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Jüdischer Festkreis

Der jüdische Kalender, nach dem sich die Feste richten, ist ein Mondkalender. Immer wenn sich das erste bisschen Mondsichel am Nachthimmel zeigt, beginnt ein neuer Monat. Planet Wissen stellt einige der wichtigsten Feste vor.

Aufnahme des Vollmondes, auf der die Unebenheiten der Oberfläche zu erkennen sind. (Rechte: dpa)

Jüdischer Festkreis

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Rabbi bläst in ein Widderhorn. (Rechte: dpa)

Zu Neujahr wird das "Schofar" geblasen

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Rosch ha-Schana / Neujahrsfeier (1. Tischri)

Dieser frühbiblische, zweitägige Feiertag findet nach dem Gregorianischen Kalender im September oder Oktober statt. Im Festgottesdienst wird ein Widderhorn (Schofar) geblasen. Eindringliche Töne, die Gottes Gericht über die Taten des letzten Jahres ankündigen. Gleichzeitig ist Rosch ha-Schana der "Geburtstag der Welt", der Beginn der jüdischen Zeitrechnung. Am Neujahrstag werden Apfelstückchen in Honig getaucht, verbunden mit der Hoffnung auf ein gutes nächstes Jahr.

Jom Kippur / Versöhnungstag (10. Tischri)

Feierlichster und heiligster aller jüdischer Feiertage. In den zehn Tagen ab dem Neujahrsfest, nach einem Monat der Reue und der Buße, müssen gute Taten vollbracht werden und alle, die man verletzt hat, um Verzeihung gebeten werden. Ein ganztägiger Gottesdienst, strenges Fasten und wiederholte Sühnegebete sind bestimmend für dieses Fest. Der Gottesdienst beinhaltet ein gemeinsames Schuldbekenntnis und die Bitte um Verzeihung.

Mann betet mit zwei Kindern. (Rechte: dpa)

Gebete während Sukkot

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Sukkot / Laubhüttenfest (15. Tischri)

Zur Erinnerung an den 40 Jahre währenden Zug durch die Wüste sollen heutige Juden zumindest eine Woche in einer Laubhütte (Sukka) unter freien Himmel wohnen. Ob auf dem Balkon, im Vorgarten oder in der großen Gemeindesukka. Die meisten Juden schlafen heute nicht mehr in den Hütten, man trifft sich aber mindestens einmal dort - zum Essen und zum Feiern. Wichtig für die Sukkot-Tage ist ein symbolischer Feststrauß. Sukkot dauert acht Tage, der erste und achte Tag gelten als hohes Fest - Arbeiten ist verboten.

Simchat Thora / Thorafest (23. Tischri)

Die wöchentliche Thoralesung in den Synagogen kommt an diesem Tag mit der Lesung des 52. Abschnitts zum Ende und beginnt dann wieder vorne mit der Schöpfung: "Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde." Alle Thorarollen werden aus dem Thoraschrein geholt und verdienten Gemeindemitgliedern in die Arme gelegt, um ihre Wertschätzung augenfällig zu machen. Gemeinsam ziehen Jung und Alt ausgelassen singend und tanzend durch die Synagoge oder durch die Straßen.

Neunarmiger Kerzenleuchter. (Rechte: ddp)

Die Chanukkia wird entzündet

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Chanukka / Lichterfest (25. Kislew)

Der zweite Tempel Jerusalems war von den römischen Fremdherrschern entweiht, aber nicht zerstört worden. Die jüdischen Aufständischen unter Judas Makkabäus eroberten ihn zurück und weihten ihn erneut dem einzigen Gott. Der Legende nach reichte ein kleiner Krug geweihten Öls, um das Licht des siebenarmigen Leuchters ganze acht Tage brennen zu lassen. Im Gedenken an dieses Ereignis wurde ein achttägiges Freudenfest gefeiert. An einem speziellen neunarmigen Leuchter, der Chanukkia, wird jeden Tag ein Licht mehr angezündet als am Tag zuvor.

Tu be-Schwat / Neujahr der Bäume (15. Schwat)

Der Feiertag hat vor allem landwirtschaftliche Bedeutung. Da in Israel die ersten Bäume zum ersten Mal seit dem Winter blühen, fängt mit diesem Tag das Jahr der Bäume an. Religiös hat der Tag Bedeutung, weil die Berechnung der Ernte, die als Spende für die Armen vorgeschrieben ist (ein Zehntel) nun beginnt. Die Intensität der Feierlichkeiten, hat sich über die Zeit erheblich verändert. Es gab sogar im 18. Jahrhundert eine eigene "Seder-Feier" für diesen Tag, die das Essen von 30 verschiedenen Obstsorten vorsah.

