Geschichte der Kreuzfahrt

Schifffahrt

Geschichte der Kreuzfahrt

Der Weg ist das Ziel. Unter diesem Motto lässt sich bereits die Philosophie der Kreuzfahrt zusammenfassen. Es geht um das Erlebnis Schiff, darum, den Wind und die Wellen zu spüren, an Bord jede Annehmlichkeit zu genießen und dennoch die entlegensten Ziele des Erdballs zu erreichen. Getrieben von Reiselust und Fernweh bestiegen die ersten Kreuzfahrer vor über einhundert Jahren das Deck eines Luxusliners.

Per Schiff über den Atlantik

Vorläufer der Kreuzfahrt war die Passagier-Dampfschifffahrt über den Atlantik. Bereits 1840 hatte sich der erste Ozeanriese zur Fahrt von Europa nach Nordamerika aufgemacht. Die Schiffe waren auf dieser Route ein wichtiges Verkehrsmittel für Auswanderer, die ihre alte Heimat verließen, um in Amerika ihr Glück zu suchen.

Postkarte der Hamburg-Amerika-Linie

Noch dauert die Überfahrt 110 Tage

Für sie war das Reisen alles andere als ein Vergnügen. In der fünften Klasse, tief im Inneren des Schiffsbauchs, den die Emigranten nur selten verließen, verharrten bis zu 15 Menschen in getrennten Frauen- und Männerkabinen. In langen Schlangen an Deck, bei Wind und Wetter, mussten sie für ihr Essen anstehen.

Wichtigster Kostenfaktor für die Reedereien war die Zeit, die die Dampfschiffe für eine Atlantiküberquerung benötigten. Deshalb konkurrierten die Schiffe um die schnellste Überfahrt, die mit dem Blauen Band gekürt wurde. Mitte des 20. Jahrhunderts tauchte ein Konkurrent für die Linienschifffahrt am Himmel auf, der die Ära der Schiffspassagen beendete: das Passagierflugzeug. Auf den Fahrten über den Atlantik blieben immer mehr Schiffskabinen leer. Besonders in den Wintermonaten war das Geschäft nicht mehr lukrativ. Die Reedereien griffen deshalb auf ein Konzept zurück, das bereits einige Jahrzehnte zuvor Erfolg gehabt hatte.

Ballin und die Anfänge der Kreuzfahrt

Historisches Foto von Albert Ballin

Albert Ballin

Ende des 19. Jahrhunderts war der tüchtige Geschäftsmann Albert Ballin Direktor der "Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Actien-Gesellschaft", kurz Hapag. Die Reederei musste jedes Jahr starke finanzielle Einbußen verkraften, da in den Wintermonaten Fahrten über den Atlantik so gefährlich und ungemütlich waren, dass zu wenig Tickets verkauft wurden. Statt die Schiffe in der kalten Jahreszeit ungenutzt im Hafen liegen zu lassen, kam Ballin 1891 die Idee, im großen Stil Vergnügungsreisen anzubieten.

Das erste Schiff, das Albert Ballin für eine Kreuzfahrt charterte, war die "Auguste Victoria", die Hamburg in Richtung Orient verließ. An Bord waren 241 Passagiere, die für zwei Monate aus reinem Vergnügen und Selbstzweck eine luxuriöse Seefahrt unternahmen. Da die Reise ein voller Erfolg war, richtete man sich von nun an auf eine größere Zahl von Luxusreisenden der ersten Klasse ein und baute immer größere und schnellere Schiffe wie das erste offizielle Kreuzfahrtschiff "Prinzessin Victoria Luise", das 1901 mit dem Ziel Karibik in See stach.

Luxus an Bord

Die ersten Kreuzfahrten blieben elitären und vermögenden Kreisen vorbehalten. Man schwelgte in Luxus: Die Damen und Herren von Welt schlürften Austern und Champagner, verdrückten große Mengen Kaviar und flanierten an Deck sowie in den nobel ausgestatteten Salons. Es gab den obligatorischen Fünf-Uhr-Tee und feierlich zelebrierte Galaabende. Eine feste Kleiderordnung und das mehrmals tägliche Umziehen waren Programm und Ritual.

Paare tanzen im Ballsaal eines Kreuzfahrtschiffes in den 20er Jahren

Abendliches Tanzvergnügen

Sogar ein Kleider-Knigge etablierte sich: Dauerte eine Fahrt fünf Tage, so kleideten sich die Herren immer dunkler. Zuerst trug der Mann von Welt einen hellgrauen Anzug, dann einen grauen, dunkelgrauen - bis er schließlich in Schwarz erschien - ein Zeichen dafür, dass man traurig war, weil die Reise zu Ende ging.

