Leuchttürme

Historisches Gemälde des Leuchturms von Pharos: Ein riesiger Leuchtturm steht auf einer vorgelagerten Halbinsel vor der Kulisse einer Stadt

Schifffahrt

Leuchttürme

Leuchttürme sind die Wahrzeichen der Seefahrt. Nachts senden sie geheimnisvolle Lichtzeichen über das Meer, tagsüber stehen sie als majestätische Wachposten an der Küste. Ihnen verdanken Tausende von Seeleuten ihr Leben: Die blinkenden Lichter warnen vor gefährlichen Untiefen, Sandbänken und Riffen, sie helfen bei der Standortbestimmung und lotsen Schiffe sicher in den Hafen.

Die ersten Leuchttürme

Es ist anzunehmen, dass bereits die ersten Seefahrer natürliche Landmarken wie Gebäude und Bäume oder sogar Fackeln nutzten, um ihren Weg in den heimatlichen Hafen zu finden. Der erste Leuchtturm der Welt soll der um 280 vor Christus erbaute Turm auf Pharos, einer Insel vor dem ägyptischen Alexandria, gewesen sein. Er zählte zu den sieben Weltwundern der Antike und wurde um 766 nach Christus durch ein Erdbeben stark beschädigt. Endgültig zerstört wurde er erst im 14. Jahrhundert.

Die Römer errichteten ein dichtes Netzwerk von Leuchttürmen an den Küsten rund um das Mittelmeer bis Nordfrankreich und Großbritannien. Sie bauten Türme aus Stein, auf deren Spitze sich Feuerkörbe befanden. Der älteste noch heute in Betrieb befindliche Leuchtturm ist der im 1. Jahrhundert nach Christus errichtete römische "Torre de Hércules".

Er steht in der Nähe der heutigen Stadt La Coruña an der spanischen Nordwestküste. Nach dem Untergang des Römischen Reiches war es an Europas Küsten recht duster: Nur wenige Leuchtfeuer wurden errichtet. Erst mit dem Aufschwung des Seehandels ab dem 12. Jahrhundert florierte der Bau der Seezeichen wieder.

Technische Neuerungen

Rot-gelb gestreifter, kleiner Leuchtturm.

Orientierungspunkt und Hingucker

Bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts hinein waren in Deutschland anfangs noch Kerzenlaternen, später sogenannte Feuerblüsen in Betrieb: Auf einem Holzgerüst oder einem steinernen Turm wurde unter freiem Himmel auf einem Gitterrost oder in einem Eisenkorb Holz oder Kohle verbrannt. Erst die Einführung der Argand-Lampe - eine Art Petroleumlampe - und der Parabolspiegel löste die historischen Anlagen ab.

Eine weitere technische Revolution gelang mit der Fresnel-Linse: Der französische Physiker Augustin Jean Fresnel entwickelte um 1820 eine Linse mit Prismen, die die Lichtstrahlen bündeln und in eine bestimmte Richtung lenken konnte. Das Prinzip dieser riesigen faszinierenden Glaskörper, das noch heute - wenn auch in verbesserter Form - angewendet wird, erhöhte die Reichweite des Leuchtfeuers beträchtlich. Seit den 20er Jahren setzte die Elektrifizierung der Leuchttürme ein, als Lichtquelle wurden Glühbirnen benutzt.

Mit dem Fortschritt der Technologie wurde es möglich, das Licht zu steuern und Signale zu senden. Die charakteristische Abfolge, in der das Licht blinkt, nennt man Kennung. Um die Leuchtfeuer gut voneinander unterscheiden zu können, bedient man sich verschiedener Kennungen wie etwa Variationen in Farbe oder Lichtdauer.

Wächter des Lichts

Nicht für jeden ist es ein Traumberuf: Einsam in einem Turm, womöglich weit abgelegen von der nächsten Ortschaft, dabei Stürmen, Feuer und anderen Gefahren ausgesetzt, kam der Leuchtturmwärter seinen Aufgaben nach.

Nicht zu vergessen ist die große Verantwortung gegenüber den Seefahrern, deren Überleben von der Arbeit des Wachpostens, nämlich dem Instandhalten des blinkenden Nachtlichts abhängig war. Trotzdem: Den Begriff Leuchtturmwärter umweht immer auch eine Brise Romantik, vielleicht gerade deshalb, weil es diesen traditionellen Beruf heute nicht mehr gibt. Als in Deutschland im Jahr 1986 der letzte Leuchtturm automatisiert wurde, ging auch der letzte Wärter.

Spitze eines Leuchtturms

Es gibt keine Leuchtturmwärter mehr

Zu den Aufgaben der Leuchtturmwärter zählte anfangs die Beschaffung von Brennmaterial wie Holz, Torf oder Kohle und das Beseitigen von Asche sowie das rechtzeitige Anzünden und Überwachen des Feuers. Im 19. Jahrhundert wurde der Beruf immer komplizierter: Die Wächter mussten Petroleum aus den feuersicheren Lagern zur Laterne transportieren, Linsen reinigen und die Mechanik warten.

Es gab auch Leuchtturmwärterinnen, meistens jedoch handelte es sich dabei um die Ehefrauen der Wärter, die als Hilfsleuchtfeuerwärter fungierten. Den Männern und ihren Familien stand eine Wohnung im Leuchtturmhaus zu, auf dem Gelände gab es häufig auch einen Garten und Stallungen. Nicht selten wurde zudem ein Acker bewirtschaftet, weil das Gehalt nicht gerade üppig war.

Seit der Automatisierung ist die Arbeit des Leuchtturmwärters fast überflüssig geworden. Auch sein Arbeitsplatz, der Leuchtturm, verliert zunehmend an Bedeutung: Radar, sonar- und satellitengestützte Navigationshilfen machen den Lichtzeichen Konkurrenz. Viele Türme dienen heute nur noch als Museum, Touristenattraktion oder extravagantes Wohnhaus; einige stellte man unter Denkmalschutz.

Autor/in: Susanne Wagner

Stand: 14.08.2014, 13:00

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