Nachtruhe unerwünscht
Wer die Schlaflosigkeit sucht, sollte sich in einem Spukhotel einmieten. Die größte Auswahl schauriger Unterkünfte gibt es in Großbritannien. Das 1145 erbaute "Ram Inn" soll das gruseligste unter ihnen sein. Zu den untoten Einwohnern des verfluchten Hotels gehören die misslaunige Geisterdame Elizabeth und das schreiende Phantom eines Babys. Wer sich gruseln will, aber nicht auf das willkürliche Erscheinen eines Geistes verlassen mag, der kann bei vielen britischen Anbietern organisierte Krimiwochenenden in abgelegenen Hotels buchen. Übernatürliche Phänomene sind auch dort nicht garantiert, dafür gibt es den ein oder anderen grausigen Todesfall - natürlich inszeniert - inklusive.
Trockenraum statt Duschkabine
Übernachten unter Wasser - das kann man in der "Jules' Undersea Lodge" in Key Largo, Florida - benannt nach Jules Verne, dem Autor des Abenteuerromans "20.000 Meilen unter dem Meer". Das Hotel ist ein ehemaliges Forschungslabor und hat nur drei Zimmer. Um es zu betreten, müssen die Gäste in den Mangrovenwald hinabtauchen, allerdings keine 20.000 Meilen, sondern nur 6,5 Meter. In Dubai sollte 2009 ein Unterwasserhotel der Luxusklasse eröffnen. In 20 Metern Tiefe hatten die Arbeiten zu "Hydropolis" begonnen - einem Wunderwerk aus Plexiglas mit 220 Zimmern und Luxusausstattung. Ob je ein Besucher im Hotel übernachten wird, ist aufgrund Dubais Finanzschwierigkeiten derzeit allerdings ungewiss. Die Bauarbeiten ruhen vorerst.
Beste Aussichten für Schwindelfreie
Im Baumhaushotel auf der Kulturinsel Einsiedel im Drei-Länder-Eck bei Görlitz erinnert alles an Peter Pan. Einen Kindheitstraum wollen die Betreiber des Hotels ihren Gästen damit erfüllen. Höhenangst dürfen diese allerdings nicht haben, denn die fünf Holzhütten des Hotels sind in zehn Metern Höhe in mächtigen Bäumen befestigt. Über schmale Stege können sich die Bewohner der einzelnen Hütten besuchen und sogar duschen kann man in den Wipfeln - allerdings nur kalt.
Fensterlos vergraben
Höhlen haben unseren Vorfahren lange Schutz vor unwirtlicher Witterung und Feinden geboten. Höhlenhotels bieten die Möglichkeit es den Vorfahren gleichzutun - allerdings ist der Komfort seit den alten Tagen gestiegen. Das "Desert Cave Hotel" im australischen Outback erinnert daran, dass sich hier in vergangenen Zeiten Edelsteingräber tiefe Wohnhöhlen, "dugouts", gruben, um sich bei Tag vor der Hitze zu schützen. Das nobelste Höhlenhotel liegt in der Türkei. "Gamirasu" in Kappadokien ist ein restauriertes Byzantinisches Kloster, das seit dem 15. Jahrhundert bewohnt ist und aus 18 Höhlen besteht.
Fliegende Untertasse statt edlem Porzellan
200 Millionen US-Dollar wollten amerikanische Investoren im Jahr 2000 bezahlen, um die russische Raumstation MIR in ein Weltraumhotel zu verwandeln. Schon ein Jahr später jedoch holte die russische Raumfahrtbehörde die angeschlagene MIR vom Himmel - sie verbrannte beim Eintritt in die Erdatmosphäre über dem Südpazifik zum großen Teil. Die Planungen sind jedoch nicht mit der MIR untergegangen. Die technischen Möglichkeiten für ein Weltraumhotel stehen bereits heute zur Verfügung, allein der erschwingliche Transport der Hotelgäste ins All stellt ein Problem dar. Bei einem Flugpreis im zweistelligen Millionenbereich hätte ein Weltraumhotel wohl nur wenige Gäste zu erwarten. In 20 bis 30 Jahren jedoch sollte ein Flug ins All zwar noch nicht billig, aber doch für größere Gruppen von Menschen bezahlbar sein, so Dr. Michael Reichert vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt.
Christine Buth, Stand vom 25.08.2010