Verkleidete junge Männer laufen grölend über eine Straße. (Rechte: dpa)

Zu Purim wird kräftig getrunken

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Purim (15. Adar)

Purim basiert auf der Geschichte des persischen Königs Ahasveros. Er verstößt seine Frau und macht die Jüdin Esther zur Königin. Ein Minister – Haman - soll die Vernichtung aller Juden planen. Das Los (Perisch "Pur") soll den Pogrom-Tag bestimmen. Esther stimmt den König um, stattdessen wird Haman hingerichtet. Zu Purim kommen viele verkleidet in die Synagoge. Das Buch Esther wird vorgelesen und jedes Mal, wenn der Name Haman fällt, wird geklopft und geschrien. Danach gibt es Umzüge, Tanz und Geschenke. Alkoholische Getränke sind Pflicht – bis man nicht mehr Gut von Böse unterscheiden kann.

Pessach / Passahfest (15. Nissan)

Pessach erinnert an die nächtliche Flucht Israels aus der Knechtschaft in Ägypten. Wie damals auf der Flucht gibt es eine Woche lang nur ungesäuertes Brot (Mazza). Am ersten Abend findet die familiäre Hauptfeier statt (Seder). Dann wird die Geschichte der Befreiung erzählt, der Wanderung durch die Wüste und der Wunder Gottes. Auf dem Tisch steht eine Salzschale - zur Erinnerung an die Tränen in Ägypten. Zum Sedermahl werden auch bittere Speisen zur Erinnerung an das Leben in der Sklaverei serviert, wie auch süße Speisen aus Trockenfrüchten und Honig.

Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. (Rechte: Imago)

Gedenken in Yad Vashem

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Jom haScho'a / Holocaust-Gedenktag (27. Nissan)

Am Tag des Beginns des Warschauer Ghetto-Aufstandes (19. April 1943) steht das ganze öffentliche Leben in Israel im Zeichen der Shoah. Sechs Fackeln für sechs Millionen im Holocaust ermordete Juden werden in der zentralen israelischen Gedenkstätte Yad Vashem entzündet. Zwei Gedenkminuten lang verharrt das ganze Land in Stille. Vom ehemaligen Konzentrationslager in Auschwitz bis nach Birkenau findet zur Erinnerung an die Todesmärsche der NS-Zeit der "Marsch der Lebenden" statt.

Jom haAtzma'ut / Unabhängigkeitstag (5. Ijar)

Einen Tag, nachdem der letzte britische Mandatsoldat das Land verlassen hatte, rief David Ben Gurion am 14. Mai 1948 (5. Ijar 5708) den Staat Israel aus. Der "Staat der Juden" soll ein "Staat für all seine Bürger" sein, wie es die Unabhängigkeitserklärung formuliert. Er soll sowohl ein Zufluchtsort für alle Juden sein, die hier automatisch Wohnrecht besitzen, aber auch eine moderne Demokratie. Seitdem wird die Unabhängigkeit Israels an diesem Tag mit Staatsakten und auch privaten Feiern begangen.

Lag ba-Omer / Freudentag in Trauerzeit (Um den 18. Ijar)

Festtag zu Ehren der berühmten Rabbiner Akiba und Schimon Bar Jochais. Zwischen Pessach und Schawuot werden 50 Tage gezählt (Sieben Wochen und ein Tag). In der jüdischen Tradition sind sie Trauertage, in denen Feierlichkeiten, Haarschnitt und Musizieren verboten sind. Am 33. Tag werden diese Verbote für 24 Stunden aufgehoben. Der Tag ist beliebt als einzig möglicher Hochzeitstermin zwischen Frühling und Sommer. Auch für Kinder hat er eine besondere Bedeutung: An diesem Tag dürfen sie sich wie Rebellen fühlen und Lagerfeuer anzünden.

Thorarolle. (Rechte: WDR)

Die Thora - die heilige Schrift

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Schawuot / Fest zur Übergabe der Thora (6. Siwan)

Das "Fest der ersten Früchte", beendet die 50 Trauertage (Omerzeit) nach Pessach und gilt als Abschlussfest (Azeret). Blumenschmuck überall erinnert daran, dass es einmal ein Erntefest war. An diesem Tag wurden die ersten Früchte zum Opfer nach Jerusalem gebracht und der erste Weizen geerntet. Gefeiert wird die Übergabe der Thora an das Volk Israel. Am Abend studiert man zusammen heilige Schriften bis spät in die Nacht. Morgens im Gottesdienst werden unter anderem die Zehn Gebote (Dekalog) und das Buch Rut gelesen.

Tischa be-Aw (9. Aw)

Erinnert wird an die zweimalige Zerstörung des Jerusalemer Tempels, erst durch die Babylonier um 586 vor und durch die Römer um 70 nach Christus. Nach Jom Kippur ist er der wichtigste Fastentag, der vor allem der persönlichen Trauer gewidmet ist. In der Synagoge werden die Klage- und Trauerlieder gesungen und das das Buch Hiob vorgelesen.

10. Tewet

Zur Erinnerung an den Beginn der Belagerung Jerusalems durch die Babylonier wird an diesem Tag vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang gefastet und gebetet. Darüber hinaus wird das Totengebet für die Nazi-Opfer gesprochen, deren Gräber unbekannt sind.

WDR: Stand vom 1.6.2009

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Feiernde Juden (Rechte: AFP)

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