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Luftfahrt

Fliegen wie ein Vogel ist ein uralter Menschheitstraum. Mit dem Beginn der modernen Naturwissenschaften entwickelte der Mensch immer bessere Apparaturen, die diesen Traum schließlich wahr werden ließen. Erleben Sie in unserer Zeitreise noch einmal hautnah die tollkühnen Männer und ihre fliegenden Kisten.

Breitling-Ballon fliegt über eine Bergkette. (Rechte: dpa)

Luftfahrt

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1783: Die erste Ballonfahrt

Die französischen Brüder Étienne Jacques und Michel Joseph de Montgolfier erfinden 1783 den Heißluftballon. Die Papierhersteller hatten beobachtet, wie Papierfetzen in Feuerrauch aufstiegen. Daraus folgerten sie: Ein mit Rauch gefüllter Ballon muss ebenfalls aufsteigen. Nach zahlreichen Experimenten lassen sie am 5. Juni 1783 einen mit Papier gefütterten Leinwandballon aufsteigen - die nach den Brüdern benannte Montgolfiere. Ein stark rauchendes Feuer aus Wolle und feuchtem Stroh erhitzt die Luft im unten offenen Ballon.

Im September desselben Jahres folgt ein weiterer Aufstieg mit Tieren an Bord des Ballons. Als dieser Versuch glückt, erlaubt der französische König einen Aufstieg mit Menschen. Am 21. November 1783 steigen der Physiker Pilâtre de Rozier und ein Offizier mit einer Montgolfiere in die Luft - zur ersten bemannten Ballonfahrt.

Schwarzweiß-Foto eines Flugversuchs von Otto Lilienthal mit einem Doppeldecker-Gleitgerät. (Rechte: WDR)

Flugversuch von Otto Lilienthal

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1891: Vorbild Vogelflug

Im 19. Jahrhundert liegt die Zukunft der Luftfahrt für die meisten Menschen in der Weiterentwicklung des Ballons zum Luftschiff. Doch der deutsche Ingenieur Otto Lilienthal verfolgt einen anderen Weg und widmet sich den größten Experten in Sachen Fliegen: den Vögeln. Er untersucht die Aerodynamik des Vogelflugs und beginnt auf Grundlage seiner Erkenntnisse, Gleitapparate zu bauen. Dabei geht er nach dem Prinzip vor: "Vom Schritt zum Sprung, vom Sprung zum Flug" - eine Methode, die viele andere Flugpioniere übernehmen.

Ab 1891 beginnt Otto Lilienthal mit seinen praktischen Versuchen: Von Hügeln und Hängen startet er mit seinen selbst gebauten Apparaten zu Gleitflügen. Die Versuche wertet er aus und verbessert kontinuierlich seine Gleiter. Bei einem seiner Flugversuche kommt Lilienthal am 9. August 1896 ums Leben: Er stürzt mit seinem Hängegleiter aus 15 Metern Höhe ab und erliegt am folgenden Tag seinen schweren Verletzungen.

1903: Erster Motorflug

17. Dezember 1903, ein einsamer Strand beiKitty Hawk in North Carolina, USA: Orville und Wilbur Wright starten ihren "Flyer", ein zerbrechlich wirkendes Doppeldecker-Motorflugzeug aus Holz, Draht und Stoff. Tatsächlich hebt die Maschine ab und fliegt. Gerade einmal zwölf Sekunden dauert dieser erste Flug, doch ein paar Versuche später bleibt der "Flyer" immerhin schon gut eine Minute lang in der Luft.

Bevor sie als Flugpioniere in die Geschichte eingehen, arbeiten die Brüder Wright als Fahrradmechaniker. Sie bewundern Otto Lilienthals Arbeit und bauen auf seinen Erkenntnissen und Flugversuchen auf. Ob die Versuche der Wrights tatsächlich die ersten kontrolliert gesteuerten Motorflüge waren, ist in der Fachwelt umstritten. Geschichte geschrieben und die Luftfahrt entscheidend vorangebracht haben Orville und Wilbur Wright aber ohne Zweifel.

Charles Lindbergh steht auf dem Schwarzweiß-Foto vor seinem Flugzeug. (Rechte: AKG)

Charles Lindbergh

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1927: Allein über den Atlantik

Um kurz vor acht Uhr am Morgen des 20. Mai 1927 läuft die Maschine der "Spirit of St. Louis" auf vollen Touren. Charles A. Lindbergh steuert sein Flugzeug über die vom Regen aufgeweichte Piste und nimmt Fahrt auf. Um 7 Uhr 52 hebt er vom Flugplatz auf Long Island, New York, ab. Mehr als 5800 Kilometer liegen vor ihm. Sein Ziel: Paris.

