Viele Zitronen

Tinte

Spezialtinte und unsichtbare Schrift

Manche Botschaften sind geheim, andere sollen nur kurz zu sehen sein und wieder andere will man entfernen, bevor sie überhaupt irgendjemand zu Gesicht bekommt. Dafür gibt es spezielle Tinten.

Von Cristina Moles Kaupp

Tintenkiller

Das gesprochene Wort lässt sich bekanntlich nicht ausradieren. Mit Schriftstücken sieht das anders aus: Jeder Schüler kennt den Tintenkiller, der die Tinte wegfrisst und aussieht wie ein Filzstift: Das eine Ende löscht die Tinte, der blaue Korrekturstift am anderen Ende bessert die gebleichte Stelle aus.

Eine schwefelige Verbindung und eine Lauge zaubern dabei den Tintenfarbstoff vom Blatt. Allerdings funktioniert dies nur bei den synthetisch hergestellten blauen Tinten.

Geheimtinten

Die Geheimtinte wird auch "Zaubertinte" oder "Sympathetische Tinte" genannt und dient zur Übermittlung geheimer Botschaften. Dabei wird die Nachricht nicht verschlüsselt, sondern mit einer unsichtbaren Flüssigkeit geschrieben. Der Empfänger erhält ein weißes, scheinbar leeres Blatt, das nach Erwärmung die Botschaft freigibt.

Die einfachsten und ungiftigsten Zutaten für Geheimtinten finden sich in jeder Küche: Apfelsaft, Essig, Milch (Buttermilch), Orangensaft, Zitronensaft, Zuckerwasser oder Zwiebelsaft. Zum Auftragen auf Papier eignen sich Federn, Holz- oder Wattestäbchen. Hält man später das Blatt vor eine Lampe oder erwärmt es mit dem Bügeleisen, färbt sich die Tinte bräunlich.

Der Grund dafür ist der hohe Säureanteil in den Flüssigkeiten. Säure greift das Papier an – je wärmer sie wird, desto schneller altert und vergilbt das Papier. Beigemengter Zucker unterstützt die Färbung zusätzlich, bei Hitze wird er bräunlich.

Damentinte

Ein anderes Prinzip verfolgen so genannte Damentinten: Jeder kann sie lesen, aber nur für kurze Zeit. Plötzlich verblasst die Schrift bis zur Unkenntlichkeit. Solche Tinten waren einst bei Hofdamen für ihre Ränkespiele beliebt, daher der Name.

Heute fungiert die blaue oder grellrote Tinte als Scherzartikel: Wer jemandem diese Tinktur über das Hemd schüttet, kann sich an dessen Entsetzen weiden, wohlwissend, dass die Tinte nach 30 bis 70 Sekunden wieder verschwindet. Doch Vorsicht: Nicht jeder Stoff verträgt diese Tinte.

Um solch eine Tinte selbst herzustellen, füllt man fünf Milliliter (ungefähr fünf Zentimeter hoch) Wasser in ein Reagenzglas. Dazu gibt man, am besten mit einer Pipette, zwei Tropfen Ammoniakwasser. Hinzu kommen zehn Tropfen Phenolphthalein und eine Spatelspitze Phenolphthalein-Pulver zur Farbverstärkung. Nun noch einmal kräftig schütteln – und fertig ist die Tinte.

Gemälde: Mehrere adelige Hofdamen auf einer Kutsche

Hofdamen bedienten sich der "Damentinte"

(Erstveröffentlichung 2002. Letzte Aktualisierung 13.03.2015)

Quelle: WDR

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