Alltag bei der Bundeswehr

Alltag bei der Bundeswehr

Jahr für Jahr zeigt der Bericht des Wehrbeauftragten des Bundestags eine Reihe haarsträubender Missstände im deutschen Militärwesen auf. Hier sind einige davon:

Bundeswehrsoldaten in einer Reihe.

Jeder Zehnte fehlt: 21.000 Dienstposten waren bei der Bundeswehr 2017 unbesetzt. Bei einer tatsächlichen Truppenstärke von etwa 180.000 Soldatinnen und Soldaten (Stand: 31.3.18) heißt das: Der Sollwert wird um zehn Prozent unterschritten.

Jeder Zehnte fehlt: 21.000 Dienstposten waren bei der Bundeswehr 2017 unbesetzt. Bei einer tatsächlichen Truppenstärke von etwa 180.000 Soldatinnen und Soldaten (Stand: 31.3.18) heißt das: Der Sollwert wird um zehn Prozent unterschritten.

Totalausfall U-Boote: 1989 besaß die Bundeswehr noch 24 U-Boote. 2018 sind es nur noch sechs. Und diese fielen – nach dem Jahresbericht des Wehrbeauftragten des Bundestages – 2017 zumindest zeitweise alle gleichzeitig wegen Reparaturarbeiten aus.

Im Gefecht gegen die Langeweile: Fehler in der Planung können zu viel Langeweile führen – wie im Falle eines freiwillig Wehrdienstleistenden, der sich als Gebirgsjäger bewarb, aber bei einer Panzergrenadiereinheit eingesetzt wurde. Dort aber gab es keinen einzigen Panzer. Der Wehrdienstleistende vertrieb sich die Zeit vor allem mit Smartphone und Fernsehen.

Mangelware Panzer: Von 244 Leopard-2-Panzern sind weniger als 100 verfügbar. Bei manchen Einheiten fehlt mehr als die Hälfte der erforderlichen Panzer. Geht einer der noch fahrenden kaputt, muss oft der nächste als Ersatzteilspender herhalten. Und weil vom neuen Schützenpanzer Puma erst 199 der bestellten 350 Exemplare ausgeliefert sind, hofft die Bundeswehr, dass das betagte Modell Marder von 1971 noch eine Weile durchhält.

Flügellahmer Transportflieger: Sechs Jahre später als geplant hob das erste Transportflugzeug vom Typ A-400M ab. 32 Tonnen Fracht soll es in die Luft heben oder 100 Fallschirmjäger transportieren und in der Luft absetzen können. Außerdem soll das Flugzeug  zu besonders steilen Anflügen in Krisengebieten in der Lage sein, um weniger angreifbar für Beschuss vom Boden zu sein. Triebwerke, die stark genug dafür sind, schüttelten den Rumpf so stark durch, dass der verstärkt werden musste, wodurch das Flugzeug zu schwer wurde. An der Behebung solcher Probleme arbeiten die Ingenieure immer noch. 2017 war von den 14 in den Dienst gestellten A-400M-Maschinen zeitweise keine flugfähig gewesen.

Heli am Boden: Dass so ein Transporthubschrauber auch einmal kaputtgehen kann und Ersatzteile braucht, dürfte auch in der Bundeswehr bekannt sein. Trotzdem können viele Drehflügler des Typs CH-53 nicht in die Luft, weil es zu wenige Ersatzteile für sie gibt. Dadurch mangelt es auch an Übungshubschraubern. In der Not absolvieren die Bundeswehrpiloten ihre Flugstunden mit angemieteten ADAC-Hubschraubern.

Fregatten-Reklamation: Die neue Fregatte Typ F-125 galt als das Prestigeobjekt der deutschen Marine. Doch bei der Übernahme des neuen Kampfschiffs mag sich die Marine gefühlt haben wie ein Schnäppchen-Jäger, der in einem obskuren Online-Shop ein verdächtig billiges Smartphone geordert hat:  auspacken, einschalten, geht nicht. Software wie Hardware des Schiffs wiesen derart viele Macken auf, dass die Marine umgehend vom 14-tägigen Widerrufsrecht Gebrauch machte.

Mangelware Gewehre: Bei der Truppe mangelt es auch an manchen Scharfschützengewehren. Je nach Typ ein bis zwei Drittel der notwendigen Ausstattung. Einheiten, die sie am dringendsten benötigen, müssen sich die Scharfschützengewehre von anderen Einheiten, die sie gerade nicht so dringend brauchen, leihen. Doch je weniger ein Soldat im Umgang mit seiner Waffe geübt ist, umso größer ist das Risiko, dass er im Kampfeinsatz selbst getötet wird.

Stand: 18.10.2018, 09:06 Uhr

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