Schusswaffen

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Schusswaffen

Waren es am Anfang vor allem Schall und Rauch, die den Gegner auf dem Schlachtfeld verwirrten, haben sich Pistolen und Gewehre heute längst zu tödlichen Präzisionswerkzeugen entwickelt. Die Geschichte der Schusswaffen hat stets zwei Seiten. Auf der einen stehen Tüftler, Erfinder und technischer Fortschritt, auf der anderen Seite stehen die Opfer.

Das erste Gewehr: ein Rohr mit Loch

Holzkohle, Salpeter und Schwefel – das hochexplosive Gemisch dieser drei Stoffe revolutionierte die Entwicklung der Waffentechnik. Vermutlich wurde das Schießpulver in China entwickelt. Um die Mitte des 13. Jahrhunderts wurde es auch in Europa bekannt – und zwar zunächst als Lärm verursachendes Feuerwerk.

Das älteste bekannte Gewehr wurde schätzungsweise rund hundert Jahre später gebaut. Die Bezeichnung Gewehr ist allerdings etwas übertrieben: Es handelte sich um ein einfaches Rohr, das an einem Ende verschlossen war. Durch ein gebohrtes Loch entzündete man die Pulverladung mit einem glühenden Draht oder einem Stück Kohle.

Aus dieser Frühform entwickelten sich bald die Arkebusen, Waffen, die mit einer Lunte gezündet wurden, aber schon über Holzgriffe verfügten. Mit diesen "Hakenbüchsen" – der Name Arkebuse kommt von dem alten deutschen Wort "Hakbuchse" – konnte ein guter Schütze schon erstaunlich gut zielen: Auf 50 Meter traf er eine Spielkarte und auf die doppelte Entfernung einen Hirsch.

Leonardo da Vinci als Waffenentwickler

Leonardo da Vinci war wahrscheinlich der Erste, der Anfang des 16. Jahrhunderts den Zündradmechanismus entwickelte. Im Katalog seiner Erfindungen findet sich dazu zumindest ein Entwurf: Ein gezahntes Rädchen schlägt gegen einen Feuerstein und erzeugt einen Funken, der in die Zündpfanne geleitet wird.

Das komplizierte und teure System bestand aus mindestens drei Dutzend beweglichen Teilen. Deshalb ersetzte es beim Militär nicht das Luntenschloss, doch es ermöglichte erstmals die Herstellung von Waffen, die mit nur einer Hand zu bedienen waren – die Pistolen.

Ob die Bezeichnung für diese Handfeuerwaffen von dem tschechischen Wort "pistale" (Pfeife, Rohr) kommt oder auf die Waffenfabrik im italienschen Pistoia verweist, ist bis heute umstritten. Fest steht: Der Begriff hatte sich bereits Ende des 16. Jahrhunderts durchgesetzt und wird bis heute für alle Handfeuerwaffen gebraucht, deren Munition im Magazin – und nicht wie beim Revolver in einer Trommel – liegt.

Ungefähr zur selben Zeit entwickelten die Waffenhersteller eine weitere verbesserte Zündvorrichtung: das Steinschloss. Ein Feuerstein wurde zwischen einem Paar Klemmbacken befestigt. Betätigte man den Abzug, schnellte der Stein nach vorne und schlug an einem Stück Stahl Funken. Die Ähnlichkeit mit einem pickenden Hahnenkopf gab diesem System seinen Namen: Schnapphahn.

Zwei reich verzierte Pistolen und ein Fläschchen liegen vor einfarbigem Hintergrund

Radschlosspistolen und Pulverflasche

Ein Pfarrer geht auf Entenjagd

Ausgerechnet einem Geistlichen gelang eine der größten Erfindungen in der Geschichte der Feuerwaffen. Der schottische Pfarrer Alexander Forsyth pflegte zwei Hobbys: chemische Experimente und die Jagd.

Ging er nun auf Entenjagd, ärgerte er sich, dass die Vögel stets vom Aufblitzen und vom Rauch des Zündkrauts gewarnt wurden. Deshalb braute er im heimischen Labor aus explosiven Salzen und weiteren Chemikalien das sogenannte Knallpulver und ließ es 1807 patentieren. Dieses Knallpulver entwickelte genug Hitze, um eine Ladung Schwarzpulver zu entzünden.

Vor der Erfindung des Knallpulvers musste zunächst mit Stein und Stahl ein Funke erzeugt werden, der dann das Zündkraut entzündete. Dieses setzte anschließend die Treibladung in Gang, welche das Geschoss durch den Waffenlauf trieb. Die Zeit vom Abziehen bis zur Zündung verkürzte sich dank der neuen Technik deutlich – und der Gegner, in Forsyths Fall die Enten, wurde nicht durch den Rauch vorgewarnt.

Forsyths sogenanntes Perkussionssystem bildete die Grundlage für eine weitere entscheidende Entwicklung: die Einheitspatrone, bei der Zünder, Treibmittel und Geschoss in einer Hülse aus Metall zusammengefasst sind. Sie kam ab Mitte des 19. Jahrhunderts zum Einsatz.

