Nachrichtensendungen in Ost und West

Tagesschaulogo (NDR/ARD-Design).

Das Leben in der DDR

Nachrichtensendungen in Ost und West

Von Natalie Muntermann und Christoph Teves

Zwei Staaten, zwei Nachrichten-Sendungen. Beide um 20 Uhr, beide eine Art Erkennungsmarke. Beide 1952 erstmals ausgestrahlt, allerdings noch nicht täglich. Im Westen heißt die Sendung Tagesschau, im Osten Aktuelle Kamera. Sie prägen beide die politische Berichterstattung, jede auf ihre eigene Art.

Unterschiedliche Darstellungen

Während sich der öffentlich-rechtliche Nordwestdeutsche Rundfunkt (NWDR), der die Tagesschau anfangs produziert, nach britischem Vorbild am Ideal einer objektiven Berichterstattung orientiert, fungiert die Aktuelle Kamera oft als Propaganda-Instrument der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED).

Vergleicht man die Berichterstattung zu einem bestimmten Ereignis, wie etwa der Ausbürgerung Wolf Biermanns, meint man, es handele sich um zwei verschiedene Sachverhalte – so unterschiedlich ist die Darstellung.

Aktuelle Kamera

Die Hauptnachrichtensendung der DDR stand von Beginn an unter der Kontrolle des Staates. Das SED-Politbüro hielt die Redaktion am Zügel. Für freien, unabhängigen Journalismus war in der Aktuellen Kamera kein Platz. Hofberichterstattung über Zentralkomitee und Partei und über die Erfolge des Sozialismus bestimmten lange das Programm. Über das Fernsehen wurde der Klassenkampf fortgesetzt.

Die Zuschauer freilich zog die Aktuelle Kamera mit ihrer Art des Journalismus nicht an, im Gegenteil, sie vergraulte sie eher. Statt Quotenrenner war die Aktuelle Kamera für die meisten ein Abschalter. Erst im politischen Tauwetter zum Ende der 80er Jahre konnte sich die Redaktion der staatlichen Kontrolle entziehen und freier berichten.

Screenshot der Aktuellen Kamera

Nachrichtensprecherin Angelika Unterlauf

Tagesschau

Dass sich die Tagesschau eine völlig andere Art des Nachrichtenjournalismus auf die Fahnen schrieb, dafür sorgten nach dem Zweiten Weltkrieg allein schon die Vorgaben der westlichen Alliierten. Der Rundfunk in der Bundesrepublik sollte unabhängig, föderal und möglichst staatsfern organisiert sein. So konnten und sollten auch die Nachrichtenmacher frei und unparteilich berichten.

Bis Ende der 50er Jahre bestand die Tagesschau nur aus Filmbeiträgen mit Text. Einen Sprecher, der die Nachrichten verlas, gab es damals noch nicht. Erst 1959 betrat "Mister Tagesschau" Karl-Heinz Köpcke das Nachrichtenstudio – und wurde schnell zum Markenzeichen der westdeutschen Nachrichten.

ARD-Nachrichtensprecher Karl-Heinz Köpcke.

Markenzeichen der Tagesschau: Karl-Heinz Köpcke

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Stand: 24.09.2019, 13:00

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