Schon 1919 hatte der wohlhabende Raymond Orteig 25.000 Dollar für einen Nonstop-Flug zwischen New York und Paris ausgelobt. Einige Piloten waren bereits gescheitert, als sich der amerikanische Flieger Lindbergh der Herausforderung stellte. Nach 33 Stunden und 30 Minuten hat er es geschafft: Die Lichter des Pariser Eiffelturms leuchten auf und weisen Lindbergh den Weg. Als erster Mensch hat er alleine den Atlantik ohne Unterbrechung überflogen. Sein Abenteuer macht ihn berühmt. Das "Time Magazine" wählt ihn zum "Mann des Jahres" 1927, und 30 Jahre später verfilmt Billy Wilder seinen Flug mit James Stewart in der Hauptrolle.

1937: Die Hindenburg-Katastrophe

Niemand sieht das Unglück kommen. Zeppeline gelten als sicheres Verkehrsmittel, und auch die Fahrt der "Hindenburg" von Frankfurt nach Lakehurst in der Nähe von New York verläuft völlig problemlos - bis das Luftschiff am Abend des 6. Mai 1937 den Ankermast in Lakehurst ansteuert. Ein Gewitter zwingt den Kapitän, vor der Landung eine weitere Kurve zu fliegen. Plötzlich bricht am Heck Feuer aus und der Wasserstoff entzündet sich. Schnell steht die riesige "Hindenburg" in Flammen. 13 Passagiere, 22 Mann der Besatzung und ein Bodenhelfer kommen ums Leben.

Die Katastrophe in Lakehurst zerstört nicht nur die "Hindenburg", die als Stolz der deutschen Luftfahrt und als Prestigeobjekt der Nationalsozialisten galt, sondern beendet auch mit einem Schlag die Ära der Luftschiffe.

1939: Das erste Düsenflugzeug

27. August 1939: Das erste Düsenflugzeug der Welt hebt in Rostock ab. Die "Heinkel He 178", die von einem Turbinen-Luftstrahltriebwerk angetrieben wird, bringt es auf eine Geschwindigkeit von 700 Kilometern pro Stunde und ist damit deutlich schneller als Flugzeuge mit Kolbenmotoren. Trotz erfolgreicher Tests zeigt die deutsche Militärführung zunächst kein Interesse an dieser Technik. Die Erfahrungen mit diesem Flugzeug fließen jedoch später in die Entwicklung der "Messerschmitt Me 262" ein. Die ersten Exemplare werden aber erst kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs fertig.

1947: Die Schallmauer wird durchbrochen

Captain Charles E. "Chuck" Yeager durchbricht am 14. Oktober 1947 als erster Mensch die Schallmauer: Yeagers Flugzeug "Bell X-1", das er nach seiner Frau auch "Glamorous Glennis" nennt, wird von einem "B 29"-Bomber zunächst auf 7000 Meter Höhe gebracht und dort ausgeklinkt. Ein Raketentriebwerk feuert die Maschine dann auf die eigentliche Testhöhe von 13.000 Metern. Yeager erreicht mit der "Bell X-1" 1127 Kilometer pro Stunde und fliegt damit schneller als der Schall.

Eine Boeing 707 kurz nach dem Start. (Rechte: WDR)

Boeing 707

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1958: Beginn des Jet-Zeitalters

Der Siegeszug der "Boeing 707" gilt heute oft als Eintritt ins Jet-Zeitalter. Dabei war sie nicht das erste düsengetriebene Passagierflugzeug. Die "De Havilland DH 106 Comet" hatte ihren Dienst schon früher aufgenommen. Doch vier schwere Totalverluste ruinierten nicht nur den Ruf, sondern ließen die "Comet" auch weit hinter die "Boeing"-Konkurrenz zurückfallen.

Der weltweite Siegeszug der "Boeing B 707" begann mit dem ersten kommerziellen Flug der Fluggesellschaft "PanAm" von New York nach London am 26. Oktober 1958. Die Reisezeit zwischen der alten und neuen Welt verkürzte sich um sechs Stunden - ein enormer Zeitgewinn. Um wirtschaftlich nicht ins Hintertreffen zu geraten, setzten auch andere Gesellschaften schon bald auf Düsenflugzeuge im Passagierverkehr.

Ein SR-71-Blackbird (Rechte: NASA)

Schwarz und schnell

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1964: Erstflug des Tempo-Wunders

Am 22. Dezember 1964 erhebt sich der "SR-71 Blackbird" der Firma "Lockheed" zum ersten Mal in die Luft. Das Düsenflugzeug ist ein Kind des Kalten Krieges und als Nachfolger für das US-amerikanische Spionageflugzeug "U-2" geplant. Es soll für russische Abfangjäger und Raketen unerreichbar sein. Mit seiner enormen Geschwindigkeit und einer Flughöhe von mehr als 25.000 Metern fliegt die "SR-71" zu dieser Zeit höher und schneller als jedes andere Flugzeug. Der Rumpf ist mit Werkstoffen überzogen, die den Höhenaufklärer für das gegnerische Radar fast unsichtbar machten - ein Vorläufer der Tarnkappen- oder Stealth-Technik.

