Spektakuläre Mauerfluchten

DDR-Arbeitstrupps beim Bau der Mauer

Die Berliner Mauer

Spektakuläre Mauerfluchten

Zweck der Mauer war es, den großen Flüchtlingsstrom vom Osten in den Westen Deutschlands zu stoppen. Doch das ist nie ganz gelungen: In den 28 Jahren, in denen die Mauer stand, konnten mehr als 5000 Ostdeutsche in den Westen fliehen.
Die meisten Fluchtaktionen fanden in den ersten Monaten nach dem Bau der Mauer statt. Denn anfangs war die Grenze noch nicht hermetisch abgeriegelt. Um Mauer, Stacheldraht und all die anderen Hindernisse zu überwinden, Wachpersonal und abgerichtete Hunde auszutricksen, ließen sich die Fluchtwilligen einiges einfallen. Hier einige der spektakulären Fluchtversuche.

Sprung in den Westen

Ein Bild ist bis heute untrennbar mit dem Bau der Berliner Mauer verbunden: der Volksarmist, der selbst über die Mauer sprang.

Am 15. August 1961, zwei Tage nach dem Beginn des Mauerbaus, hatte der 19-Jährige Grenzpolizist Conrad Schumann Dienst an der Bernauer Straße. Seine Aufgabe war es, die Sektorengrenze zu überwachen und Menschen von einer Flucht in den Westen Berlins abzuhalten.

Doch dann trat er selbst die Flucht an – mit einem Sprung über den Stacheldrahtzaun – und wurde dabei von einem Fotografen verewigt. Er war der erste Volksarmist, der die DDR auf diese Art und Weise verließ.

Tunnelflucht

In den frühen 1960er Jahren schlug die große Zeit der Tunnelbauer. Die erste große Tunnelflucht gelang im Januar 1962: An der Oranienburger Chaussee krochen 28 Menschen unter den Sperranlagen in den Westen. Im folgenden Frühjahr gab es gleich mehrere Nachahmer.

Mit der Zeit gab es richtige Tunnelflucht-Spezialisten. Die spektakulärste Flucht gelang 57 Ostberlinern im Oktober 1964. Seit April hatten Westberliner Studenten und Verwandte der Flüchtlinge in 13 Metern Tiefe einen Tunnel ausgehoben. Er war 145 Meter lang und 70 Zentimeter hoch und verband einen Ostberliner Hinterhof mit einer ehemaligen Bäckerei in der Bernauer Straße in Westberlin.

Insgesamt 57 Flüchtlinge krochen durch die enge Röhre in den Westen. In der Nacht vom 3. auf den 4. Oktober 1964 wurde der Tunnel entdeckt, es kam zu einer Schießerei, bei der ein ostdeutscher Soldat ums Leben kam. Nach den Schüssen in der Bernauer Straße war die große Zeit der Tunnelfluchten vorbei.

Ein Fluchthelfer beim Tunnelbau unter der Berliner Mauer (Archivfoto vom November 1963)

Ein Fluchthelfer beim Tunnelbau unter der Berliner Mauer

Auto & Co.

Neben Lastwagen, die im ersten Jahr 14 Mal mit Volldampf durch die noch nicht allzu stabile Mauer brachen, war auch das Auto ein bewährtes Fluchtmittel.

Fluchtwillige und ihre Helfer bewiesen großes Geschick, Menschen in kleinen Verstecken über die Grenze zu schmuggeln: Die Flüchtlinge wurden unter ein Auto geschnallt oder im Kofferraum versteckt.

Neun Personen nacheinander gelang 1964 sogar die Flucht in einer kleinen BMW-Isetta. Um die Flüchtlinge darin unterzubringen, waren Batterie und Heizung ausgebaut worden.

Autorin: Natalie Muntermann

Stand: 28.05.2018, 15:00

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