In einem Gürtel im Westernstil stecken nebeneinander zahlreiche Patronen

Alles drin: die Einheitspatronen

Ein Colt für alle Fälle

Colt, Samuel Colt – bis heute steht dieser Name fast gleichbedeutend für Revolver. Schon als junger Mann interessierte der US-Amerikaner Colt sich für Feuerwaffen. Die Idee zu seiner berühmten Revolver-Technik soll ihm als Matrose auf hoher See gekommen sein, während er das Steuerrad beobachtete.

Die Neuerung bestand in einer drehbaren Trommel, in der die Ladung kreisförmig angeordnet war, sodass man sechs Schüsse ohne Nachladen zur Verfügung hatte.

1836 war Colt im Besitz der Patentrechte für seine Erfindung und baute eine Fabrik in New Jersey. Doch das Geschäft lief schlecht, die Amerikaner hingen zu sehr an ihren bewährten Gewehren.

Fünf Jahre später ging Colt Bankrott – doch er gab nicht auf. Und tatsächlich: Der Bürgerkrieg, der 1861 ausbrach, brachte Colts Waffen den Durchbruch. Ironie des Schicksals: Samuel Colt starb nur ein Jahr später.

Gary Cooper im Film "High Noon"

Was wären Westernhelden ohne Revolver?

08/15: Ein Maschinengewehr wird zur Redensart

Hiram Maxim, der Mann, dessen Erfindung die Kriegsführung in bislang ungekanntem Ausmaß veränderte, war eigentlich auf elektrische Beleuchtungen und Stromgeneratoren spezialisiert.

Damit hatte der Brite bereits im Alter von 40 Jahren ein beachtliches Vermögen angesammelt – und sich dann vom Finanzgeber seines größten Konkurrenten mit einer großzügigen jährlichen Abfindung überzeugen lassen, in den Ruhestand zu treten.

Doch Maxim war kein Freund der Ruhe – und so fing er an, sich für Schusswaffen zu interessieren. Im Jahr 1884 erfand er eine Waffe, die sich immer wieder automatisch nachlud, sobald eine Patrone verfeuert war: das erste Maschinengewehr (MG). Maxim nutzte dabei den Rückstoß der Waffe für den Auswurf der leeren Hülse und das Nachladen.

Das bekannteste MG, dessen Name es sogar in die Riege der Redensarten geschafft hat, war wohl das 08/15, das im Ersten Weltkrieg von den Deutschen verwendet wurde.

Gleichbedeutend für "mittelmäßig" und "durchschnittlich" wurde der Begriff vermutlich deshalb, weil das 08/15 das erste Gewehr war, das deutschlandweit einheitlich zum Einsatz kam – bis dato war jeder Landesteil selbst für die Ausrüstung seiner Soldaten zuständig gewesen.

Der Krieg und die Zerstörung nahmen unter anderem wegen dieser neuen Waffen ungekannte Ausmaße an. Fast zehn Millionen Menschen verloren zwischen 1914 und 1918 ihr Leben.

Schwarzweiß-Bild: Soldaten stehen um ein Maschinengewehr herum

Luftabwehr mit dem Maschinengewehr

Vom Grabenfeger zum Sturmgewehr

Die Maschinengewehre des Ersten Weltkriegs hatten einen deutlichen Nachteil: Sie waren so unhandlich und vor allem schwer, dass sie von mehreren Soldaten bedient werden mussten – gut zur Verteidigung, für den Angriff kaum nutzbar. Der Grabenkrieg verlangte nach kleineren leichteren Waffen mit hoher Feuergeschwindigkeit.

Im Jahr 1918 lieferte die Firma Bergmann deshalb die Maschinenpistole MP18, entwickelt von Hugo Schmeisser, an die deutschen Truppen aus. Es war nicht die erste Maschinenpistole, die produziert wurde, jedoch die mit dem legendärsten Ruf und dem bezeichnenden Beinamen "Grabenfeger".

Die MP18 war einer der Hauptgründe dafür, dass den Deutschen durch den Versailler Vertrag verboten wurde, Maschinenpistolen herzustellen oder zu besitzen. Im Zweiten Weltkrieg waren die deutschen Soldaten dennoch ebenso mit Maschinenpistolen ausgerüstet wie die Soldaten aller anderen Armeen.

Allerdings zeigte auch die Maschinenpistole im Zweiten Weltkrieg einen militärischen Nachteil: ihre kurze Reichweite im Vergleich zum Gewehr. Die Deutschen entwickelten deshalb das erste Sturmgewehr und führten es 1944 ein.

Der Begriff stammt aus der Propaganda der Nationalsozialisten: Das "Sturmgewehr 44" galt als ideale Waffe für die Sturmtruppen, tauglich für zielgenaues Einzelfeuer auf große Distanz ebenso wie für das Dauerfeuer im Nahkampf. Sturmgewehre gehören bei den meisten Streitkräften heute zur Standardbewaffnung.

Moderne Sturmgewehre

Moderne Sturmgewehre

Autorin: Katrin Lankers

Stand: 02.11.2017, 10:00

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