Circus Probst
Ein traditionsreiches Unternehmen
Seit Anfang der 80er Jahre gibt es in Deutschland wieder zwei Probst-Zirkusse: einen im Osten und einen im Westen. Ihre Geschichte reicht ins 19. Jahrhundert zurück. Damals gründete der Großvater des heutigen Zirkusdirektors Reinhard Probst den ersten Zirkus der Familie.
Seine elf Kinder waren alle mit dem "Zirkusvirus" infiziert - viele von ihnen betrieben sogar ein eigenes rollendes Unternehmen. In der DDR gab es zeitweilig sogar zwei "Circus Probst". Doch als Privatunternehmen hatten sie es schwer, denn der Staat wollte keinen Zirkus, der größer und besser war als der Staatszirkus. So gab der eine Zirkusdirektor auf; der andere blieb hart, wanderte aber dafür mehrmals ins Gefängnis und musste sich Zelt und Tiere beschlagnahmen lassen.
Von den Anfängen bis heute
Zirkusdirektor Reinhard Probst wuchs eigentlich in Westdeutschland auf. Dennoch verbrachte er viel Zeit bei seinen Zirkusverwandten in der DDR. 1982 heiratete er nicht nur die künftige Zirkuschefin Brigitte Probst, sondern gründete auch den ersten eigenen Zirkus - zunächst mit nur kleinem Zelt. Doch nach und nach wuchs der Zirkus. Heute gehört "Circus Probst" zu den fünf größten Zirkussen in Deutschland. Das Zelt fasst 1200 Zuschauer, 80 Wohnwagen sowie zahlreiche Tiere reisen mit: Pferde, Lamas, Dromedare, afrikanische Rinder, ein Emu, Zebras, eine Giraffe, drei Elefanten, ein Nashorn und sogar Löwen.
Tiere im Zirkus
"Circus Probst" gehört zu den Pionieren der artgerechten Tierhaltung im Zirkus. Er war einer der ersten Zirkusse, die die Koppelhaltung im Zirkus eingeführt haben. Heute hat es sich durchgesetzt, dass Tiere nicht mehr mit Fußfesseln angebunden werden, sondern Boxen und Koppeln zum Auslauf haben. In den Leitlinien zur Tierhaltung im Zirkus ist heute festgehalten, wie groß die Boxen sein müssen, wie die Ernährung und die Pflege auszusehen haben, wie die Tiere dressiert werden sollen und welche Bedingungen sie in ihrer Freizeit brauchen.
In jeder Stadt kommt ein Sachverständiger vom Veterinäramt und überprüft, natürlich unangemeldet, den Zustand der Tiere. "Circus Probst" ist stolz auf seine Bewertungen vom Veterinäramt und veröffentlicht sie auch im Internet: Regelmäßig loben die Begutachter die Tierhaltung. Und für die Chefs von "Circus Probst" steht fest: Sie wollen die Leitlinien nicht nur erfüllen, sondern ihren Tieren mehr bieten, als vorgeschrieben ist. Sogar von einem der Tierschutzvereine, die normalerweise grundsätzlich gegen Tierzirkus sind, hat "Circus Probst" eine Auszeichnung bekommen.
Pferdetraining im Circus Probst (4'45")
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Ein Zirkus braucht eine Riesenlogistik
Jede Woche ein neuer Platz, eine neue Stadt - das erfordert viel Organisation. Allein vier Stunden dauert der Aufbau des Zeltes. Der Abbau ist meist Akkordarbeit, denn nach der letzten Vorstellung, also nach 22 Uhr, muss alles verstaut werden, damit man am nächsten Tag in der neuen Stadt alles wieder aufbauen kann. Natürlich müssen auch die Tiere verladen werden. Für den tierfreundlichen “Circus Probst“ heißt das: Alles ist verpackt, erst dann werden die Ställe abgebaut und die Tiere in die Transportwagen gebracht.
Auf der Autobahn heißt es dann: vorsichtig fahren, langsam abbremsen und gemächlich in die Kurven gehen. Am neuen Platz werden die Tiere dann als Erstes versorgt: Zunächst werden die Ställe aufgebaut und die Tiere hineingebracht, dann kommen die Wohnwagen und das Zelt. Aber auch die Werbung, die Verhandlungen mit den verschiedenen Stadtverwaltungen, die Löhne und Gehälter für die engagierten Künstler, Arbeiter und Tierpfleger müssen geregelt werden. Allein mit Büroarbeit sind beim “Circus Probst“ drei Menschen beschäftigt - und das ist die Voraussetzung, dass das rollende Unternehmen überhaupt weiter bestehen kann.
Christiane Gorse, Stand vom 01.06.2009
Sendung: Die Welt des Zirkus - Artisten, Tiere, Sensationen, 06.12.2007