Der "SR-71 Blackbird" stellt bis zu seinem letzten Flug im Januar 1990 zahlreiche Rekorde auf. Der absolute Geschwindigkeits-Weltrekord stammt aus dem Jahr 1976: Der "Schwarze Vogel" erreicht 3529,5 Kilometer pro Stunde - nahezu 3,5-fache Schallgeschwindigkeit. Damit gilt der "Blackbird" bis heute als schnellstes düsengetriebenes Flugzeug der Welt. (Stand: Januar 2008)

1969: Jumbojet und Concorde

Am 9. Februar 1969 hebt die erste "Boeing 747", bekannt als Jumbojet, zu ihrem Jungfernflug ab. Sie ist zu diesem Zeitpunkt das größte Passagierflugzeug der Welt. Manche Typen können bis zu 490 Passagiere aufnehmen. Aber auch für Spezialaufgaben wird der Riese eingesetzt: Die NASA (National Aeronautics and Space Administration) nutzt ihn zum Transport der Raumfähre Spaceshuttle. Die amerikanische Luftwaffe fliegt unter der Bezeichnung "E-4" vier Jumbos, die mit extrem leistungsfähigen Navigations- und Kommunikationseinrichtungen, Atom- und Thermoisolierung und einer Luftbetankungseinrichtung ausgestattet sind. Sie dienen dem amerikanischen Präsidenten und einem nationalen Führungsstab im Kriegsfall als fliegende Kommandozentrale.

Am 2. März 1969 erlebt ein weiteres besonderes Flugzeug seinen Erstflug: der Prototyp des ersten Überschall-Verkehrsflugzeugs Concorde. Bis zur kommerziellen Nutzung vergeht aber noch ein wenig Zeit. Erst 1976 nimmt die Concorde den Liniendienst auf. Im Juli 2000 läutet ein Absturz das Ende der Concorde ein: Eine Maschine stürzt kurz nach dem Start in der Nähe von Paris auf ein Hotel, 113 Menschen sterben. Der letzte Concorde-Flug findet im November 2003 statt.

1999: Ballonfahrt um die Welt

Bertrand Piccards Hang zum Abenteuer kann nicht verwundern: Sein Großvater Auguste stellte einen Ballon-Höhenrekord auf und tauchte ebenso in die Tiefsee wie Bertrands Vater Jacques. 1999 tritt der Schweizer Psychiater in die Fußstapfen seiner abenteuerlustigen Vorfahren: Gemeinsam mit dem englischen Flugingenieur Brian Jones besteigt er am 1. März die Gondel des "Breitling Orbiter". Mit der Mischung aus Helium- und Heißluftballon wollen die beiden als erste Menschen in einem Ballon ohne Zwischenlandung die Erde umrunden.

Als Piccard zu seinem Abenteuer aufbricht, hat er bereits zwei gescheiterte Versuche hinter sich. Doch beim dritten Mal klappt es: Getrieben von "jet streams" - Luftströmungen in 10.000 Metern Höhe mit einer Geschwindigkeit bis zu 300 Kilometer pro Stunde - gelingt die Umrundung. Am 21. März landet der Ballon nach mehr als 46.700 Kilometern Fahrt in der ägyptischen Wüste.

Steve Fossett auf einem Rollfeld. (Rechte: dpa)

Fossett liebte das Abenteuer

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2005: Solo-Weltumrundung

Im Wettlauf, wer als erster Mensch die Welt in einem Ballon umrundet, musste sich Steve Fossett 1999 noch Bertrand Piccard geschlagen geben. Vermutlich ein ungewohntes Gefühl für den amerikanischen Milliardär und Rekordesammler. Im Sommer 2002 umrundete er dann ebenfalls ohne Unterbrechung in einem Ballon die Erde. Doch während Piccard noch Unterstützung von Ingenieur Brian Jones hatte, war Fossett allein in seinem Ballon. 2004 stellte er mit 115 Kilometern pro Stunde in Friedrichshafen einen neuen Geschwindigkeitsrekord für Luftschiffe auf.

Ein Jahr später macht sich Steve Fossett zu einem weiteren Rekordflug bereit: In seinem Spezialflugzeug "Global Flyer" will er nonstop um die Welt fliegen. Am 1. März hebt er in Kansas ab. 67 Stunden später hat er es geschafft: Nach fast 37.000 Kilometern kommt er wieder am Startflughafen an und ist damit der erste Mensch, der allein nonstop die Erde in einem Flugzeug umrundet hat.

Im folgenden Jahr packt Fossett erneut das Rekord-Fieber: Mit dem "Global Flyer" gelingt ihm ein neuer Langstreckenrekord: Allein und ohne Unterbrechung legt er in 76 Stunden und 45 Minuten fast 42.000 Kilometer zurück.

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