Über die Grenze hinweg

Über die Grenze hinweg

Drei Generationen deutsch-französischer Verbundenheit, die selbst zwei Weltkriege überdauerte; es ist die Geschichte von André Thomas, seinen Eltern und Großeltern. Ihre Gemeinsamkeit: Alle lebten und leben in einer deutsch-französischen Ehe. Liebe über alle Grenzen hinweg – in schlechten und in guten Zeiten. Eine Familienchronik in Bildern.

Schwarz-weiß-Aufnahme von Georges Thomas mit seinen Eltern Maurice und Rosa Thomas neben einem Weihnachtsbaum.

"Deutsche" Weihnachten 1927 in Paris: Georges Thomas mit seinen Eltern Maurice und Rosa Thomas. Nachdem Georges Thomas viele Jahre – vor allem in seiner Kindheit und Jugend – in Villingen verbracht hat, lebt er mittlerweile, genau wie seine Eltern, in Paris.

"Deutsche" Weihnachten 1927 in Paris: Georges Thomas mit seinen Eltern Maurice und Rosa Thomas. Nachdem Georges Thomas viele Jahre – vor allem in seiner Kindheit und Jugend – in Villingen verbracht hat, lebt er mittlerweile, genau wie seine Eltern, in Paris.

Obwohl Georges Thomas bis zu diesem Zeitpunkt kaum in Frankreich gelebt hat und anfangs auch wenig Französisch sprach, wurde er zum französischen Militär eingezogen. Hier ist er als französischer Wehrpflichtiger in Marokko zu sehen (oben, zweiter von links). Viele Franzosen mussten in dieser Zeit ihre Wehrpflicht in den Kolonien leisten.

Während der Sommerferien 1937 in Villingen: Vorne Georges Thomas; hinten von links: Rosa und Maurice Thomas, seine Eltern; rechts daneben die Pflegeeltern von Georges Thomas, Albin und Paulina Neininger, die Schwester seiner Mutter. Bis zu seinem 14. Lebensjahr und während des Ersten Weltkriegs hat Georges Thomas bei den Pflegeltern gelebt. Der französische Vater und der deutsche Pflegevater haben im Ersten Weltkrieg auf der jeweils anderen Seite gekämpft und wurden schwer verwundet.

Am 30. August 1939, ein paar Tage nach ihrer Hochzeit und nur wenige Stunden vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, fuhren Georges und Johanna Thomas über diese Rheinbrücke bei Kehl – mit dem letzten Personenzug von Deutschland nach Frankreich. Der Grenzpolizist zerriss den deutschen Reisepass von Johanna Thomas. Damit war sie staatenlos.

Johanna Thomas wurde zu Jeanne Thomas. Kurz nachdem die Deutschen ihren Pass zerrissen hatten, wurde sie in Frankreich eingebürgert. Die Einbürgerung war für die Ehefrau eines Franzosen damals in Frankreich eine reine Formsache.

Im Zweiten Weltkrieg musste Georges Thomas Uhren für die Wehrmacht reparieren, unter anderem Chronometer für die deutschen U-Boote. Über die Wehrmacht hatte er Zugang zu Bestandteilen, die er für die Instandsetzung benötigte. Auf diesem Bild steht er im Werk der Turmuhr von Saint Germain l´Auxerois neben dem Louvre, die er auf diese Weise reparieren konnte. Der gelernte Uhrmachermeister war bei den Franzosen und Deutschen sehr geschätzt.

André Thomas wurde 1947 in Paris geboren und wuchs in der Nähe des Jardin des Tuileries auf. Auf diesem Bild ist der kleine André mit seiner Mutter Jeanne (Johanna) Thomas zu sehen.

Sommerurlaub in Villingen: Georges/Georg und Jeanne/Johanna Thomas leben zwar in Paris, aber immer, wenn es ihnen möglich ist, fahren sie nach Villingen – die zweite Heimat der beiden. Sie haben ihre Wurzeln nie vergessen.

Eine späte Porträtaufnahme von Paulina Neininger aus dem Jahr 1963. Sie war kinderlos und die Pflegemutter von Georges Thomas, der bereits kurz nach seiner Geburt 1908 zu ihr nach Villingen kam, während seine leiblichen Eltern in Paris lebten. Maurice und Rosa Thomas fanden es besser, wenn ihr Sohn auf dem Land groß würde. Der Beruf der Mutter ließ auch kaum die Möglichkeit zu, sich um einen Säugling zu kümmern. Allerdings konnten sie Georges während der Zeit des Ersten Weltkrieges zwischen 1914 und 1918 nicht einmal mehr besuchen. Die Landesgrenzen waren unüberwindbar geworden. So verbrachte der Junge fast seine gesamte Jugend in Villingen. Bis ins hohe Alter von Paulina Neininger blieben Pflegemutter und Pflegesohn eng miteinander verbunden.

Georges und Jeanne Thomas 1969 in ihrer Pariser Wohnung. Obwohl sie lange in der französischen Hauptstadt lebten, zogen sie Mitte der 1970er Jahre nach Villingen – die Sehnsucht nach den alten Freunden und den Verwandten war groß.

Stand: 29.05.2018, 09:18 Uhr

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