Social Media

Ein kleines Mädchen schaut gespannt auf einen Computerbildschirm und hält die Händen über einer Tastatur.

Computer und Roboter

Social Media

Am 15. Januar 2009 musste ein mit 150 Passagieren besetztes Flugzeug auf dem Hudson River nahe New York notlanden. Janis Krums berichtete damals als Erster. Sein Foto vom sinkenden Airbus ging um die Welt: Fernsehsender, Zeitungen, Webseiten – alle rissen sich um die Aufnahme. Dabei ist Krums weder Journalist noch Fotograf. Er beobachtete das Unglück von einer Fähre aus: "Fast instinktiv zückte ich mein iPhone, knipste und stellte – weil ich gerade bei Twitter angemeldet war – die Aufnahme ins Netz", sagte Krums in einem Interview.

Kommunizieren in der Twitter-Welt

Die Geschichte von Janis Krums zeigt, wie neue Medien die Kommunikation zwischen den Menschen verändert haben. Über Webseiten wie Twitter können sich Informationen heute in kurzer Zeit in der Welt verbreiten.

Screenshot einer Twitterseite mit Einträgen zum Thema Iran

Irans Opposition organisierte sich auch über Twitter

Twitter ist ein sogenannter Mikroblogging-Dienst. Das ist eine Internetplattform, auf der Mitglieder Nachrichten veröffentlichen und an andere Nutzer schicken können. Fast zwei Milliarden Menschen weltweit hatten im September 2013 einen eigenen Account auf Twitter.

Twitter funktioniert so: Person A loggt sich in Twitter ein und schreibt eine Nachricht - einen sogenannten Tweet, der nicht länger als 140 Zeichen ist. Der Informationsgehalt ist hierbei egal: Es kann um Politik, die eigenen Gefühle oder ums Kantinenessen gehen. Bevor Person A den Tweet abschickt, kann sie noch ein Schlagwort hinzufügen, etwa #Unglück. In der Twitter-Sprache heißt das Hashtag.

Interessiert sich eine Person B für Nachrichten zum Thema Unglück, kann sie das Schlagwort auf Twitter suchen. Dann findet sie alle Tweets mit diesem Hashtag – auch die Nachricht von Person A. Sie kann dem Account von Person A auch "folgen", das heißt abonnieren. So erhält sie alle Tweets, die Person A abschickt.

Twitter-Nachrichten können zu einer Art Schneeballeffekt führen. Gefällt einem Nutzer ein Tweet, kann er diesen "retweeten". Dadurch erstellt er sozusagen eine virtuelle Kopie der Nachricht, die dann seine eigenen Abonnenten sehen. So verbreitete sich auch der Tweet von Janis Krums: Etwa vier Stunden nachdem er online ging, hatten ihn fast 40.000 Menschen gesehen.

Facebook: Sozial vernetzt mit der Welt

Der Gründer von Facebook, Mark Zuckerberg, lehnt in der Zentrale seines Unternehmens an einer blauen Wand. Über ihm steht in weißen Buchstaben das Wort Facebook.

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg in der Firmenzentrale

In den vergangenen Jahren haben Entwickler verschiedene Technologien wie Twitter auf den Markt gebracht. Sie werden unter dem Begriff Social Media zusammengefasst. Über sie können Menschen auf der ganzen Welt online miteinander kommunizieren und Informationen austauschen. Zudem können sie auch eigene Inhalte ins Netz stellen. Zu den Social Media gehören unter anderem soziale Netzwerke, Wikis und Onlineportale.

Etwa 24 Millionen Menschen über 14 Jahren – mehr als 40 Prozent der Internetnutzer – sind in Deutschland in sozialen Netzwerken aktiv. Das ergab die ARD/ZDF-Onlinestudie von 2015.

Vor allem Facebook ist beliebt: Nach Unternehmensangaben waren Ende 2015 etwa 28 Millionen Bundesbürger aktives Mitglied in dem sozialen Netzwerk.

Facebook wurde 2004 von dem Harvard-Studenten Marc Zuckerberg gegründet. Es handelte sich hierbei ursprünglich um eine Art virtuelles Jahrbuch. Auf Facebook sollten Zuckerbergs Studienkollegen einen Steckbrief von sich anlegen und sich untereinander vernetzen können.

Bald waren Studenten aller renommierter Universitäten der USA auf Facebook vertreten. Danach kamen andere Hochschulen und High-Schools hinzu – bis sich schließlich jeder ab 13 Jahren anmelden konnte. Über die Anfänge von Facebook drehte David Fincher 2010 den Film "The Social Network".

Fernsehen war gestern – Social Television oder Second Screen

Facebook und Twitter sind mittlerweile mehr als Online Communities. Auf fast jeder Internetseite finden sich heute sogenannte Share-Buttons, die den Nutzer direkt mit den sozialen Netzwerken verbinden: Wer online ein Buch bestellt oder einen Artikel liest, kann dies sofort mit seinen virtuellen Freunden teilen. Er klickt einfach auf "Gefällt mir" oder "Twittern".

In dem Auge einer Frau spiegelt sich der Schriftzug Facebook.

Facebook im Blick

Viele TV-Sendungen nutzen Facebook für eigene Fanseiten. Dort können Nutzer unter anderem Kommentare abgeben und Fragen an die Redaktion stellen. Oft finden über Facebook auch Gewinnspiele statt.

