Zirkus in Deutschland
Zauberwelt Zirkus
Das Wort "Zirkus" steht für das Gebäude, in dem Darbietungen wie die von Akrobaten, Clowns oder Dompteuren gezeigt werden, aber auch für das Programm als Ganzes. Die einzelnen Nummern haben eine bis in die Antike reichende Tradition. Da aber im modernen Zirkus auf jede Form von Wettkampf verzichtet wird, ist er nicht als Nachfolger des antiken "circus" anzusehen.
Als erster Zirkusbau der Moderne gilt das "Amphitheatre" des Briten Phillip Astley, das 1803 bereits die runde Manege enthielt - bis heute unverzichtbarer Bestandteil eines jeden Zirkus.
Im Zirkus verschmelzen die Nummern und in sich geschlossenen Darbietungen zu einem Ganzen. Der Zirkus ist eine eigene Welt für sich, ein gesellschaftlicher Mikrokosmos. Alle Formen des menschlichen Zusammenlebens sind auf engem Raum zu beobachten. Das reicht von der Machtposition des Direktors, der Ausbeutung der Tiere, der völligen Hingabe des Artisten zu seinem Beruf bis hin zur mitunter revolutionären Philosophie des Clowns. Hinzu kommt noch ein sehr poetisches Element: Der Zirkus kommt und geht, er schenkt dem Publikum seine Träume, um sie am Ende wieder mitzunehmen.
Zirkus-Familien
Die meisten Zirkusbetriebe, insbesondere die Klein- und Wanderzirkusse, sind Familienunternehmen - da ist die Schlangenfrau auch Tierbetreuerin, der Artist auch Geschäftsmann. Tricks und Know-How werden traditionell über Generationen vererbt. Das ist bei den heute großen und berühmten Zirkussen in Deutschland, die mittlerweile auf eine über 100-jährige Tradition zurückblicken, nicht anders: "Circus Krone", "Circus Sarrasani", "Circus Althoff" oder der "Circus Busch" wurden anfangs nur von Familienmitgliedern getragen. Mittlerweile beschäftigen viele der großen, finanzstarken Zirkus-Dynastien zwar auch Künstler, die von außerhalb kommen, doch die Führung des Zirkus liegt meist noch in Familienhand.
Weihnachtszirkus und Winterpause
Zirkusse sind Unternehmen, die immer unterwegs sind. Sie haben in der Regel keinen festen Sitz, an dem sie das ganze Jahr über das Zelt aufgeschlagen lassen. Wenn die Sommer-Tourneen vorüber sind, fängt für manchen Zirkus ein Überlebenskampf an. Jedes Jahr geraten einige in Not, weil sie im Winter für sich und ihre Tiere keine Unterkunft finden. Dann tauchen in den Fußgängerzonen Menschen mit Tieren auf und sammeln für Futtergeld um die Zeit zu überbrücken, bis es wieder heißt: "Manege frei!".Not macht erfinderisch: Manche Betriebe stellen sich auf Weihnachtsmärkte mit einer lebendigen Krippe oder gehen mit Tierschauen in Schulen.
Noch vor zehn Jahren blieb bei vielen Zirkussen im Winter der Vorhang geschlossen. Das kann sich heute keiner mehr leisten. In fast jeder größeren Stadt gastiert mittlerweile ein Weihnachtszirkus. Bei den großen Zirkussen hat es sich eingebürgert, dass sie in den Wintermonaten immer an den gleichen Ort zurückkehren: "Circus Sarrasani" schlägt im Winter sein Zelt in Dresden auf, "Circus Busch" steht in Berlin, "Circus Roncalli" hat sein Winterquartier in Köln. Einzige Ausnahme ist "Circus Krone" - er hat einen festen Zirkus-Bau in München. Kleine Wanderzirkusse haben es im Winter schwerer als die großen Zirkusse, denn bei ihnen bedeutet Winter Ungewissheit und Spielpause.
Zirkusland Deutschland
Wie viele Zirkusse durch Deutschland ziehen, ist nicht genau bekannt. Es sind allerdings mehr als allgemein vermutet wird: von mehreren Hundert ist die Rede. Richtig groß davon sind jedoch nur zehn bis 15. Diese Zirkusse haben in der Regel keine Probleme, den Winter zu überstehen. Deutschland gilt mittlerweile sogar als das Land mit den meisten Zirkussen in Europa.
Natalie Muntermann, Stand vom 01.06.2009
Sendung: Die Welt des Zirkus - Artisten, Tiere, Sensationen, 06.12.2007








