Weltmeere
Meeresströmungen im Atlantischen Ozean
Golfstrom-System (Golfstrom und Nordatlantische Strömung) (warm)
Das Golfstrom-System ist wohl das bekannteste aller Strömungssysteme der Ozeane. Schon die ersten Seefahrer, die den Atlantik überquert hatten, wunderten sich, warum ihr Schiff die Strecke Amerika-Europa schneller bewältigte, als den Weg in umgekehrter Richtung. Aus dem warmen Nord-Äquatorialstrom, der im tropischen Gürtel des Atlantiks durch Passatwinde entsteht, bildet sich der Antillenstrom. Dieser schließt sich mit dem Floridastrom, der aus dem Golf von Mexiko kommt, nördlich der Bahamas zusammen und bildet den Golfstrom, der gigantische warme Wassermassen bis in die Gebiete südöstlich vor Neufundland transportiert. Dort kommt ihm der kalte Labradorstrom aus dem Norden entgegen und lenkt die warmen Wassermassen in Richtung Osten ab. Diese Strömung, die jetzt „Nordatlantische Strömung“ heißt, wirkt wie eine riesige Fernwärmeheizung auf Europa und sorgt dafür, dass es dort viel wärmer ist, als es der Breitengrad eigentlich vermuten lassen würde. So sind die Winter Mitteleuropas viel milder als die klirrend kalten in Kanada auf dem selben Breitengrad. Die Häfen Nordeuropas bleiben ganzjährig eisfrei und in Südengland wachsen sogar Palmen!
Zusätzlich zum Antrieb aus der Äquatorialströmung entsteht auf den Golfstrom vor Grönland eine starke Sogwirkung nach unten, ausgelöst durch die Abkühlung des Wassers durch die Wassermassen aus den von Norden kommenden arktischen Strömungen. Das kühlere und salzreichere Wasser ist dichter und damit schwerer, „stürzt“ in die Tiefe und zieht weitere warme Wassermassen, von Süden kommend, mit sich. Wenn der Golfstrom zum Erliegen käme - ein Szenario, das durch die Klimaerwärmung in einigen Jahrzehnten für manche Experten sogar vorstellbar wäre – hätte das weit reichende Folgen für unser Klima.
Norwegenstrom (warm)
Der Norwegenstrom ist die Fortsetzung der Nordatlantischen Drift und bringt warme Wassermassen bis an die Südwestküste von Spitzbergen. Hier können Schiffe sogar im Winter in die eisfreien Häfen einlaufen.
Labradorstrom (kalt)
Ausgerechnet die Hauptroute zwischen Europa und Nordamerika wird von einem für die Schifffahrt besonders gefährliches Strömungsgebiet gekreuzt. Der kalte Labradorstrom aus den arktischen Gewässern des Nordpolarmeeres führt hunderte von Eisbergen mit sich, die von den kalbenden Grönland-Gletschern stammen. Sie driften mit dem Labradorstrom weit in den Süden hinein. Einer davon wurde der Titanic auf ihrer Jungfernfahrt in der Nacht vom 14. auf den 15. April 1912 zum Verhängnis. Der als unsinkbar geltende Luxusdampfer kollidierte vor der Küste Neufundlands mit einem 300.000 Tonnen schweren Eisberg und sank. Der Labradorstrom trifft bei den Neufundlandbänken mit dem warmen Golfstrom zusammen, und lenkt diesen in Richtung Europa ab. Das Aufeinandertreffen der warmen und kalten Strömung erzeugt starken Nebel und begünstigt auch die Bildung von Wirbelstürmen.
Ostgrönlandstrom (kalt)
Der Ostgrönlandstrom fließt durch die Meerenge zwischen Ostgrönland und Island (Dänemarkstraße) vom Nordpolarmeer in den Atlantik. Er führt Treibeis vom arktischen Eisschild und Eisberge von den Gletschern Grönlands mit sich.
