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America's Cup

Die Segelregatta um den "America's Cup" gilt als älteste noch heute ausgetragene Sportveranstaltung der Welt und der Wanderpokal als "Heiliger Gral" im Yachtrennsport. Nicht nur die Tatsache, dass der Cup 132 Jahre in den Händen der Amerikaner blieb, bis erstmals das Team einer anderen Nation ihn gewinnen konnte, hat dem Rennen seinen legendären Ruf eingetragen. Auch das strenge Regelwerk und die immensen Kosten für die Teilnehmer dürften ihren Anteil daran haben. Doch zugleich sind es diese Faktoren, die die berühmte "Seeschlacht" schon mehrfach in Krisen gestürzt haben.

Zwei große Segelyachten nebeneinander auf dem Wasser. (Rechte: Imago)

Zweikampf auf dem Wasser

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Die "America" hängt die Briten ab

1851: In London findet erstmals eine Weltausstellung statt, eine Messe ähnlich der heutigen Expo, bei der alle Nationen ihre neuesten technischen Entwicklungen und Produkte präsentieren sollen. Königin Viktoria stiftet einen Preis für eine Regatta, bei der sich die modernsten Schiffe messen sollen: das "Hundred Guinea Cup Race". Der Kurs führt rund um die Isle of Wight vor der englischen Südküste. Mit am Start ist die "America", ein Schoner, also Zweimaster, der einer amerikanischen Eignergemeinschaft um den Reeder John Cox Stevens gehört.

15 Yachten der Seglernation Großbritannien gehen gegen die "America" ins Rennen und zunächst sieht alles so aus, als würden sie die Konkurrenz aus Übersee problemlos abhängen. Denn die "America" verpatzt das Startmanöver und segelt als Letzte los. Doch der amerikanische Schoner rollt das Feld von hinten auf und gewinnt mit 20 Minuten Vorsprung.

Eine Gruppe Segler hält einen Pokal in die Höhe.

1995: Die Neuseeländer holen sich den Cup

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132 Jahre fest in amerikanischer Hand

Wer der Zweitplatzierte sei, soll die Queen nach dem Sieg der "America" gefragt haben und erhielt die Antwort: "There is no second, your majesty" ("Es gibt keinen Zweiten, Majestät"). Mit diesem Satz war das Reglement des "America's Cup" im Grunde bereits festgelegt: Denn einen zweiten Sieger gibt es tatsächlich nicht, der Zweite ist der Letzte. Wer gewinnt, heimst Ruhm und Ehre ein - ein Preisgeld ist nicht vorgesehen. Der legendäre erste Gewinner, die "America", verlieh also dem Wettkampf seinen Namen.

Das Team um Stevenson brachte den Cup heim nach Amerika in den New York Yacht Club (NYYC). Dort wurden in der Stiftungsurkunde, der sogenannten "Deed of Gift", die Regeln festgeschrieben, nach denen seither um den "America's Cup" gesegelt wird. Kurz gefasst lauten sie: Es treten stets nur zwei Teams gegeneinander an und zwar der Verteidiger gegen einen Herausforderer. Dieser muss aus einer anderen Nation stammen und darf den Yachttyp bestimmen, mit dem gesegelt wird. Der Verteidiger legt das Austragungsrevier fest. Der "America's Cup" findet in der Regel alle drei bis fünf Jahre statt. Beim ersten Anlauf dauerte es sogar knapp 20 Jahre, bis die Briten erstmals versuchten, den Amerikanern den Pokal wieder abzunehmen - erfolglos. Es sollte 132 Jahre dauern, bis die begehrte Trophäe zum ersten Mal die USA verließ.

Der Beste aller Verlierer

Der bekannteste Verlierer unter den Herausforderern war wohl der britische Teekönig Thomas Lipton, der zwischen 1899 und 1930 insgesamt fünf Mal versuchte, den Cup nach Hause zu holen - und sich fünf Mal gegen die Amerikaner geschlagen geben musste. Immerhin brach man für Lipton mit der Regel, dass es keinen würdigen Zweiten geben kann und schuf extra für ihn den Pokal für den "Besten aller Verlierer".

