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Schach - Spiel der Könige

Einfach und doch kompliziert, uralt und doch immer wieder neu - vielleicht liegt genau in diesen scheinbaren Widersprüchen die große Faszination des Schachspiels. Die Regeln sind schnell erlernt. Aber Anfänger stehen bald vor einem ausweglosen Labyrinth. Niemand wird Schach je komplett beherrschen – mit seinen Eröffnungen, Tricks und Millionen von Spielverläufen. All dies nur, um eine kleine Figur bewegungsunfähig zu machen: den gegnerischen König.

Eine weibliche Hand setzt eine Dame auf einem Schachbrett. (Rechte: dpa)

Schach fasziniert seit Jahrhunderten

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Ein Abbild des Krieges

Elefanten, Pferde, Wagen, laufende Boten, Generäle, Offiziere und Fußsoldaten - vor rund 1500 Jahren traten in Indien Armeen mit allen Heeres-Gattungen in perfekter Schlachtordnung an, um ihren König zu verteidigen. Etwa zu dieser Zeit, im fünften Jahrhundert nach Christus, wurde in Indien ein Brettspiel namens "Caturanga" bekannt, bei dem die Grundstellung der Figuren der Aufstellung der indischen Armee entsprach. Caturanga gilt als Urform und Vorläufer des Schach. Von Indien aus erreichte das Spiel zunächst Persien. Die Perser gaben ihm seinen Namen: "Schah" ist noch heute das persische Wort für "König"; "matt" bedeutet im Persischen "hilflos".

Das Schwarzweiß-Gemälde zeigt zwei Schachspieler aus dem alten Ägypten nach einem Holzstich aus dem Jahre 1867. Eine dritte Person schaut interessiert zu. (Rechte: AKG)

Zwei Pharaonen spielen im alten Ägypten Schach

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Im frühen Mittelalter brachten die Araber das Schachspiel über Syrien und Ägypten nach Griechenland und Süditalien und über Gibraltar nach Spanien. Die abstrakten arabischen Spielsteine dienten als Vorbild für die europäischen Schachfiguren, die in ihrer Form so gut wie unverändert blieben. Schnell trat das königliche Spiel seinen Siegeszug auch in Europa an. Es fesselte die Menschen so sehr, dass die Kirchenoberen es im 12. Jahrhundert argwöhnisch beäugten und manchmal sogar als "teuflisch" verboten – nicht zuletzt, weil oft um Geld gespielt wurde.

Türkisfarbene Schachfigur aus dem alten Ägypten in Gestalt eines semitischen Gefangenen mit gefesselten Händen. (Rechte: AKG)

Die Figur soll einen Gefangenen darstellen

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Zug um Zug zum heutigen Schach

Die heutigen Schachspielregeln bildeten sich erst über Jahrhunderte hinweg heraus. Zum Beispiel war die heute sehr mächtige Dame bei den Arabern im Mittelalter in Gestalt des "Wesirs" zunächst eine sehr schwache Figur: Sie zog nur diagonal auf das nächste Feld und blieb somit an die Farbe des Ursprungfeldes gebunden. Und der Läufer, damals noch in Form eines indischen Elefanten, sprang lediglich diagonal ins übernächste Feld und erreichte daher nur acht Felder. Also konnte kein Elefant einen anderen schlagen. Auch der Turm und der König sind einmal andere Wege gegangen. Dagegen scheint sich die originelle Zugweise des Springers nie verändert zu haben. Unerklärlich bleibt allerdings bis heute, wie der Springerzug entstanden ist. Denn für diese sonderbare Bewegung – zwei Schritte nach vorn, einen zur Seite – kennt die Natur keine Vorbilder.

