Interview mit dem Stein-Papier-Vertriebspartner Peter Schmitz

Kalksteinbrocken liegen auf Papierbögen

Papier

Interview mit dem Stein-Papier-Vertriebspartner Peter Schmitz

Peter Schmitz ist von der Idee überzeugt, dass Steinpapier herkömmliches Papier ersetzen kann und vertreibt deshalb dieses Produkt der weltweit einzigen Papier-aus-Stein-Fabrik. Im Interview mit Planet Wissen erklärt er, wie man Steinpapier herstellt und was es alles kann.

Planet Wissen (PW): Dass man aus Stein Papier herstellen kann, das kann man sich nicht wirklich vorstellen. Wie macht man Papier aus Stein?

Peter Schmitz (PS): Da gibt es das patentierte Verfahren, um aus der natürlichen Ressource Kalk-Stein, die auf der Erde reichlich vorhanden ist, ein papierähnliches Produkt herzustellen. Denn Kalkstein - und das wissen viele nicht - ist der am meisten verbreitete Rohstoff auf der Erde. Man nimmt dafür 80 Prozent Kalksteinmehl und 20 Prozent aus organischen Abfällen hergestelltes Bio- Polyethylen Es gibt grundsätzlich zwei Arten der Gewinnung von Ethylengas und der anschliessenden Herstellung des Kunststoffes Polyethylen. Zum einen auf der Basis Erdöl, dessen Ressourcen bekanntlich knapp sind und zum anderen aus Bio-Abfällen. Hier sei das Beispiel Zuckerrohrabfälle genannt, aus denen auf biologischem Wege Ethylengas gewonnen wird, der Ausgangsstoff für das PE. Allein in Brasilien werden auf diesem Wege jährlich über 200.000 to erzeugt. Aber auch aus anderen Naturprodukten wird Bio-PE produziert.

PW: Woher kommt der Kalkstein?

PS:Den Kalkstein nimmt man aus Steinbrüchen, das sind meist Abfälle aus der Bauindustrie, also Bruchmaterial und das wird gemischt mit dem Bio-PE. Daraus wird Granulat gewonnen und aus diesen Pellets wird dann Papier fabriziert in den geforderten Stärken und Breiten.

PW: Woher kommt die Idee?

PS: Da waren fünf Brüder, die für die Papierindustrie gearbeitet haben. Einer sagte, es müsste doch eine andere Möglichkeit geben ohne die Wälder abzuholzen. Er experimentierte acht Jahre. Heute gibt es Steinpapier bereits seit zehn Jahren mit hochwertigen Produkten und dahinter steckt ein hochwertige Technik und Maschinen.

PW: Könnte man theoretisch aus jedem Stein Papier herstellen?

PS:Das ist wirklich eine sehr theoretische Frage. Wahrscheinlich ja. Aber man hat sich für den Kalkstein entschieden, da er natürlich weiss ist und bei seiner Zermahlung einen geringen Energieaufwand unter den Steinsorten erfordert. Dazu ist er weit verbreitet und relativ leicht und kostet wenig. Im Gegensatz zu Granit oder Marmor.

PW: Ist das Stein-Papier anders als das Papier, das wir kennen? Wie "fühlt" es sich denn an?

PS: Wenn Sie Steinpapier und traditionelles Papier in gleichem Format, zum Beispiel A4 und gleicher Grammatur, Gewicht und Quadratmeterzahl nebeneinanderlegen, werden Sie auf den ersten Blick keinen Unterschied sehen. Wenn Sie dann aber Steinpapier mit einem Kugelschreiber beschriften, wird Ihr Schreiber jubeln, denn er schwebt wie auf Wolken. Wenn ein Malheur passiert wie Kaffee auf dem Papier, quillt herkömmliches Papier, die Schrift verwischt, wird unleserlich. Steinpapier halten Sie unter fließendes Wasser, der Kaffee wird abgespült, das Papier quillt nicht, Sie können es mit einem Handtuch oder Serviette abtrocknen, es sieht aus wie neu, die Schrift ist unverfälscht und Sie können es weiter beschriften. Steinpapier ist das ideale Papier für den Außeneinsatz, dort wo Wasser und Feuchtigkeit und Schmutz auf das Papier einwirken können.Schneiden lässt es sich außerdem wie Butter, also leichter als herkömmliches Papier. Dennoch ist es wesentlich belastbarer und reißfester als traditionelles Papier. Und es ist schwer entflammbar.Stein-Papier hat eine ganz feine Struktur, das fühlt sich an wie Samt, das ist sehr angenehm. Man spürt, dass da Steinmehl dahinter steckt.

PW: Was kann man aus Stein-Papier alles machen? Wo findet man Stein-Papier?

PS: Wenn man die besonderen Eigenschaften des Steinpapiers sieht, dann kommt es besonders zum Einsatz für wertiges Papier, also nicht billiges. Es ist sehr strapazierfähig und auch wasserfest. Da kann es zum Beispiel in den Innenstädten eingesetzt werden auf diesen Werbeplakaten, die vor Läden stehen. Sie müssen ja wasserfest sein. Oder auch für Pflanzenetiketten. Es hat allerdings eine thermische Grenze, bei circa 65 Grad Celsius verformt es sich. Dafür hält es problemlos bis -40 Grad Celsius und ist besonders geeignet zum Einsatz bei Tiefkühlkost und Etiketten.

PW: Kann man auf Steinpapier drucken?

PS: Weniger geeignet ist der Tintenstrahler. Da wirkt das Steinpapier wie ein Löschblatt. Eine Ausnahme sind Drucker mit Geltechnik. Sie macht eine Bedruckung über Tintenstrahler möglich. Beim Laserdrucker ist das Problem die Hitzeentwicklung. Bei manchen funktioniert es, bei anderen formt sich durch die Hitze das Papier zu einer Schale. Offset- Druck, Digital-Druck, UV-Druck funktionieren wunderbar. Hier zeigt sich, dass Steinpapier weniger Farbeinsatz verlangt als herkömmliches Papier.

PW: Wie weit ist Steinpapier bei uns verbreitet?

PS: In den USA und Asien ist das Steinpapier in vielen Bereichen seit circa 3-4 Jahren erfolgreich im Einsatz. Hier in Deutschland haben wir vor einem Jahr angefangen, das Produkt bekannt zu machen. Als ökologische Tragetasche ist es mittlerweile bei einigen Konzernen ein Begriff, da steht auf jeder Tasche, dass sie aus Steinpapier und ökologisch ist. Einige Kunden lassen wetterfeste Flyer und Poster drucken. Ebenso laufen Projekte bei Pflanzenzüchtern mit wetter- und wasserfesten Anhängern. Die Sensibilität für Steinpapier wächst, es ist aber noch reichlich an Marketingaktivitäten vonnöten, um den Begriff Papier aus Stein in die Köpfe der Konsumenten und der Entscheider zu bringen.

Autor/in: Almut Roehrl

Stand: 20.10.2011, 13:00

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