Tiere der Ostsee
Herzmuschel
Die herzförmige Muschel lebt in Salzwasserregionen im Sand. Meist streckt sie einen Muskelstrunk, den Sipho nach draußen. Er ist einige Zentimeter lang, kümmert sich um Essen und schiebt Wache. Mit einem Fuß hüpft die Muschel über den Meeresboden und buddelt sich ein. Der Sipho strudelt kleine Algenteilchen zum Essen ins Muschelinnere. Ziehen Schatten an der Sandoberfläche vorbei, so erkennt der Sipho sie mit seinen lichtempfindlichen Augenflecken. Er zieht sich sofort in das Muschelgehäuse zurück.
Ab und an schiebt die Meeresströmung den Sand beiseite, in dem sich die Herzmuschel vergraben hat. In Sekundenschnelle buddelt sie sich mit ihrem Fuß wieder ein. Hat ein feindlicher Seestern die Muschel vorher entdeckt, drückt sie sich mit ihrem Fuß vom Boden ab und springt mit Sätzen von bis zu 20 Zentimetern davon. Sekunden später flüchtet sie wieder in den Sand.
Strandkrabbe
Westlich von Bornholm, an den Küsten Schwedens, Dänemarks und Deutschlands leben Strandkrabben. Sie gehören genauso wie Garnelen zu den Krebstieren, beide schützen sich mit einem Schalenskelett. Und sie müssen sich häuten, um wachsen zu können. Allerdings tragen Krabben einen handtellergroßen grünlichen Panzer, der mit Kalk verhärtet ist. Mindestens einmal im Jahr wechseln junge und geschlechtsreife Krabben ihre Panzer.
Bevor die Krabbe ihr altes Gehäuse ablegt, nimmt sie Kalk aus dem Panzer in ihren Blutkreislauf auf. Der Panzer wird weich und die Krabbe kriecht durch einen Spalt aus ihrem Gehäuse. Sie versteckt sich jetzt vor Feinden unter Steinen oder im Sand. In wenigen Tagen entsteht ein neues Gehäuse. Das alte Panzer-Skelett treibt häufig Richtung Strand.
Hecht
Seine Schnauze sieht aus wie ein Entenschnabel, er frisst viel und wächst schnell. Der Hecht schluckt Fische, Frösche, Mäuse, Wasservögel und seine eigenen Artgenossen. Für das Ökosystem ist er wichtig, weil er Fischarten, die sich schnell vermehren, in einer gesunden Größe hält. Das Weibchen kann bis zu eineinhalb Meter lang werden und bringt bis zu 30 Kilogramm auf die Waage. Männchen werden nur halb so groß.
Starr harrt der Hecht in Ufernähe aus und lauert auf Beute. Mit seiner grünlichen Haut fällt er zwischen Wasserpflanzen kaum auf. Er sieht gut und über Poren am Kopf, einem Seitenlinienorgan, ortet er die Schwimmbewegungen seines Beutefisches. Mit ungefähr drei Metern pro Sekunde schießt er aus seinem Versteck und verschluckt den Fisch mit dem Kopf voran.
Grasnadel
Gerne lassen sich Grasnadeln gemächlich von der Strömung treiben. Die Fische, die genauso wie Seepferdchen zur Familie der Seenadeln gehören, fühlen sich im Brackwasser der Ostsee wohl. Sie besiedeln seichte Küstengewässer bis hoch zu den Ålandinseln. Ihre schlanken grünen Körper stellen sie oft unauffällig zwischen grüne Seegrasstängel und suchen, mit dem Kopf nach unten, nach Beute - Fischlaich oder kleine Garnelen.
Grasnadeln umschlingen ihre Partner in lebhaften Balzspielen. Die Weibchen leiten dabei portionsweise rund 200 Eier durch eine Art Röhre in die Bruttasche des Männchens. In der Tasche an der Schwanzunterseite befruchten die Männchen die Eier. Schleimhaut in der Bruttasche versorgt die Eier mit Nährstoffen. Nach vier Wochen schlüpfen etwa zwei Zentimeter lange Grasnadeln.
Lachs
Der Lebenszyklus der Lachse beginnt und endet in den Zuflüssen der Ostsee. Sie bringen ihren Nachwuchs dort zur Welt, weil er schnell fließendes, kaltes Wasser benötigt, denn dieses enthält mehr Sauerstoff und ist sauberer. Kleine Larven wachsen dort zu Junglachsen heran; danach wandern sie für zwei bis drei Jahre über den Rhein und die Nordsee in die Ostsee. Zum Laichen kehren sie wieder in ihre Heimatflüsse zurück.
