Galileo Galilei

Galileo Galilei erklärt seine astronomischen Theorien.

Astronomie

Galileo Galilei

Viele Gelehrte beschäftigten sich im 16. und 17. Jahrhundert mit der Astronomie. Doch kaum ein Name ist so eng mit den Zweifeln der Wissenschaft gegenüber dem propagierten Weltbild der katholischen Kirche verbunden, wie der des italienischen Mathematikers, Physikers und Astronomen Galileo Galilei. Neben seinen herausragenden Forschungsergebnissen liegt dies vor allem an den Legenden, die um seine Person im Laufe der Jahrhunderte gesponnen wurden.

Darum geht's:

  • Auf dem Turm von Pisa führte Galileo physikalische Experimente durch.
  • In Venedig stellte er sein von ihm verbessertes Fernrohr vor.
  • Damit führt er Himmelbeobachtungen durch – und sieht das kopernikanische Weltbild bestätigt.
  • 1633 zwingt ihn die Inquisition, seine Lehre zu widerrufen.
  • Erst 1992 erkennt der Vatikan, dass Galileo zu Unrecht verurteilt wurde.

Der Weg zur Wissenschaft

Galileo Galilei wird am 15. Februar 1564 in Pisa geboren. Sein Vater, Vincenzio Galilei (1520-1591), ist Florentiner und gehört zu den Patriziern der Stadt. 1575 siedelt die Familie Galilei nach Florenz über. Galileo Galilei studiert nach seiner Schulbildung in einem Kloster vier Jahre lang Medizin in Pisa. Der Überlieferung nach führt er später am Schiefen Turm Experimente zu den Fallgesetzen durch.

Die Bewegungsgesetze der Physik beschäftigen ihn sein Leben lang. So entdeckt er beispielsweise, dass alle Körper - egal aus welchem Material – gleich schnell zu Boden fallen, falls sie nicht wegen unterschiedlicher Oberflächen einen unterschiedlichen Luftwiderstand haben. 1589 nimmt Galilei in Pisa eine Stelle als Lektor für Mathematik an. 1592 erlangt er die Professur für Mathematik an der Universität in Padua.

Das Teleskop

Campanile von San Marco in Venedig.

Auf dem Kirchturm von San Marco stellt Galielei sein Fernrohr vor

Am 21. August 1609 führt Galilei sieben venezianischen Patriziern unter Vorsitz des Prokurators Antonio Priuli auf dem Campanile von San Marco ein von ihm verbessertes Fernrohr vor. Die Erfindung stammt eigentlich aus Holland - doch das verschweigt Galilei.

Das Fernrohr war zeitgenössischen Beschreibungen zufolge ein 60 Zentimeter langes Rohr aus Weißblech, außen mit karmesinrotem Stoff bezogen. Es hatte eine Konvex- und eine Konkavlinse, so dass die Patrizier weit entfernte Gegenstände so deutlich wie sonst nur aus der Nähe wahrnehmen konnten: Eine Neuerung, die Staunen hervorruft.

Galilei schenkt drei Tage nach der Vorführung auf dem Glockenturm in San Marco sein Fernrohr der Signoria, der Ratsversammlung von Venedig. Zur Belohnung ernennt ihn die Obrigkeit des Stadtstaates zum ordentlichen Professor für Mathematik auf Lebenszeit und verdoppelt gleichzeitig sein Jahresgehalt.

Prozess gegen Galilei

1609 ist auch das Jahr, in dem der deutsche Astronom Johannes Kepler seine Theorien über die Bewegung der Planeten um die Sonne veröffentlicht. Galilei übernimmt dieses Modell. Die Konstruktion seines Fernrohrs ermöglicht ihm Himmelsbeobachtungen, in deren Folge er die Gebirge der Mondoberfläche beschreibt, Sonnenflecken, Saturnringe und vier Jupitermonde entdeckt.

Gemälde: Galilei während seines Prozesses vor der Inquisition.

In einem Prozess muss Galilei seine Thesen widerrufen

All das bestätigt das Kopernikanische Modell, das sich die Erde um die Sonne dreht und nicht umgekehrt, wie die katholische Kirche nach wie vor behauptet. Galilei gerät ins Visier der Inquisition.

1611 entschließt er sich zu einer Reise nach Rom, um die kirchliche Oberbehörde von der Richtigkeit des heliozentrischen Weltbildes zu überzeugen. Der Versuch misslingt. 1613 schreibt Galilei dem Benediktiner Castelli einen Brief und schildert, wie er sich das Verhältnis der Bibel zum heliozentrischen System vorstellt – eine Aufforderung, die Heilige Schrift neu zu interpretieren. Nach heftigen Auseinandersetzungen verbietet die Kirche 1616 die gesamte Lehre. Galilei hält sich formal an das Verbot.

Vorsichtige Versuche, mit der Schrift "Il Saggiatore" ("Prüfer mit der Goldwaage") den neuen Papst Urban VIII. zum Dialog zu bewegen, führen zu nichts. Als Galilei 1632 den "Dialogo sopra i due massimi sistemi" veröffentlicht, in dem Vertreter beider Weltbilder miteinander diskutieren, wobei für das kopernikanische Weltbild die besseren Argumente sprechen, schlagen die Kardinäle zurück. Alle Schriften des Galilei werden verboten, in einem Prozess zwingt ihn die Inquisition 1633 in Rom zum Widerruf.

"Eppur si muove"

Dass Galilei am Ende seines Prozesses mit zusammengebissenen Zähnen gemurmelt haben soll "Und sie [die Erde] bewegt sich doch", ist eine Legende. Jedenfalls bewegt die neue Lehre die wissenschaftliche Welt – selbst unter Klerikern wird zumindest die Leistung Galileis geachtet. Aber erst 1992 erkennt der Vatikan an, dass der Prozess gegen Galilei Unrecht war.

Schwarzweiß-Stich von Galielo Galilei.

Galileo Galilei ist einer der ersten modernen Astronomen

Galileis wissenschaftlicher Beitrag liegt nicht nur in dem, was er entdeckt, sondern auch in seinem experimentellen Vorgehen. Unter Hausarrest in seinem Landhaus in Arcetri bei Florenz schreibt er in seinen letzten Lebensjahren die experimentell gewonnenen Erkenntnisse in den "Discorsi e dimonstrationi matematiche" nieder und lässt das Buch aus dem Land schmuggeln. Galilei stirbt fast erblindet am 8. Januar 1642 in Arcetri.

Autor: Immo Sennewald

Stand: 16.06.2017, 14:00

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