Hotels
Übernachten in der Fremde - Hotel-Vorläufer
Schon im alten Griechenland bildete sich ein Gewerbe heraus, das von der Beherbergung Fremder lebte. Es genoss jedoch keinen guten Ruf, da die weit verstreut gelegenen Herbergen nur minimalen Standard boten. Reisende hatten ihre eigenen Lebensmittel, Geschirr und Bettzeug mitzubringen.
Wesentlich komfortabler waren die gewerblichen Nachtlager der Römer. Im antiken Rom gab es bereits detaillierte Herbergsverzeichnisse, die darüber Auskunft gaben, ob eine Herberge beispielsweise ein angeschlossenes Schwimmbad besaß. In speziellen Landkarten für Reisende waren Unterbringungsmöglichkeiten markiert und entsprechend ihrer Ausstattung klassifiziert. Hospitium, "Platz der Gastlichkeit", und deversorium, "Platz zum Absteigen", hießen die komfortabelsten Herbergen, die heutigen Gasthäusern ähnelten.
In Nordeuropa waren die Gaststätten und Herbergen noch im Mittelalter ausgesprochen primitiv. Statt Betten lagen einfache Strohlager aus, die oft von Ungeziefer wimmelten. Oft teilten sich mehr als zehn Fremde ein gemeinsames Lager und rückten in kalten Nächten eng zusammen, um sich zu wärmen. Adelige Reisende und die gehobene Bürgerschaft suchten solche Herbergen nicht auf. Sie kamen in Klöstern unter oder residierten standesgemäß bei befreundeten Familien.
Das Hotel entsteht
Erst im 17. Jahrhundert bildeten sich gewerbliche Übernachtungsbetriebe heraus, die auch Adeligen und der gehobenen Bürgerschaft standesgemäße Unterkunft bieten konnten: Hotels. Der Name kommt aus dem Französischen und bezeichnete ursprünglich die luxuriösen Landschlösser der französischen Adeligen zur Zeit Ludwig XIV. Ein ehemaliger Bediensteter eines solchen "Hotels" baute sich schließlich selbst ein Schlösschen und ermöglichte es den gehobenen Bürgerschichten, einige Nächte aristokratische Lebensart nachzuahmen - natürlich gegen Geld. Auch in Deutschland und Großbritannien begannen sich solche luxuriösen Alternativen zu herkömmlichen Herbergen herauszubilden, allerdings hießen sie in Deutschland anfangs meist nicht "Hotel", sondern "Hof".
Luxus pur - das Zeitalter der Grand Hotels
Von 1820 an blühten die Kurreisen. Die oberen und mittleren Bürgerschichten reisten mit Kindern, Bediensteten und viel Gepäck einige Wochen aufs Land. Nur Wohlsituierte konnten sich einen solchen Luxus leisten. Mit der Kurreise entstanden auch die Kurhotels, in Deutschland vor allem in Baden-Baden und Wiesbaden. Die prächtigsten unter ihnen waren Grand Hotels, so genannt wegen ihrer großen und mächtigen Bauweise.
Grand Hotels entstanden auch in den Städten und boten oft palastähnliche Anlagen. Zunächst richteten sie sich vornehmlich an Reiche, dann jedoch auch zunehmend an das Bildungsbürgertum, das den Reichen nacheiferte. Zu den Grand Hotels, die sich bis heute ihren großen Ruf erhalten haben, gehören das "Ritz" in Paris, das "Waldorf-Astoria" in New York, das "Savoy" in London und das "Adlon" in Berlin. Sie stehen für Eleganz und Komfort, Repräsentanz and gesellschaftliche Bestätigung.
Billigtouristen unterm Hakenkreuz
Im 20. Jahrhundert wurde das Reisen für immer weitere Gesellschaftskreise erschwinglich. Die ersten klassischen deutschen "Billigtouristen" brachte der Nationalsozialismus hervor. Die 1933 gegründete nationalsozialistische Gemeinschaft "Kraft durch Freude" (KdF) bot zu konkurrenzlos günstigen Preisen attraktive Reisen. So wollte man die Leistung der Arbeiter steigern, vor allem aber ihre lückenlose politische Kontrolle auch im Urlaub garantieren.
Um den vielen Urlaubswilligen Unterkunft gewähren zu können, gab Hitler den Bau von fünf Seebädern entlang der deutschen Küsten in Auftrag, die jeweils 20.000 Urlauber beherbergen sollten. Nur eines dieser gewaltigen Hotels, Prora auf der Insel Rügen, wurde fast komplett fertig gestellt. Der 4,5 Kilometer lange Betonbau gilt als längstes Gebäude Europas. Als Hotel wurde er allerdings nie genutzt.
Nach dem Krieg: Bettenburgen und Hotelketten
Nach Kriegsende 1945 lag die deutsche Reiseindustrie zunächst brach. In den 50er Jahren, als das Wirtschaftswunder das Luxusgut Urlaub wieder verfügbar machte, zog es die Deutschen jedoch in immer größeren Gruppen nach Spanien und Italien. Um dem Ansturm der Deutschen Herr zu werden, wurden entlang der Mittelmeerküste in kürzester Zeit große Hotels in einfacher Bauweise errichtet: "Bettenburgen", die schon in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts in die Kritik gerieten, weil sie die Küste verschandelten.
Die Nachkriegszeit war auch die Entstehungszeit der großen internationalen Hotelketten. Die meisten waren amerikanische Unternehmen, darunter "Hyatt", "Marriott" und "Hilton". Die Kettenhotellerie bewirkte eine große Veränderung auf dem Hotelmarkt: Sie führte Standards bezüglich des Services und der Ausstattung ein. "Hier weiß man, was man bekommt" traf oft auch auf die Architektur der Hotels zu, die überwiegend im nüchternen, kastenförmigen Baustil der 60er und 70er Jahre erbaut wurden. Zuverlässigkeit war der primäre Werbefaktor der Kettenhotellerie, die vor allem die steigende Anzahl von Geschäftsreisenden ansprach.
Wie man sich bettet, so liegt man
Die Hotellandschaft heute ist vielfältig und differenziert sich weiter aus. Jedes Jahr setzt die Luxushotellerie neue Maßstäbe. Was vor 20 Jahren noch Luxus war, ist heute schon Standard, das trifft zum Beispiel auf die immer ausgefalleneren Wellnessangebote zu. Gleichzeitig besteht jedoch auch ein Trend zur Vereinfachung.
"Übernachtungsmaschinen", deren Ausstattung bis auf das Nötigste reduziert ist, werden in Japan auf die Spitze getrieben: Sogenannte "Kapselhotels" bieten dort statt eines Zimmers winzige, übereinander gestapelte Schlafkojen, die eher abgeriegelten Etagenbetten gleichen. Das Konzept ist bereits in Europa angekommen. 2005 wurden in London und Basel minimalistische Unterkünfte eröffnet, die den japanischen Kapselhotels nachempfunden sind.
Christine Buth, Stand vom 25.08.2010
Sendung: Camping - Abenteuer zwischen Klappstuhl und Vorzelt, 25.08.2010