Ein bis zwei Jahre bleiben Junglachse in ihrem Heimatfluss. Sie vertilgen Wasserflöhe und kleine Krebse. Später fressen sie neben kleineren Fischen auch ihre eigenen Geschwister. Nur einer von hundert Junglachsen überlebt. Die silbrigen Fische, so lang wie ein Bleistift, prägen sich den Geruch ihres Heimatgewässers ein und wandern Richtung Ostsee.
Lachse in der Ostsee schwimmen immer nahe der Meeresoberfläche, höchstens zehn Meter tief. Sie fressen viel und wachsen erst hier richtig aus; mit eineinhalb Metern Länge bringen sie bis zu 40 Kilogramm auf die Waage. Für die Paarung schwimmen sie wieder zurück in ihre Heimatflüsse. Ihr Geruchssinn zeigt ihnen den Weg.
Wie Lachse ihren Weg nach Hause finden, ist noch nicht geklärt. Forscher vermuten eine Art chemisches Gedächtnis, in dem sich der Lachs chemische Substanzen seiner Umgebung einprägt. Wahrscheinlich richten sich Lachse auch nach der Sonne und nach Strömungsreizen.
Garnele
In großen Schwärmen leben Garnelen zwischen Algen und Seegras. Ihr durchscheinender Körper mit bräunlichen oder graugrünen Flecken ist dort gut getarnt. Die weiblichen Garnelen, bis zu acht Zentimeter groß, wandern im Sommer zum Laichen aus geschützten Buchten, wie dem Salzhaff zwischen Wismar und Rerik, kilometerweit ins tiefere, offene Wasser.
Da die Garnelenweibchen jedes Jahr denselben Weg zu ihren Laichgründen einschlagen, beginnt zur dieser Zeit die Krabbenfischerei. An festgelegten Stellen spannen Fischer ein Netz im flachen Wasser. Ein Teil der Garnelen wandert direkt in reusenähnliche Körbe. Besonders an der Küste von Mecklenburg-Vorpommern werden Garnelen gefangen und schließlich in den Handel gebracht.
Sandgrundel
Die fingergroßen Fische bewohnen Sand- und Schlickstrände, bis hoch zur Südküste Finnlands. Sie haben einzigartige Überlebensstrategien entwickelt. Mit ihren Brustflossen können sie sich auf kleinen Steinen festsaugen, um nicht von der Strömung davon getrieben zu werden. Je nach Situation ändern sie blitzschnell ihr Verhalten: Eine Sandgrundel greift jede Nachbar-Grundel an, die ihrem Nahrungsrevier am Meeresboden zu Nahe kommt. Droht aber Gefahr, schließen sich Grundeln in Sekunden zu einem engen Schwarm zusammen. Sie steigen gemeinsam ins freie Wasser auf und verwirren ihre Gegner.
Ein Sandgrundel-Männchen imponiert einem Weibchen, wenn es sich fürsorglich um den Nachwuchs kümmert. Sind die Weibchen in Sichtweite, graben sie engagiert eine Laichhöhle unter einer leeren Muschelschale. Oder sie wedeln den Eiern mit ihren Brustflossen frisches sauerstoffreiches Wasser zu. Sobald sich aber das Weibchen abwendet, verflüchtigt sich oft auch die väterliche Fürsorge. Das Männchen frisst die Eier auf.
Scholle
Junge Schollen schwimmen wie Lachse aufrecht im freien Wasser. Sind sie rund einen Zentimeter groß, verändert sich die komplette Schädelsymmetrie. Ein Knorpel zwischen den Augen bildet sich zurück und das linke Auge wandert über den Schädel auf die rechte Seite. Auch die Nase und der Mund wandern. Die rechte Körperhälfte entwickelt sich zu einer dunkelfarbigen Oberseite mit rötlichen Flecken, die linke zu einer blassen Unterseite. Der Plattfisch sinkt langsam zum Boden.
Schollen ändern zur Tarnung ihre Farbe. Auf sandigem Untergrund hellt sich ihre Haut auf, auf dunklem Untergrund verdunkelt sich ihre Färbung. Tagsüber bringt sie zusätzlich eine feine Sandschicht mit kräftigen Flossenschlägen auf ihren Körper. Nur die Augen ragen auf und suchen nach Beute oder Räubern.