Fünf elfenbeinfarbene norwegische Lewis-Schachfiguren aus Walrossbein: Gesichtszüge und Details wie Krone und Schwert sind filigran herausgearbeitet. (Rechte: AKG)

Schachfiguren sind oft wahre Kunstwerke

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Geänderte Regeln: Schach auf stürmische Ar

Überraschende Finten, mehrdeutige Aktionen, verwirrende Kombinationen: Diese Elemente des Schachspiels wurden verstärkt durch die grundsätzlichen Regeländerungen Ende des 15. Jahrhunderts. Man spielte jetzt, wie die Italiener sagten, "alla rabiosa" – "auf stürmische Art". Erneut zeigte sich, dass Schach ein Spiegelbild gesellschaftlicher und militärischer Entwicklungen war. Denn gegen Ende des Mittelalters stürzte sich kein König mehr an der Spitze seines Heeres in die Schlacht. Und so wurde auch auf dem Spielbrett der König zu einer empfindlichen, schutzbedürftigen Figur. Er diente lediglich als Repräsentant des Spiels und konnte nie mehr als einen einzigen Schritt gehen.

Dagegen vergrößerte sich der Aktionsradius anderer Figuren: Bauern durften von nun an nicht mehr nur ein, sondern zwei Felder vorrücken. Läufer rannten über ihre Diagonalen bis an den Rand des Bretts. Die Dame eilte nach Belieben über alle Linien, Reihen und Diagonalen, bis sie auf einen Gegner traf. Sie war jetzt stärkste Figur. Historiker vermuten, dass die Verehrung der Gottesmutter Maria als "Himmelskönigin" ihr diese Stellung eingebracht hatte.

Wer sich bis ins 18. Jahrhundert hinein mit Schach beschäftigte, gehörte in der Regel zu einer bevorzugten Minderheit, die aufgrund von Vermögen und Bildung aus der breiten Masse herausragte. Schach galt als etwas Besonderes, als luxuriöser Zeitvertreib für Nichtstuer.

Das änderte sich erst im 19. Jahrhundert, als sich erste Schachclubs bildeten, oft in den Kaffeehäusern und Lokalen europäischer Metropolen. Das sportliche Element trat plötzlich in den Vordergrund; es zählten Wettbewerb und Ehrgeiz. In Paris erschien 1836 die erste Schachzeitschrift. Gute Spieler wollten sich mit Konkurrenten anderer Clubs messen. Mit wachsender Mobilität durch schnelle Eisenbahnverbindungen stieg die Zahl der Turniere. Am ersten internationalen Großturnier der Schachgeschichte nahmen 1851 in London 16 Meister aus ganz Europa teil. Überraschend siegte Adolf Anderssen, ein Gymnasialprofessor für Mathematik aus Breslau.

Anatoli Karpov steht an einem Mikrofon, hinter ihm hängt ein großes Bild eines Schachbretts an der Wand. (Rechte: dpa)

Weltmeister Anatoli Karpov 1976

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Die Russen dominieren die Weltmeisterschaften

Schachweltmeisterschaften fanden zunächst in unregelmäßigem Abstand statt, immer wenn der amtierende Champion herausgefordert wurde - und diese Herausforderung annahm. Nach einer Spielpause durch den Zweiten Weltkrieg, beschloss 1948 die "Internationale Schachföderation" (FIDE; "Fédération Internationale des Échecs") den Modus zu ändern. Fortan organisierte diese 1924 gegründete Dachorganisation des Weltschachs die Weltmeisterschaften in einem festen Drei-Jahres-Turnus: Zunächst mussten sich die Großmeister in regionalen Wettbewerben qualifizieren, um dann in Kandidatenkämpfen unter sich den Herausforderer zu ermitteln.

Spätestens 1948 übernahmen Russen die Vorherrschaft im Weltschach. Schach ist in Russland eine nationale Leidenschaft. Das Land kann auf eine lange Tradition verweisen und hat ein weltweit einzigartiges, hervorragendes Fördersystem für junge Talente entwickelt. Kein Wunder, dass bis auf einen einzigen Champion – den US-Amerikaner Bobby Fischer (1972-75) – von 1948 bis 2007 alle Titelträger aus der Sowjetunion, später Russland kamen: Botvinnik (1951-57), Smyslov (1957-60), Tal (1960-63), Petrossian (1963-69), Spassky (1969-72), Karpov (1975-85), Kasparov (1985-2000) und Kramnik (seit 2000 - 2007). 2007, 2008 und 2010 konnte ein Inder gewinnen: Viswanathan Anand.

Claudia Kracht, Stand vom 12.05.2010
Sendung: Historisches Spielzeug - Von Zinnsoldaten und Puppenstuben, 14.12.2007

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