Projekt Desertec

Solaranlage in der Wüste

Solarenergie

Projekt Desertec

Das Projekt Desertec verfolgt einen ehrgeizigen Plan: In Wüstengebieten mit hoher Sonneneinstrahlung sollen Solarkraftwerke gebaut werden, die einmal – zusammen mit anderen regenerativen Energiequellen – ganz Europa mit Strom versorgen könnten.

Die Vision

Ganz Europa mit umweltfreundlichem Strom aus der Wüste versorgen – die Idee des Hamburger Solarpioniers Dr. Gerhard Knies ist inzwischen weit mehr als bloße Vision. Ziel des "Desertec-Projektes" ist es, die Kraft der Sonne in der nordafrikanischen Wüste intensiv zu nutzen. Solarkraftwerke auf einer Fläche von 500 mal 500 Kilometern würden prinzipiell ausreichen, um den Energiebedarf für ganz Europa, vermutlich sogar weltweit zu decken.

Je höher der Anteil an der zukünftigen Energieversorgung, desto besser. Es geht darum, Energie möglichst CO2-neutral zu gewinnen und damit etwas gegen den drohenden Klimawandel zu tun. Dementsprechend plädiert die Desertec Foundation dafür, den Anteil von Atom- oder Kohlekraftwerken an der Energieversorgung der Zukunft so weit wie möglich zu reduzieren, den Anteil an Solarenergie dagegen zu erhöhen. Auch die Energiequellen Wind- und Wasserkraft, Biomasse oder die Geothermie ließen sich weitaus intensiver nutzen.

Die Technik

Sonne und Wolken

Die Sonne garantiert eine kontinuierliche Stromversorgung

In Wüstengebieten ist die Sonneneinstrahlung erheblich höher als in unseren Landen. Sie sind der ideale Standort für künftige Solarkraftwerke. Genutzt wird die Wärmeenergie der Sonnenstrahlung. In den solarthermischen Anlagen wird Wasserdampf erzeugt, der wiederum genutzt wird, um Turbinen anzutreiben. Sie erzeugen den Strom.

Die gewonnene Wärmeenergie kann auch zwischengespeichert werden, um eine kontinuierliche Stromversorgung zu gewährleisten. Ein neues Netz aus Hochspannungs-Gleichstromleitungen soll den Strom aus Afrikas Wüsten in Zukunft nach Europa transportieren.

Hohe Energieverluste wären bei der Gleichstrom-Übertragungstechnik nicht zu befürchten, allenfalls zehn bis 15 Prozent, wie die Experten berechneten. Ganz nebenbei könnten die Turmkraftwerke übrigens durch Verdampfung auch zur Entsalzung von Meerwasser genutzt werden. Süßwasser ist in Wüstenstaaten ein kostbares Gut.

Was kommt bei uns an?

Obwohl die Energie der Sonne zwar prinzipiell kostenlos ist, wird der Wüstenstrom vermutlich ähnlich teuer sein wie herkömmlicher Strom. Die geschätzten Kosten für die Turmkraftwerke und die Infrastruktur belaufen sich mehrere Hundert Milliarden Euro. Studien des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt rechnen umgerechnet mit ungefähr 6,5 Cent pro Kilowattstunde Stromkosten.

Langfristig gesehen würde die Solarenergienutzung aber nicht nur dem Klimawandel entgegenwirken, die Energiequelle ist im Gegensatz zu fossilen Rohstoffen wie Erdöl oder Kohle nahezu unbegrenzt verfügbar. Machbar ist das Projekt Desertec aber nur, wenn alle beteiligten Staaten kooperieren, wenn politische und wirtschaftliche Grenzen überwunden werden.

Wann kommt der erste Spatenstich?

Ein solarthermisches Kraftwerk in der Mojave-Wüste in Kalifornien

Solarthermisches Kraftwerk in der Mojave-Wüste in Kalifornien

Nachdem es anfänglich schwierig war, Politiker und Unternehmen ins Boot zu holen, sind inzwischen gute Grundvoraussetzungen für die Umsetzung von Desertec gegeben. In Marrokko, Ägypten und Algerien wurden bereits die ersten Solarkraftwerke gebaut.

Diese und noch folgende nordafrikanische Kraftwerke werden in den kommenden zehn bis 15 Jahren zunächst den eigenen Bedarf der Nordafrikaner decken. Experten schätzen, dass erst ab 2030 ein Stromexport in großem Maße nach Europa möglich sein wird.

Die Desertec Foundation plant außerdem weitere Initiativen in anderen Regionen, zum Beispiel den USA, Indien, China und Australien. So wird vielleicht eines Tages die ganze Welt mit sauberem Strom "aus der Wüste" versorgt.

Kritiker stellen das gigantische Projekt allerdings in Frage. So geht das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit davon aus, dass durch den Ausbau der regenerativen Energien in Deutschland bis 2030 bereits 50 Prozent, 2050 sogar 80 Prozent, des hiesigen Bedarfs gedeckt würden. Eine Entwicklung, die Desertec überflüssig machen könnte.

Weiterführende Infos

Autoren: Philip Häusser/Alfried Schmitz

Stand: 27.06.2014, 13:00

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