Seestern
Am häufigsten findet man in der Ostsee, vor allem in der Region um die Insel Bornholm, den Gemeinen Seestern. Sein flacher, fünfarmiger Körper ist mal dunkelviolett, mal rotbraun oder orange gefärbt. Mit rund 200 Saugfüßchen, dünnen Ausstülpungen unter seinen Armen, kriecht er über den Meeresboden oder saugt sich an seiner Beute fest …
Der Gemeine Seestern frisst am liebsten Miesmuscheln, weil sie sich nicht im Sand vergraben. Er legt sich über die Muschel und saugt sich mit seinen Füßchen auf den Schalen fest. Mit einer Zugkraft von bis zu vier Kilogramm zieht er sie auseinander. Ein winziger Spalt von rund 0,2 Millimetern reicht aus und der Seestern stülpt seinen Magen aus seinem Körper heraus und in die Muschel hinein. Er verdaut sie dort in ihren eigenen Schalen.
Wird ein Seestern angegriffen oder mit chemischen Substanzen gereizt, dann stößt er seine Arme ab. In rund einem Jahr wächst ein Arm vollständig nach. In seltenen Fällen entwickeln sich abgestoßene Arme sogar zu neuen lebensfähigen Seesternen.
Ohrenqualle
Eine gestrandete Ohrenqualle sieht aus wie ein farbloser Wackelpudding. In ihrem Lebensraum Wasser dagegen, öffnet und schließt sie ihren durchsichtigen Schirm in anmutigen Bewegungen. Vier Ringe in ihrem Körper haben der Ohrenqualle ihren Namen eingebracht. Sie fungieren als Geschlechtsorgane, beim Männchen sind sie weiß, beim Weibchen rot. Quallenweibchen bringen Larven zur Welt, die sich zunächst zu Polypen entwickeln.
Das Quallen- oder „Medusen“-Dasein ist nur ein Lebensstadium im Sommer. Millimetergroße, becherartige Polypen setzen sich auf Steinen oder Algen fest. Im Frühjahr schnüren sie bis zu 30 Scheiben ab, die ineinandergeschachtelt auf ihren weißlichen Körpern sitzen. Im freien Wasser entwickeln sich die Scheiben zu tellergroßen Ohrenquallen.
Dorsch
In der gesamten Ostsee kommt der Dorsch mit seinem stromlinienförmigen Körper vor. Sein Name leitet sich von Dörrfisch ab. Früher waren luftgetrocknete Fische wichtige Nahrungs- und Handelsfische für die nordischen Völker. In anderen Regionen wie der Nordsee nennt man den Dorsch Kabeljau. Der Dorsch kann bis zu 25 Jahre alt werden. Da er meist vorher gefangen wird, wird er selten älter als fünf oder sechs Jahre. Für Dorsche ist das die Zeit der Geschlechtsreife. Mehrere tausend Tonnen holen Fischer jedes Jahr aus der Ostsee. Dorsche werden zeitweise so stark überfischt, dass in manchen Regionen nur noch Jungtiere leben.
Hering
Die Fische mit ihren silbrigen Flanken sind Dauerschwimmer. Jedes Jahr legen sie je nach Art einige tausend Kilometer in der 0stsee bis hoch zu den Ålandinseln zurück. Sie schwimmen dicht beieinander mit mehreren tausend Artgenossen. Das schreckt Feinde ab, ist aber für Fischer um so vorteilhafter. In einem Fang können sie einige hundert Tonnen Hering aus der Ostsee ziehen.
Das Leben im Schwarm hat dennoch überlebenswichtige Vorteile. Der Fortpflanzungspartner ist in der Nähe, viele Augenpaare sehen Feinde schneller. Sie können Angreifer mit ihrem Gewimmel so verwirren, dass sie sich zurückziehen. Allerdings können sie sich gegenseitig Nahrung und Sauerstoff wegnehmen. Ausgeschiedenes, zum Beispiel Kohlendioxid, verschlechtert den Atemraum der hinteren Fische.
Der Hering ist einer der wichtigsten Fangfische in der Ostsee. Händler bringen ihn frisch auf den Markt als „Matjeshering“ - als jungen, leicht gesalzenen Hering oder als „grünen“ - frischen Hering. Sie verkaufen ihn auch als „Salzhering“, als „Bismarckhering“ in Essig eingelegt, als „Brathering“, das heißt gebraten und in Essig eingelegt oder als geräucherten „Bückling“.
Anke Seesing, Stand vom: 4.8.2009













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