Die Russische Atom-U-Boot-Flotte

Der russische U-Boot-Hafen von Widjajewo nahe Murmansk

U-Boote

Die Russische Atom-U-Boot-Flotte

Atom-U-Boote stellen in der technischen Entwicklung im Gegensatz zu konventionellen U-Booten eine Klasse für sich dar. Im Kalten Krieg waren sie der Stolz der russischen Marine. Einst besaß die russische Marine 250 Atom-U-Boote. Die Atom-U-Boote der russischen Typhoon-Klasse sind mit ihren 171,5 Metern Länge, 12,2 Metern Höhe und 22,8 Metern Breite wahre Riesen der Ozeane. Auf dem größten U-Boot der Welt ist für 150 Seeleute Platz.

Selbstversorgung durch Atomenergie

Atom-U-Boote haben keinerlei Versorgungsprobleme, da die gesamte benötigte Energie durch Atomreaktoren an Bord erzeugt wird. Das ermöglicht sogar den Betrieb von Pumpen für den Fall, dass Wasser ins Boot eindringt. Wochenlang können Atom-U-Boote im getauchten Zustand operieren, ohne in Kontakt mit der Außenluft zu kommen.

Während des Kalten Kriegs hatten Atom-U-Boote ein hohes Abschreckungspotenzial. Ausgerüstet mit bis zu 20 Langstreckenraketen stellt ein Atom-U-Boot, das vor der Küste eines Landes in Position geht, eine große Bedrohung dar.

Untergang der Kursk

Doch auch die modernste Technik schützt nicht vor Tragödien unter Wasser. Einer der größten U-Boot-Unfälle war der Untergang der Kursk. Das russische Atom-U-Boot sank im August 2000 mit 118 Mann Besatzung an Bord. Über eine Woche verfolgte die Welt die chaotischen Rettungsarbeiten und die Versuche der russischen Marine, die Katastrophe zu verharmlosen.

Ein deutscher Geologe in Norwegen hatte schon früh erkannt, dass sich in der Barentssee ein Unglück ereignet hatte. Doch die Rettungsarbeiten kamen zu spät, den Seeleuten konnte nicht mehr geholfen werden. Heute geht man davon aus, dass durch die Fehlzündung von Torpedos an Bord die Bugkammern der Kursk zerstört wurden.

Russische Atom-U-Boote - eine tickende Zeitbombe

Die alten russischen Atom-U-Boote sind in erster Linie eine Gefahr für die Umwelt und die Menschen, die in der Nähe der Atom-U-Boot-Friedhöfe leben. Im Hafen von Murmansk und anderen Buchten des Nordmeeres dümpeln die abgewrackten Atom-U-Boote vor sich hin.

U-Boote der sowjetischen Marine verrotten im Hafen von Tallin

Atom-U-Boote der sowjetischen Marine verrotten im Hafen von Tallin

Die U-Boote müssen ständig mit Luft vollgepumpt werden, damit sie nicht sinken. Denn sonst würden die Reaktoren mit Wasser in Kontakt kommen und noch schneller verrosten. Die Folge wäre, dass Radioaktivität austritt und das Wasser und die gesamte Umwelt verseucht. Die Situation ist dramatisch, da die russischen U-Boote bis zu siebzehn Jahre auf ihre Verschrottung warten.

Der russischen Regierung fehlen das Geld und das technische Wissen für eine fachgerechte Entsorgung, die mit der eines normalen Atomkraftwerkes vergleichbar ist. Die abgewrackten Atom-U-Boote sind eine tickende Zeitbombe. Radioaktive Unfälle sind nicht auszuschließen.

2003 schlossen Deutschland und Russland ein Abkommen über Hilfeleistungen bei der Entsorgung russischer Atom-U-Boote. Dazu sollen die Infrastruktur für die ordnungsgemäße Zerlegung verbessert werden sowie ein Zwischenlager und ein Entsorgungszentrum gebaut werden.

Autor/in: Sabine Kaufmann

Stand: 31.10.2014, 12:00