Kanarenstrom (kalt)
Die Kanarischen Inseln liegen nur wenige hundert Kilometer von der Westküste der Sahara entfernt im Nordatlantik. Trotzdem ist es dort bekanntermaßen nicht heiß und trocken. Das ganze Jahr über herrschen auf „den Inseln des Frühlings“ angenehme Temperaturen zwischen 15 und 25 Grad Celsius. Der Grund dafür: Der kühle Kanarenstrom sorgt dort für ein ausgeglichenes Klima. Der Kanarenstrom zweigt vom warmen Nordatlantikstrom (der „Verlängerung“ des Golfstromes) in südliche Richtung ab. Vor der Nordwestküste Afrikas wird die zunächst noch warme Strömung kalt. Der Grund: Ablandiger Wüstenwind von der Sahara treibt Oberflächenwasser ins Meer hinein und kaltes Wasser aus den Tiefenzonen vor der Küste strömt nach. Es ist mit vielen Nährstoffen angereichert, das viel Plankton gedeihen lässt. Das lockt viele Fische an. Deshalb gibt es in dieser Region auch exzellente Fischgründe.
Benguelastrom (kalt)
Der Benguelastrom zweigt vom Zirkumpolarstrom ab und transportiert kühle Wassermassen entlang der südafrikanischen Westküste äquatorwärts. Winde mit feuchter Luftfracht, die vom Ozean in Richtung Küste wehen und dorthin eigentlich Regen bringen könnten, werden vom Benguelastrom abgekühlt. So regnet es bereits über dem Meer und die Wolken erreichen gar nicht erst das Festland. Das ist der Grund, warum die Küstenregion, wie die Namib-Wüste, sehr trocken ist. Die Küstengewässer sind sehr fischreich und damit auch ein exzellenter Lebensraum für Robben und Seevögel. Der Grund dafür: Vom Benguelastrom wird nährstoffreiches Tiefenwasser nach oben befördert. Das Plankton gedeiht gut und bietet reichhaltig Nahrung für Fische.
Brasilstrom (warm)
Der warme Brasilstrom zweigt an der östlichen Spitze Südamerikas vom atlantischen Südäquatorialstrom ab und strömt entlang der Küste Brasiliens Richtung Südpol. Allerdings wird der größere Teil des Südäquatorialstroms zur Karibik hin abgelenkt (wovon später dann auch der Golfstrom gespeist wird). Der Brasilstrom ist deshalb nur relativ schwach ausgeprägt.
Meeresströmungen im Indischen Ozean
Agulhasstrom (warm)
Der Agulhasstrom zweigt vom indischen Südäquatorialstrom ab. An der Südspitze Afrikas trifft er mit dem kalten antarktischen Zirkumpolarstrom und dem Benguelastrom zusammen. Das führt nicht nur zu starken Wetterereignissen und extrem hohen Wellen, es zwingt den Agulhasstrom sogar zur direkten Umkehr - zurück in den indischen Ozean. An der Spitze dieser sehr engen Wendeschleife, schnüren sich ringförmige Wirbel ab, die zu den mächtigsten im Weltozean zählen. Diese so genannten „Agulhas-Ringe“ transportieren portionsweise warme Wasser-„Häppchen“ in das kalte Wasser des Südatlantiks. Sie werden dort vom atlantischen Südäquatorialstrom weiter transportiert.
Westaustralstrom (kalt)
Der kalte Westaustralstrom zweigt vom Zirkumpolarstrom ab und bewegt sich entlang der australischen Westküste in nördliche Richtung. Im Vergleich zum atlantischen Benguela- und pazifischen Humboldtstrom ist der Westaustralstrom allerdings zu schwach, um mit Nährstoffen gesättigtes Tiefenwasser an der Küste nach oben zu befördern. Deshalb gibt es an der Westküste Australiens auch keine reichhaltigen Fischgründe.
Meeresströmungen im pazifischen Ozean
Kuroshio (warm)
Der warme pazifische Nordäquatorialstrom wird vor der Küste Japans zur Kuroshio Strömung. Mit einem Transportvolumen von 50 Mio. Kubikmetern Wasser pro Sekunde, ist sie eine der stärksten der Welt. Das Wasser, das der Strom mit sich führt, ist sehr nährstoffarm und dadurch sehr transparent. Die Lichtstrahlung der Sonne wird somit kaum reflektiert. Das Wasser erscheint deshalb tiefdunkelblau. Daher auch der Name „Kuroshio“ (der japanische Ausdruck für „Schwarzer Strom“). Vor der Nordwestküste Japans trifft der Kuroshio schließlich mit dem aus Norden kommenden kalten Oyashio-Strom zusammen. Aus Kuroshio- und Oyashio-Strom wird der Nordpazifische Strom, der über den Pazifik in Richtung Westküste Nordamerikas fließt.
