Das deutsche Anerkennungsgesetz

Michelle-Ange Monteu-Djeumen.

Migrationsland Deutschland

Das deutsche Anerkennungsgesetz

Als Arzt in Deutschland arbeiten dürfen und nicht mehr Taxi fahren müssen – das ist der Sinn des Anerkennungsgesetzes, das 2012 in Kraft trat. Konkret bedeutet das: Personen mit einer Berufsqualifikationen aus dem Ausland haben seitdem einen Rechtsanspruch auf ein Verfahren, in dem geprüft wird, ob ihre Qualifikation mit einem entsprechenden Abschluss in Deutschland gleichwertig ist.
Die Bundesregierung will damit auch dem Fachkräftemangel entgegenwirken. Nach einem Jahr waren bereits 30.000 Anträge gestellt worden. Einer davon kam von Michelle-Ange Monteu-Djeumen aus Kamerun, die nun als Ärztin in einem Mannheimer Krankenhaus arbeitet.

"Ein besonderer Tag in meinem Leben"

Michelle-Ange Monteu-Djeumen erinnert sich genau an das Datum der sogenannten Kenntnisprüfung, mit der sie den letzten Schritt auf dem Weg zur Anerkennung als Ärztin machte: "Der 23. November 2012 war ein besonderer Tag in meinem Leben", sagt die 33-Jährige. Leicht war der Weg dorthin nicht: "Ich habe mich wochenlang in ein Zimmer eingeschlossen und gelernt."

An jenem Tag im November musste sie dann auf Deutsch vor einer Kommission viele fachliche Fragen beantworten und damit beweisen, dass ihre in Mali erworbene Qualifikation als Ärztin jener in Deutschland entspricht.

Sieben Jahre lang hatte die Kamerunerin in Mali studiert, weil die dortige Universität bekannt für ihre hohe Qualität sei, so Monteu-Djeumen. Ihr Studium schloss sie 2003 mit einer Doktorarbeit ab, danach bildete sie sich in Gynäkologie weiter und arbeitete drei Jahre als Hausärztin.

Arbeit als Praktikantin

Der Ehemann von Michelle-Ange Monteu-Djeumen ist wie sie in Kamerun aufgewachsen, Diplom-Ingenieur, hat in Deutschland studiert und besitzt die deutsche Staatsangehörigkeit. Gemeinsam beschlossen sie 2007, nach Deutschland auszuwandern.

"Ich wollte damit auch meine beruflichen Kenntnisse vertiefen, denn alle wissen: Die Medizin in Deutschland ist spitze", erklärt die Ärztin. Angekommen in Baden-Württemberg, arbeitete sie als Praktikantin in einer Klinik und machte Deutschkurse. Seitdem beherrscht sie die Sprache.

Sie bekam drei Kinder und wollte nach der Geburt ihres Jüngsten als Ärztin in einem Krankenhaus arbeiten. Deshalb reichte Monteu-Djeumen ihre Unterlagen über ihre berufliche Qualifikation bei der Behörde ein. Außerdem musste sie nachweisen, dass sie mit einem deutschen Staatsbürger verheiratet ist, was für ihre Aufenthaltsberechtigung in Deutschland entscheidend ist.

Nachdem sie die Kenntnisprüfung im November 2012 bestanden hatte, bekam sie knapp drei Monate später ihre Approbation, mit der sie bundesweit als Ärztin arbeiten darf. Seit April 2013 ist sie als Anästhesistin in einem Krankenhaus in Mannheim angestellt.

Ein Krankenhausbett wird durch einen Flur geschoben.

Für Krankenhäuser bringt das Gesetz zusätzliche Fachkräfte

Erstmals besteht ein Rechtsanspruch

Vor der Einführung des Gesetzes mit dem offiziellen Namen "Gesetz zur Verbesserung der Feststellung und Anerkennung im Ausland erworbener Berufsqualifikationen" hätte Michelle-Ange Monteu-Djeumen keinen verbindlichen Rechtsanspruch auf eine Anerkennung ihrer beruflichen Qualifikation gehabt.

Dieser Rechtsanspruch besteht nun im Falle von 450 Berufen, die das Anerkennungsgesetz regelt – dazu gehören einige aus dem Gesundheitswesen sowie viele Ausbildungsberufe wie Kaufmann, Mechaniker und Elektriker.

Neben dem Rechtsanspruch ist der zeitliche Rahmen von Bedeutung: Die zuständigen Behörden müssen innerhalb von drei Monaten über den Antrag entscheiden – früher konnte dieses Verfahren lange dauern, auch weil oftmals die Zuständigkeiten nicht klar geregelt waren.

"Durch dieses Gesetz darf beispielsweise ein hochqualifizierter Arzt aus dem Ausland endlich auch als Arzt arbeiten – und muss nicht mehr länger Taxi fahren", sagte 2012 die damalige Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU). Für sie sei die Einführung des Gesetzes eine Frage der Gerechtigkeit und des Respekts vor der Qualifikation eines Menschen.

Nach einem Jahr zog ihre Nachfolgerin Johanna Wanka (CDU) eine positive Zwischenbilanz: "Das Gesetz zeigt Wirkung. Nach Schätzungen wurden bereits rund 30.000 Anträge auf Anerkennung gestellt und die Mehrzahl der beruflichen Auslandsabschlüsse als gleichwertig anerkannt – das ist ein wichtiger Beitrag zur Fachkräftesicherung."

Patient im Rollstuhl im Krankenhaus.

Arbeiten im Krankenhaus statt Taxi fahren

Gedanken an die Heimat

Eine Weiterbildung musste Michelle-Ange Monteu-Djeumen nicht absolvieren, ihre in Afrika erworbene Berufsausbildung entsprach der Qualität der deutschen. Ärzte aus der Europäischen Union bekommen durch das Gesetz sogar automatisch eine Approbation in Deutschland.

Monteu-Djeumen hält das Anerkennungsgesetz für gerecht: "So kann man sichergehen, dass jeder die Qualifikation besitzt, die er für seinen Beruf benötigt. Wenn ich meine Mutter ins Krankenhaus bringen müsste, wäre ich auch froh, wenn ich wüsste, dass der Arzt kompetent ist."

Auch in Deutschland denkt die 33-Jährige oft an ihre Heimat, auch wenn sie und ihre Familie schon viele neue Freunde gefunden haben. Aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen als Ärztin in Mali möchten sie und ihr Mann ein kleines Krankenhaus in Kamerun bauen, das sich auf Gynäkologie und Geburtshilfe spezialisiert. Monteu-Djeumen sagt: "Das liegt mir sehr am Herzen, denn es gibt viele dramatische Fälle, in denen Mütter oder Kinder vor oder während der Entbindung gestorben sind."

Arzt untersucht Kind in Kamerun.

Hilfe für Mütter und Kinder in Kamerun

Autorin: Irina Fernandes

Stand: 09.05.2016, 10:38

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