In den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts änderte sich die Einstellung der Reedereien zu ihrem Publikum grundlegend. Immer mehr Kreuzfahrtschiffe brauchten Kundschaft. So wurden die Fahrten auch für den Mittelstand bezahlbar, die Schiffe wurden größer. Hinzu kamen Themen- und Eventkreuzfahrten.

Die meisten Reedereien konzipieren bis heute ihre Schiffe wie kleine Städte, bieten neben Unterkunft und Verpflegung diverse Möglichkeiten der Zerstreuung wie Casinos, Pools, Friseure und Discos. Fahrten, die sich weiter an den ursprünglichen Kreuzfahrt-Konzepten mit Galas und Kleiderordnung orientieren, heißen heute "klassische Kreuzfahrt".

Im Dienste des Staates

Ein Plakat für Kreuzfahrt- und Eisenbahnreisen der KdF

Die Reise als Propagandamittel

Doch Kreuzfahrten waren nicht immer bloße Vergnügungsfahrten. Zur Zeit der Nationalsozialisten wurden sie für staatliche Zwecke missbraucht. Eine Kreuzfahrt, unerreichbarer Traum der Arbeiterklasse während der Weimarer Republik, konnte im Nazi-Regime die Belohnung für engagierte Arbeit sein. Nachdem die Gewerkschaften zerschlagen und in der Deutschen Arbeitsfront (DAF) zusammengefasst worden waren, nutzte das Regime Reisen für die Arbeiterbevölkerung als Propaganda.

Zwischen den Jahren 1934 und 1939 standen zwölf Schiffe im Dienst der Gemeinschaft "Kraft durch Freude" (KdF), die Reiseabteilung der DAF. Die Schiffe kreuzten bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs über die Meere und steuerten viele Häfen an, kurz vor Kriegsausbruch allerdings fast nur noch die von faschistischen Regimen. Tatsächlich kamen aber die wenigsten Arbeiter in den Genuss dieser Kreuzfahrten, und bis auf zwei Vorzeigeschiffe war die Flotte auch alles andere als komfortabel.

Kreuzfahrt in den Westen

Auch die DDR nutzte Kreuzfahrten als Belohnung. Die Reiseziele waren grundsätzlich nur Länder, deren politische Ausrichtung als unbedenklich galt. So kreuzten die Schiffe vor allem in der Ostsee oder fuhren nach Kuba. Dennoch waren die Crews und Reisenden unter ständiger Beobachtung der Staatssicherheit. Eine Kreuzfahrt bekam zwar meist nur, wer von seinem Betrieb vorgeschlagen wurde.

Schwarzweißfoto: Die MS Völkerfreundschaft vor Anker

DDR-Vorzeigeschiff: die MS Völkerfreundschaft

Dementsprechend waren die Passagiere meist verdiente Bürger, die sich durch besondere Landestreue hervorgetan hatten. Doch Kreuzfahrten wurden auch genutzt, um in den Westen zu flüchten, wie bei den Landgängen in Helsinki, bei denen über die Jahre mehr als 200 Leute nicht mehr zurückkehrten. Finanziell waren die Kreuzfahrten für die DDR eher ein Desaster. Viele Reisende mussten dazuzahlen, bisweilen wurden die Kreuzfahrtschiffe sogar an westliche Reiseveranstalter vermietet.

Die Kehrseite der Medaille

Die heutige Kreuzfahrt als Tourismusmagnet hat auch Schattenseiten. Kreuzfahrtschiffe tanken und verbrennen Tonnen von Bunker- oder Schweröl, einer besonders schweren, dreckigen Ölvariante, die einen hohen CO2-, Stickstoff- und Schwefel-Ausstoß bedingt. Besonders in Häfen ist die Luftverschmutzung enorm, weil sich das Schiff dort nicht bewegt. In Bürogebäuden im Hamburger Hafen dürfen deshalb heute beispielsweise zur Wasserseite keine Belüftungsanlagen mehr installiert werden.

Weil die Emissionen stark krebserregend und umweltschädlich sind, wird versucht, die Umweltverschmutzung durch die Luxusliner zu verringern. So wird beispielsweise durch die Zertifizierungsgesellschaft "Bureau Veritas" seit 2010 der "Six Golden Pearls"-Award verliehen.

Dieser testet in einem freiwilligen Verfahren verschiedene ISO-Standards, unter anderem zum Umweltschutz. In die gleiche Richtung zielt auch die Zertifizierung durch den "Cleanship 2 AWT"-Award, der vor allem die Belastung von Luft und Wasser testet und besonders saubere Schiffe honoriert.

Autor/in: Sabine Kaufmann, Laura Niebling

Stand: 12.12.2011, 12:00

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