Alaskastrom (warm)
Der Alaskastrom ist eine Abzweigung des warmen Nordpazifischen Stroms in nördliche Richtung entlang der Küstenlinie des Golfs von Alaska. Diese bleibt deshalb bis in den Prince William Sund hinein im Winter eisfrei. Der Alaskastrom geht vor der Inselkette der Aleuten in den Aleutenstrom über.
Kalifornienstrom (kalt)
Der kalte Kalifornienstrom reicht von British Columbia in Kanada entlang der Küstenlinie Kaliforniens bis nach Mexiko, wo er wieder westwärts in den pazifischen Nordäquatorialstrom einströmt. Er bringt Tiefenwasser an die Oberfläche und sorgt für Fischreichtum, kühle Luft und häufige Nebelbildung im Küstenbereich.
Humboldstrom (Perustrom) (kalt)
Der Zirkumpolarstrom wird vor der Südspitze Südamerikas in nördlicher Richtung abgelenkt und fließt an der Westküste Südamerikas als kalter Humboldt- bzw. Perustrom weiter. Nährstoffreiche Tiefenwasser werden von der Strömung an die Wasseroberfläche befördert. Das Strömungsgebiet ist deshalb sehr plankton- und damit auch fischreich. Wegen der Abkühlung der Luftmassen über dem Meer sind die Küstenbereiche vor dem Humboldtstrom niederschlagsarme Wüstengebiete, wie zum Beispiel die Atacama-Wüste in Chile. Alle drei bis acht Jahre erwärmt sich das Wasser im Ostpazifik durch das Klimaphänomen "El Niño". Dabei schwächt sich der kalte Humboldtstrom ab und kommt sogar ganz zum Erliegen. Das hat verheerende Auswirkungen auf Meersflora- und -fauna und auf das globale Wetter.
Antarktischer Zirkumpolarstrom (kalt)
Die Strömung rings um die Antarktis im südlichen Ozean ist die einzige Strömung der Weltmeere, die den gesamten Globus umrundet und ist damit auch die größte aller Meeresströmungen. Bei ihrer „Runde“ verteilt sie ihr Wasser durch Abzweigungen in alle drei Ozeane. Sie ist damit das wichtigste Element des globalen marinen Förderbandes und hat damit auch auf der ganzen Welt Einfluss auf das Klima.
Nord- und Südäquatorialströme (warm)
Die Äquatorialströme sind der Hauptantrieb für die Oberflächenzirkulation der Ozeane (neben der durch die absinkenden Wassermassen des Golfstroms vor Grönland angetriebenen Zirkulation im Nordatlantik). Die Sonnenstrahlen treffen in Äquatornähe fast senkrecht auf die Wasseroberfläche und heizen das Wasser und die Luft dort stark auf. Die warmen Luftmassen steigen nach oben und werden durch nachströmende Passatwinde, die von Norden und Süden kommend am Äquator zusammen laufen, ersetzt. Durch die Erdrotation werden sie in westliche Richtung abgelenkt. Diese Passatwinde treiben das Oberflächenwasser der Ozeane ebenfalls westwärts. An den Westküsten werden die Strömungen dann schließlich zu den Polen hin abgelenkt und kreisen auf der Nordhalbkugel wegen der Erdrotation weiter im Uhrzeigersinn und auf der Südhalbkugel gegen den Uhrzeigersinn. Im Indischen Ozean wirken die jahreszeitlich wechselnden Monsunwinde zusätzlich auf die Strömungen ein.
Susanne Decker, Stand vom 2.7.2010
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Er ist die Meeresströmung der Superlative: Der Golfstrom transportiert mehr Wasser als alle Flüsse der Erde zusammen. Seine Energie übersteigt die Kapazitäten aller europäischen Kraftwerke um ein Tausendfaches und an der wärmsten Stelle ist sein Wasser bis zu 30 Grad Celsius warm.




