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Friedrichstadtpalast - Von der Markthalle zum Varieté

In Europas größtem Revue-Theater gibt es nichts, was es nicht gibt. Zirkusmanege, Eisfläche, Wasserbecken, die größte Laseranlage Europas und die längste Reihe nebeneinander tanzender Revue-Mädchen der Welt. Stars von Weltruhm geben sich hier die Klinke in die Hand. Was viele nicht wissen: Der Friedrichstadtpalast, Heimat der Glamour- und Glitzerwelt, war mal eine ganz normale Markthalle.

Totale des Gebäudes Friedrichstadtpalast mit parkender Autoreihe im Vordergrund. (Rechte: AKG)

Europas größtes Revue-Theater

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Es ist Mitte des 19. Jahrhunderts und Berlin blüht auf. Immer mehr Menschen zieht es auf der Suche nach Arbeit aus dem Land in die Metropole. Berlin wächst und die Bedürfnisse der Stadt wachsen mit. "Berlin braucht eine Markthalle", denken sich investitionswillige Geschäftsleute und bauen 1867 kurzerhand am Schiffbauerdamm, in der Nähe des Bahnhofs Friedrichstraße, eine überdimensionale Markthalle. Zu groß, wie sich bald herausstellen soll, denn sie erweist sich schnell als unrentabel und droht nach der Schließung als Ruine zu enden. Doch da entdeckt Ernst Jacob Renz die Halle als Winterquartier für seinen Zirkus und die Erfolgsgeschichte des heutigen Revue-Theaters beginnt.

Schwarz-weiß-Zeichnung der alten Markthalle. Links oben ist die Markthalle abgebildet. Rechts oben und links unten sind Verkaufsszenen zu sehen. (Rechte: AKG)

Eindrücke aus der Markthalle

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Bald erkennen Zirkusbesitzer, dass die Halle nicht nur als Winterquartier dienen kann, sondern auch ideale Voraussetzungen zur Unterbringung eines Zirkusbetriebs bietet. Also wird sechs Jahre später das Gebäude zu einer großen Zirkusarena mit 5000 Plätzen umgebaut. Über mehrere Jahrzehnte nutzen verschiedene Zirkus-Unternehmen das Haus. Darunter der Zirkus Renz, Zirkus Salamonsky und der Zirkus Schumann. Das Gebäude wird in "Markthallen-Circus" umbenannt. Ab jetzt begeistern Tiere und Artisten die Berliner. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges ist erstmal Schluss mit dem Zirkus.

Schwarz-weiß-Porträt von Marlene Dietrich, aufgenommen bei den Dreharbeiten zum Film 'Der blaue Engel'. Marlene Dietrich trägt einen grauen Zylinder auf dem Kopf und lächelt in die Kamera. (Rechte: AKG)

Marlene Dietrich 1930

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Theater löst Zirkus ab

Der Theaterregisseur Max Reinhardt, Mitbegründer der Salzburger Festspiele, übernimmt nach dem Ersten Weltkrieg die Regie in dem Gebäude. 1919 wird es zu einer Zweigstelle seines Deutschen Theaters umgebaut. Aus den vormals 5000 werden nun 3000 Plätze. Ab sofort heißt das Gebäude "Großes Schauspielhaus". Hier werden dem Publikum monumentale Ausstattungsrevuen geboten. Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges führt unter anderem der Schriftsteller Felix Hollaender das Haus. Die künstlerische Leitung hat Erik Charell. Er holt die damals noch unbekannten Künstler Marlene Dietrich, Hans Albers und die Comedian Harmonists auf die Bühne und bietet ihnen hier das Sprungbrett zu ihren späteren Erfolgen. Er inszeniert opulente, farbenprächtige Revuen, die beim Publikum für Begeisterung sorgen. Sensationelle Erfolge feiert er zum Beispiel mit der Operette "Im weißen Rössl".

Schwarz-weiß-Fotografie des Friedrichstadtpalastes aus dem Jahr 1949. Totale. Vor dem Gebäude stehen eine Frau und ein Junge mit dem Rücken zur Kamera und schauen auf das Revue-Theater. (Rechte: AKG)

Der Friedrichstadtpalast nach dem Wiederaufbau im Jahr 1949

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Wiedergeburt aus den Trümmern

1941 schließen die Nationalsozialisten das Haus. Das Gebäude wird im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt, doch die Artistin Marion Spadoni und ihre Kollegen bauen 1945 das Haus wieder auf. Mit Hilfe ihrer 180 Mitarbeiter entsteht das Revue-Theater "Palast-Varieté". Zwei Jahre später muss sie wegen ihrer Auftritte in der Nazi-Zeit die Intendanz abgeben. Der Magistrat der Stadt übernimmt nun die Leitung, und das Haus erhält seinen jetzigen Namen: Friedrichstadtpalast. Ab Mitte der 50er Jahre entwickelt sich das Programm des Hauses in die heutige Richtung; eine Mischung aus verschiedenen Nummern. So kann es zu der Zeit durchaus vorkommen, dass am selben Abend das Bolschoi-Ballet, das indische Nationalballett, Louis Armstrong und Ella Fitzgerald auf der Bühne stehen. 1980 hat die alte Markthalle ausgedient. Wegen maroder Bausubstanz muss das Gebäude geschlossen werden, um vier Jahre später einige Meter weiter an neuer Stelle wieder seine Türen für das Publikum zu öffnen.

Durchbruch nach der Wende

Anfang der 90er Jahre kommt der Erfolg des Friedrichstadtpalastes so richtig ins Rollen. Der neue Intendant Alexander Iljinski setzt auf eine Mischung aus traditioneller Revue und modernen Show-Elementen auf hohem Niveau. Der Erfolg gibt ihm Recht. Heute arbeiten über 300 Menschen in Europas größtem Revue-Theater. Abend für Abend bieten sie den rund 2000 Zuschauern eine Mischung aus Ballett, Musical und Artistik. Seit 2005 gibt es auch ein Kinderensemble mit speziellem Programm.

Inés Carrasco, Stand vom 01.06.2009
Sendung: Die Welt des Zirkus - Artisten, Tiere, Sensationen, 06.12.2007

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Bildcollage zum Thema Zauberwelt Zirkus. (Rechte: dpa)

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