Chronik einer Ausgrabung – die Suche nach Antoine Allard

Nachkriegszeit

Chronik einer Ausgrabung – die Suche nach Antoine Allard

Am 14. Februar 1945 stürzte die Maschine des französischen Soldaten Capitaine Antoine Allard über dem badischen Ottersweier ab. Der Pilot eines zweiten französischen Flugzeugs, mit dem er kollidierte, konnte sich per Fallschirm retten. Antoine Allard jedoch wurde höchstwahrscheinlich mit den Trümmern seiner Maschine begraben. Ob seine Gebeine tatsächlich unter dem heutigen Ackerboden liegen, will Vermisstenforscher Uwe Benkel herausfinden.


8 Uhr – Ankunft der Helfer

Ottersweier im August 2015 – die Fahrzeugkolonne der Arbeitsgruppe Vermisstenforschung trifft ein. Uwe Benkel gründete die Arbeitsgruppe Ende der 1980er Jahre.

Zwei Brüder seines Vaters, die seit dem Russlandfeldzug als vermisst gelten, und die Flugzeugkatastrophe von Ramstein gaben für ihn den Ausschlag, nach abgestürzten Flugzeugen und ihren Besatzungen zu suchen. Auch heute hat er wieder eine Gruppe freiwilliger Helfer organisiert. Reservisten aus verschiedenen Einheiten sind ebenfalls dabei.

8.30 Uhr – Vorbereitung

Reservisten aus der Pfalz, Bayern, Baden-Württemberg und sogar aus den Niederlanden bauen einen Pavillon auf, der als Sichtschutz dienen soll, falls Gebeine geborgen werden.

Ein Pater trifft ein, Uwe Benkel positioniert kleine schwarze Särge unter dem Pavillon. Der Gründer und Leiter der Arbeitsgruppe Vermisstenforschung hat bundesweit mehr als 140 Flugzeugwracks geborgen und mehr als 50 vermisste Soldaten identifiziert.

8.45 Uhr – Beginn der Ausgrabung

Der Bagger beginnt mit der Ausgrabung. Schicht um Schicht trägt die Baggerschaufel die Erdschichten ab. Parallel durchforsten die Reservisten die Erde nach Wrackteilen und Knochen des französischen Piloten, der höchstens erst 24 oder 25 Jahre alt gewesen sein soll.

Der junge Soldat kollidierte in der Luft mit der Maschine eines zweiten Franzosen, als beide deutsche Wehrmachtsgruppen bei Ottersweier angreifen wollten. Presse und Angehörige der französischen Fliegerstaffel aus Nancy treffen ein.

Helfer haben einen Teil des Propellers geborgen und halten es hoch.

Bergung eines Propellers

11 Uhr – Endlich Wrackteile!

Die Helfer tragen die Benzinpumpe aus der inzwischen drei Meter tiefen Grube. Die Grabung geht weiter. Daher muss auch das Gedenkkreuz an der Absturzstelle dem Bagger weichen. Lange Zeit wurde das Scheingrab von zwei Schwestern des Piloten besucht. Schließlich werden zwei Propeller geborgen.

13.45 Uhr – Schweigeminute für die Gefallenen

Ein letzter Fliegergruß einer Mustang P51 am Himmel für den vermissten Piloten Antoine Allard und eine Schweigeminute am Boden. Die deutschen Reservisten legen Blumen nieder und salutieren.

Allard war einer der Piloten der FFAF, Free French Air Force, die sich nach der Besetzung Frankreichs nach England absetzten und fortan mit amerikanischen Maschinen kämpften.

15.30 Uhr – Letzte Hoffnung

Der Flugzeugmotor der amerikanischen P-47 D Thunderbolt wird geborgen. Mittlerweile ist die Grube fast sieben Meter tief und der Bagger stößt an seine Grenzen. Die Reservisten durchsuchen weiter die Erde nach kleinen Hinweisen auf den Verbleib des Piloten. Die Lederfetzen einer Fliegeruniform tauchen auf. Ist hier Antoine Allard gestorben?

16.35 Uhr – Stopp der Ausgrabung

Nach neun Stunden werden die Ausgrabungsarbeiten eingestellt. Antoine Allard konnte nicht gefunden werden. Uwe Benkel stoppt die Suche für diesen Tag, will aber weitersuchen.

Autorin: Andrea Wieland

Stand: 16.07.2018, 09:22

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