Seit einiger Zeit lässt sich ein weiterer Trend beobachten: das sogenannte Social TV. Hierbei sieht ein Nutzer eine Sendung im Fernsehen und surft gleichzeitig im Netz. 24 Prozent der Internetnutzer in Deutschland surfen und sehen fern zugleich – und das täglich Das belegt die ARD-/ZDF-Onlinestudie von 2015. Über Twitter oder Facebook kommentieren sie, was sie gerade sehen, oder tauschen sich mit anderen darüber aus. Weil sie parallel zwei Bildschirme nutzen, wird dies auch Second Screen genannt.

Wikis: Netzinhalte gemeinsam erstellen

Eine andere Variante der Social Media-Nutzung bieten die sogenannten Wikis. Wikis sind sozusagen Gemeinschaftsprojekte im Netz: Auf Wikis kann jeder User Inhalte veröffentlichen und die Beiträge anderer überarbeiten. Durch Verlinkungen kann er zudem verschiedene Einträge vernetzen. Langfristig entsteht so eine Art virtueller Wissenspool, den die Netzgemeinde ständig kontrolliert und aktualisiert.

Im Hintergrund ist ein Bildschirmfoto der Enthüllungsplattform Wikileaks zu sehen. Eine Lupe vergrößert das Wort Secret.

Die Enthüllungsplattform Wikileaks

2007 erlangte vor allem ein Wiki weltweite Bekanntheit – das sogenannte Wikileaks. "Leaks" bedeutet wörtlich übersetzt Leck oder undichte Stelle. "Unser Ziel ist es, wichtige Nachrichten und Informationen an die Öffentlichkeit zu bringen", schreiben die Initiatoren auf der Plattform. Damit meinen die Betreiber vor allem geheime Regierungsakten.

Bis September 2010 konnte jeder Nutzer anonym Dokumente in Wikileaks hochladen, etwa Berichte der US-Geheimdienste. Zahlreichen Regierungschefs war dies ein Dorn im Auge: Sie sperrten die Onlineplattform vorübergehend. Der Gründer von Wikileaks, Julian Assange, musste im Juni 2012 in die Londoner Botschaft von Ecuador flüchten. Dort lebt er mittlerweile seit mehr als einem Jahr.

Onlineportale: Videos, Fotos und Dateien miteinander teilen

In Onlineportalen können Internetnutzer auf der ganzen Welt Videos, Fotos und Dateien miteinander teilen und tauschen. Auf Englisch heißt das Media Sharing. Bekannte Webseiten sind heute etwa Flickr, SlideShare und YouTube.

YouTube bedeutet sinngemäß "Du sendest". Über die Plattform können User eigene Videos veröffentlichen und die anderer User abrufen. Einschränkungen gibt es so gut wie keine. Viele machen ihr eigenes Können zum Inhalt von YouTube-Videos – getreu dem Motto "Broadcast yourself", mache dich selbst bekannt.

Ein Mädchen sitzt vor einem Computerbildschirm. Auf diesem ist die Seite von YouTube zu sehen. Darauf steht der Werbespruch "Broadcast yourself".

Das Motto von YouTube: "Broadcast yourself"

Tatsächlich hat die Webseite auch schon einige Stars hervorgebracht: Der kanadische Sänger Justin Bieber konnte durch seine YouTube-Videos einen Plattenvertrag an Land ziehen. Dieser bringt ihm jedes Jahr mehrere Millionen Dollar ein.

Nicht nur Privatpersonen nutzen YouTube. Auch Unternehmen und Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, sind auf dem Onlineportal präsent. Oft haben sie einen eigenen Kanal. Auf diesem veröffentlichen sie regelmäßig Videos über sich oder ihre Firma. In Deutschland besitzen unter anderem die ARD und Bundeskanzlerin Angela Merkel einen solchen Kanal.

Die sozialen Medien sind nicht immer sozial

In der Realität sind die sozialen Medien nicht immer sozial. Datenschützer bemängeln etwa, wie die Betreiber mit Informationen ihrer Mitglieder umgehen – vor allem auf Facebook. Wer sich in dem sozialen Netzwerk registriert bemächtigt das Unternehmen, alle eingestellten Inhalte zu verwenden. Sie bleiben auch gespeichert, wenn der Nutzer sein Konto löscht. Die Betreiber behalten sich zudem das Recht vor, Daten wie Alter oder Geschlecht an Werbeanbieter weiterzugeben.

Auf YouTube ist folgender Hinweis zu sehen: Dieses Video ist in Deutschland leider nicht verfügbar, da es möglicher Musik enthält, für die die erforderlichen Musikrechte von der GEMA nicht eingeräumt wurden.

Ein Hinweis der GEMA auf YouTube

Mit dem entgegensetzen Problem haben Wikis zu kämpfen: Ihre Nutzer agieren vollkommen anonym. Dadurch ist kaum nachvollziehbar, wer einen bestimmten Artikel geschrieben und wo der Autor seine Informationen her hat. Ein Eintrag über Teilchenbeschleunigung kann ebenso von einem Hobbyphysiker kommen, wie von einem Forscher in Genf. Deswegen ist das Zitieren von Wikipedia-Artikeln in vielen Schulen und Universitäten auch nicht gern gesehen.

Auch das Onlineportal YouTube bietet Anlass für Kritik. Einige Nutzer stellen Videos ein, die die Urheberrechte verletzen. Schon mehrfach haben Unternehmen oder Privatpersonen die Betreiber verklagt. In Deutschland setzt sich die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und Vervielfältigungsrechte (GEMA) für die Urheberrechte von etwa 65.000 Künstlern ein. Ein weiteres Problem mit YouTube: In einigen Ländern wie China oder dem Iran ist der Zugang zu YouTube gesperrt.

Autorin: Andrea Böhnke

Stand: 30.05.2016, 14:56

Darstellung: