Berühmte Wracks

Bild nach einer zeitgenössischen Zeichnung von Willy Stüwer: Dargestellt ist die sinkende Titanic - im Vordergrund versuchen Menschen in Rettungsbooten sich vom Schiff zu entfernen

Schiffswracks

Berühmte Wracks

Im Laufe der Jahrhunderte sind Millionen von Schiffen gesunken. Doch nur einige von ihnen erlangten Berühmtheit – sei es durch ihre Größe, ihre sagenumwobene Ladung oder die Umstände des Unglücks.

Darum geht's:

  • Die Titanic ist eins der berühmtesten Schiffswracks.
  • Viele vermuten im Wrack der Cimbria einen großen Schatz.
  • Totenruhe: Zwei Flüchtlingsschiffe liegen unberührt am Grund der Ostsee.
  • Seeräuber Sir Henry Morgan versank sein Schiff vor der Küste Haitis.

Titanic

Die wohl bekannteste Schiffskatastrophe der Geschichte ist der Untergang der Titanic am 14. April 1912. Das Passagierschiff war damals das größte seiner Art und galt als unsinkbar. Die Titanic befand sich auf ihrer Jungfernfahrt vom britischen Southampton in Richtung New York.

Obwohl Kapitän Edward J. Smith über Funk mehrere Eisbergwarnungen erhalten hatte, fuhr das Schiff mit voller Kraft auf der ruhigen See. Um 23.40 Uhr sah der im Ausguck sitzende Matrose Frederick Fleet etwas im Wasser schwimmen.

Die Titanic war nur noch wenige hundert Meter von der Katastrophe entfernt. Matrose Fleet läutete die Signalglocke und griff zum Telefon: "Eisberg steuerbord voraus". Aber die Kollision ließ sich nicht mehr verhindern.

Ein Aufprall erschütterte das Luxusschiff. In den Rumpf drang Wasser ein und stieg schnell höher. Die Passagiere flüchteten auf das Schiffsdeck, doch in den wenigen Rettungsbooten war kaum Platz.

Von den mehr als 2200 Menschen an Bord konnten nur 711 gerettet werden – alle anderen starben in den eisigen Fluten. Die Titanic liegt in etwa 3800 Metern Tiefe auf dem Meeresgrund, etwa 300 Seemeilen südöstlich von Neufundland.

Cimbria

Am 19. Januar 1883 stach der von Kapitän Hansen geführte Hapag-Transatlantik-Liner Cimbria von Hamburg aus in See. An Bord des Dampfschiffes waren überwiegend deutsche Auswanderer, die in der Neuen Welt ihr Glück versuchen wollten. Doch schon in der Nähe der Nordseeinsel Borkum kollidierte das Schiff mit dem englischen Kohledampfer Sultan im dichten Nebel.

Auf der Cimbria hatte man zwar das Nebelhorn eines anderen Schiffes gehört, konnte es aber nicht lokalisieren. Als das entgegenkommende Schiff dann erkannt wurde, war es für ein Ausweichmanöver bereits zu spät. Der Dampfer Sultan rammte die Cimbria an deren Backbordseite. Die Cimbria begann unmittelbar danach zu sinken, da die Bordwand unter der Wasserlinie aufgerissen worden war.

Die Sultan hatte durch den Aufprall der beiden Schiffe selbst große Probleme, sodass deren Besatzung den Menschen auf der Cimbria nicht helfen konnte. 401 Passagiere und 35 Besatzungsmitglieder der Cimbria verloren im eiskalten Wasser ihr Leben. 56 Menschen wurden in ihren Rettungsbooten von anderen Schiffen aufgegriffen. Weitere neun Überlebende erreichten mit ihrem Boot die Insel Borkum.

Da das Wrack der Cimbria in nur 30 Metern Tiefe liegt, werden seit 2001 immer wieder Tauchgänge zur Bergung verschiedener Artefakte durchgeführt, darunter auch viele Gegenstände aus Meißner Porzellan. In diversen Ausstellungen, zum Beispiel auf der Insel Borkum, sind die bereits gehobenen Funde zu besichtigen. Den vermeintlich größten Schatz, einen prall gefüllten Safe des Industriellen Moritz Strauss, hat man hingegen noch nicht gefunden.

Goya

Der Untergang des Frachters Goya zählt zu den schlimmsten Schiffskatastrophen der Neuzeit. Am 16. April 1945 begann die Goya ihre Fahrt von der Halbinsel Hela in der Danziger Bucht in Richtung Swinemünde auf der Insel Usedom. Das überfüllte Kriegsflüchtlingsschiff konnte erst um 19 Uhr in See stechen, weil es während der Einschiffung immer wieder beschossen worden war.

An Bord befanden sich deutsche Flüchtlinge aus Ostpreußen und verwundete Soldaten der Wehrmacht. Von Anfang an war klar, dass die Überfahrt sehr riskant sein würde, da in der Danziger Bucht zahlreiche sowjetische U-Boote patrouillierten.

Kurz vor Mitternacht wurde die Goya tatsächlich von einem der U-Boote aufgespürt und von zwei Torpedos getroffen. Sie zerfetzten die Seitenwand, der Frachter sank in nur wenigen Minuten. Schätzungsweise 7000 Menschen ertranken, nur 176 konnten gerettet werden.

Das Wrack der Goya fand der Taucher und Bodendenkmalschützer Ulrich Restemeyer mit seinem Expeditionsteam im Jahr 2003. Das deutsche Kriegsflüchtlingsschiff wurde aber aus Respekt vor den Toten nicht gehoben.

Auch die Taucher begaben sich nicht in das Wrack hinein, um die Totenruhe der vielen verunglückten Mensche nicht zu stören. Inzwischen wurde die Goya zum Seekriegsgrab erklärt. Tauchgänge werden nur durchgeführt, um den Zustand des Wracks zu kontrollieren und das Innere vor Plündereien zu schützen.

Wilhelm Gustloff

Der Passagierdampfer Wilhelm Gustloff gehörte zur Flotte der nationalsozialistischen Freizeitorganisation "Kraft durch Freude" (KdF) und galt als das Traumschiff Nazi-Deutschlands. Die Gustloff unternahm nach ihrem Stapellauf im Jahr 1937 Kreuzfahrten in der Nordsee, im Mittelmeer und im Atlantischen Ozean.

Sie verfügte ausschließlich über Außenkabinen und war mit einem Schwimmbad, sieben Bars, Tanzsälen, einem Bordkino sowie einem Musiksaal ausgestattet. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Gustloff zunächst zum Lazarettschiff umfunktioniert, bevor sie ab 1940 für vier Jahre vor den Toren Danzigs in Gotenhafen als schwimmende Kaserne benutzt wurde.

Gegen Ende des Krieges fungierte sie als Flüchtlingsschiff und nahm an der größten Seerettungs-Aktion der Geschichte teil: der Evakuierung deutscher Flüchtlinge über die Ostsee in den Westen Deutschlands.

Am 30. Januar 1945 verließ das ehemalige Kreuzfahrtschiff das ostdeutsche Gotenhafen mit Kurs Kiel. Schätzungsweise 8000 Menschen drängten sich auf engstem Raum zusammen, viele waren im trockengelegten Schwimmbad untergebracht: Offiziere und Soldaten der Kriegsmarine, Besatzungsmitglieder, Marinehelferinnen, Verwundete und mehrere tausend Flüchtlinge, von denen über die Hälfte noch Kinder waren.

Der militärische Kommandant Wilhelm Zahn schlug vor, sich wegen der Gefahr durch russische U-Boote an der Küste entlangzuschleichen. In flachen Küstengewässern können U-Boote nicht operieren. Aber Kapitän Petersen wählte den Weg durch tiefes Wasser, da er das Schiff für hoffnungslos überladen befand. Um 21.15 Uhr geschah die Katastrophe:

Aus nur 700 Metern Entfernung feuerte das russische U-Boot S13 vier Torpedos ab, drei davon trafen die Wilhelm Gustloff. Der erste Torpedo schlug am Bug ein, Nummer zwei zerstörte den Bereich des Schwimmbads und der Dritte traf den Maschinenraum. Das Schiff sank nur eine Stunde später zwölf Seemeilen vor Stolpmünde. Nur 1252 Menschen konnten durch herbeieilende Schiffe gerettet werden.

Auch dieses Wrack entdeckte Denkmalschützer Ulrich Restemeyer, diesmal im Jahr 1991. Noch heute liegt das Wrack, als Seekriegsgrab vor Bergungen geschützt, an der Unglücksstelle in 42 Metern Tiefe.

Schwarzweiß-Aufnahme von der Probefahrt der Wilhelm Gustloff am 15. März 1938

Das KdF-Traumschiff Wilhelm Gustloff

Jamaica Merchant

Hinter dem britischen Segelschiff Jamaica Merchant verbirgt sich eine mehr als 300 Jahre alte Seeräubergeschichte. Der Kapitän des Piratenschiffs war der berühmte Freibeuter Sir Henry Morgan. Morgan wurde um 1635 in Wales geboren und starb am 25. August 1688 an den Folgen starker Trunksucht auf Jamaika.

Er zählte zu den bekanntesten Piraten und plünderte lange Zeit die spanischen Kolonien in der Karibik. Mit seiner Mannschaft erbeutete er die Ladungen zahlreicher Schiffe und schaffte sie ins britische Port Royal auf Jamaika.

Sein größter Coup gegen den Erzfeind Spanien gelang ihm im Jahr 1671 mit der Eroberung Panamas, das zu dieser Zeit die größte und reichste Niederlassung Spanisch-Amerikas war. Er plünderte die Stadt und brannte sie bis auf die Grundmauern nieder.

Auf dem Höhepunkt seiner Karriere wurde der einfache Mann aus Wales im Jahr 1674 von König Charles II. in London zum Vizegouverneur der Insel Jamaika ernannt und in den Adelsstand erhoben.

Im Jahr 1676 verließ Sir Henry Morgan London und kehrte mit seinem neuen Flaggschiff Jamaica Merchant in die Karibik zurück. Das Segelschiff war ein hochwandiger Dreimaster aus edlem Holz, ausgestattet mit 20 bis 25 Geschützen unterschiedlichen Kalibers. Morgan fuhr an den Riffs der alten Schatzinsel L'Ile à Vache entlang.

Doch ihm unterlief ein gravierender Navigationsfehler. Das Schiff zerschellte an den Riffs und sank kurz vor der Küste Haitis. In einem zeitgenössischen Bericht ist der Untergang auf den 25. Februar 1676 terminiert. Henry Morgan und seine Besatzung wurden von einem vorbeifahrenden Schiff aufgelesen und nach Port Royal gebracht.

Der Schatzsucher Klaus Keppler fand die Spur des Piratenschiffs Jamaica Merchant in alten Urkunden. Im Jahr 2001 konnte er ein mehr als 300 Jahre altes Wrack in den Gewässern vor Haitis Küste orten. Anhand der gefundenen Artefakte liegt es nahe, dass es die Überreste der Jamaica Merchant sind.

Historische Zeichnung von Sir Henry Morgan

Henry Morgan trieb in der Karibik sein Unwesen

Autoren: Franziska Coesfeld/Tobias Aufmkolk

Stand: 26.06.2017, 10:33

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