Erinnerung an Mao

Propagandaplakat der 1960er Jahre

Mao Zedong

Erinnerung an Mao

In Deutschland gab es die Entnazifizierung, in Russland die Entstalinisierung. In China gibt es bis heute keine Entmaoisierung – trotz aller Gräuel, die Mao Zedong während seiner Herrschaft unter der chinesischen Bevölkerung anrichtete. Das offizielle Bild Maos im heutigen China hat mit dem historischen nicht viel zu tun, obwohl sich das Land seit Maos Zeiten stark gewandelt hat.

Keine Ent-Maoisierung

Bis heute hängt auf dem Tiananmen-Platz in China Maos Porträt, steht auf dem "Platz des Himmlischen Friedens" genannten Vorplatz der alten Kaiserstadt das ihm zu Ehren errichtete Mausoleum. Bis heute hat sich China von Mao nicht lossagen können, das lässt die Kommunistische Partei nicht zu.

Wenngleich in der offiziellen Parteirhetorik die Gräuel der Kulturrevolution als "gravierender Fehler" des "großen Mao Zedong" bezeichnet werden – die Distanzierung der Erben Maos vom einst frenetisch umjubelten Staatsgründer findet höchstens im Verborgenen statt.

Deng Xiaoping, Maos Nachfolger von 1979 bis 1997, begann damit Maos Ideen zu relativieren, ohne den Mythos des "Großen Vorsitzenden" hinwegzufegen. Plötzlich hieß es aus der Parteizentrale, Mao habe viele gute und wahre und einige falsche Ideen propagiert. 70 Prozent der Mao-Ideen seien gut, 30 Prozent schlecht gewesen, so die Politrhetorik aus den Reihen der chinesischen Nomenklatur.

Junge Pioniere der Volksrepublik China im Jahr 2000

Erziehung zum Parteigehorsam bereits im Kindesalter

Chinas Kehrtwende

Doch China durchlebt einen unbeschreiblichen Spagat der Systeme. Nach außen hin lehrt, indoktriniert und agitiert die Kommunistische Partei nach wie vor mit einem autoritären Machtanspruch, die jede politische Artikulation in China außerhalb des Parteiapparates verbietet.

Nach innen hin durchlebt China eine dramatische wirtschaftliche Explosion, Auswüchse eines Kapitalismus wie zu Zeiten der industriellen Revolution, die Herausbildung scharf voneinander abgegrenzter Klassen, soziale Verwerfungen durch die Verelendung von Millionen von Bauern und die Entstehung eines riesigen Proletariats.

Das China Mao Zedongs hat sich um 180 Grad gedreht. Der Diktator würde sich angesichts seiner Erben wahrscheinlich im eigenen Grabe herumdrehen. Zwangsläufig musste Mao von seinen politischen Nachfolgern vollkommen neu erfunden werden. Eine Kunstfigur, ein Zerrbild wurde geschaffen und die Geschichte retuschiert und zurechtinterpretiert.

Mit dem historischen Mao hat Chinas offiziell überliefertes Mao-Bild heute nichts mehr gemeinsam. Mehr als 40 Jahre nach dem Ableben des Diktators bringt China das bizarre Kunststück fertig, Mao Zedong in aller Pracht und Herrlichkeit auf dem Müllhaufen der Geschichte zu entsorgen.

Auslage eines Souvenir-Shops mit Tellern, auf denen verschiedene chinesische Parteiführer abgebildet sind, darunter auch Mao

Mao-Souvenirs gibt es noch überall zu kaufen

Autor: Gregor Delvaux de Fenffe

Stand: 29.07.2016, 09:00

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