Schon Lipton musste erfahren, dass die Amerikaner nicht nur mit seemännischer Stärke, sondern zur Not auch mit Regelauslegungen und Gerichtsentscheidungen um den Cup kämpften. "Britannia rules the waves", hieß es, aber "America waves the rules" - England herrscht über die Wogen, Amerika biegt die Regeln. Und auch als es 1983 der australischen Yacht "Australia II" gelang, die Amerikaner abzuhängen, versuchten diese den revolutionären Flügelkiel der Yacht für illegal erklären zu lassen. "Das ist kein Sport mehr. Das ist Krieg", soll der Eigner der australischen Yacht dazu festgestellt haben.

Ein verschnörkelter Pokal, der silbrig glänzt.

Der Pokal misst 67,6 Zentimeter

Vergrößern

Die "bodenlose Kanne"

Die amerikanischen Verteidiger des Pokals waren sich sehr sicher, dass dieser den NYYC nie mehr verlassen würde. So sicher, dass es hieß, derjenige, der den Cup an eine andere Nation verlieren würde, müsse den frei gewordenen Platz in der Vitrine mit seinem Kopf füllen. Und so musste man den "Auld Mug", wie er liebevoll genannt wird, erst losschrauben, um ihn den Australiern zu übergeben, denn man hatte ihn schon vor Jahren hinter Glas fixiert. "Bodenlose Kanne" lautet die deutsche Übersetzung für den Spitznamen des Pokals. Zum einen, weil er tatsächlich keinen Boden besaß, bis man ihn im Jahr 1958 auf einen Sockel stellte, um darin weitere Gewinner eingravieren zu können.

Doch könnte der Name auch darauf hindeuteten, dass bereits enorme Summen darin verschwunden sind, denn die "Seeschlacht" um den begehrten Cup wurde schnell zur kostspieligsten Segelveranstaltung der Welt. In Vorentscheidungsrennen kämpfen mehrere Konkurrenten darum, gegen den Verteidiger des Cups antreten zu dürfen. Die Budgets der Hightech-Yachten betragen zum Teil über 100 Millionen Dollar. Die Teilnehmerlisten lesen sich wie ein Who-is-Who der Millionärsszene. Und ohne finanzkräftige Sponsoren könnte heute kaum noch ein Boot an den Start gehen.

Zwei riesige Yachten dümpeln im Meer, umringt von zahlreichen kleineren Booten.

2010: Verteidiger "Alinghi" und Herausforderer "BMW-Oracle"

Vergrößern

Langeweile auf dem Wasser

Als Hobby der Superreichen wurde der "America's Cup" von Segelsportlern und Experten eher belächelt und sportlich nicht mehr ernst genommen. Doch nach dem Sieg der Neuseeländer 1995 und dem sensationellen Sieg der Binnennation Schweiz im Jahr 2003 schien sich der "America's Cup" zum Profisport zu wandeln. Regelzusätze sahen noch mehr attraktive Vorentscheidungen in Europa vor, bei denen sich aus einem Herausfordererfeld das Team qualifiziert, das gegen die Pokalverteidiger antreten soll. Die Boote sollten noch länger und schneller werden, die Crews größer, das Ganze fürs Publikum attraktiver aufbereitet. Doch dann kam der amerikanische Multimillionär Larry Ellison, ließ die Pläne per Gerichtsbeschluss platzen - und holte sich im Jahr 2010 den Cup.

"Langeweile auf dem Wasser" warfen Kritiker diesem "33. America's Cup" vor und nach jahrelangem Gerangel um den Modus der Austragung sehen sie den Cup am Boden. Die Wirtschaftskrise tut ein Übriges: Nicht einmal die Hälfte der ursprünglich gemeldeten Teams schaffte es an den Start zur Vorentscheidung. Man denkt also über Kostensenkung nach, gleichzeitig aber auch über noch aufwändigere Technik. Derweil steht der "America's Cup" vorerst wieder in dem Land, wo er die längste Zeit seiner Geschichte verbracht hat.

Katrin Lankers, Stand vom 07.09.2010

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