Dokumentationszentrum Obersalzberg

Das Ausstellungsgebäude des Dokumentationszentrums

Obersalzberg

Dokumentationszentrum Obersalzberg

Von Gregor Delvaux de Fenffe

Während des Dritten Reichs zog sich Hitler regelmäßig auf den Obersalzberg zurück. Im Jahr 1999 wurde auf den Fundamenten des ehemaligen Partei-Gästehauses ein Museum eröffnet. Hier klärt die Dauerausstellung "Dokumentation Obersalzberg" über diese Zeit auf.

Der Obersalzberg als Ort der Täter

Die Ausstellungsmacher – das Institut für Zeitgeschichte im Auftrag des Freistaats Bayern – entwarfen ein Konzept, das die historische Authentizität des "Täter-Ortes Obersalzberg" würdigt, die Geschichte des Obersalzbergs aber in eine Gesamtdarstellung der nationalsozialistischen Diktatur einbindet.

Der Besucher erfährt in dem architektonisch ansprechenden Bau viel über die Geschichte der Verbrechen des Dritten Reiches. Der Umbau des Obersalzbergs zu einem "Führersperrgebiet" nimmt dabei eine zentrale Position ein.

Neben der eigentlichen Ausstellung ist auch ein Teil der Bunkeranlagen zugänglich, so dass sich der Besucher einen guten Eindruck über die befremdliche NS-Unterwelt am Obersalzberg verschaffen kann.

Information statt Verharmlosung

Außerdem besteht die Möglichkeit, sich am Ort des Geschehens seriös über die nationalsozialistische Vereinnahmung des Obersalzberggeländes zu informieren. Vorher war ein solches Informationsangebot nicht vorhanden.

Bis zur Eröffnung des Dokumentationszentrums konnten Besucher des Obersalzbergs lediglich Broschüren kaufen, die die Rolle des Obersalzbergs im Dritten Reich teils verharmlosend, teils beschönigend darstellten. Die historische Bedeutung wurde aber weder kritisch reflektiert noch in den Kontext der NS-Verbrechen eingeordnet.

Vitrinen mit Exponaten der Dauerausstellung Obersalzberg.

Kritische Aufarbeitung der Obersalzberghistorie

Beliebt bei Touristen

Längst hat sich die Dokumentation zu einem Besuchermagnet des Berchtesgadener Landes und damit zu einem entscheidenden touristischen Faktor für die Region entwickelt. Das Dokumentationszentrum ist eines der meist besuchten Museen Bayerns mit bis zu 170.000 Besucherinnen und Besuchern pro Jahr.

Viele Besucher kommen eigens auf den Obersalzberg, um das Dokumentationszentrum aufzusuchen. Ein neues Ausstellungsgebäude und eine neu gestaltete Dauerausstellung sollen die Erfolgsgeschichte der Dokumentation auch in Zukunft fortschreiben.

Besucher in den Ausstellungsräumen des Dokumentationszentrums.

Publikumsmagnet Obersalzberg

Jahrelang war im Vorfeld die Entscheidung für ein Museum der Geschichte des Obersalzbergs höchst kontrovers diskutiert worden. Damals hatte das Informationsprojekt viele Gegner, die die konkrete Aufarbeitung der NS-Geschichte vor Ort fürchteten und vehement dafür eintraten, die unheilvolle Vergangenheit des Ortes auf sich beruhen zu lassen.

Kulturhistorische Verantwortung

Doch mit dem endgültigen Abzug der Amerikaner vom Obersalzberg Mitte der 1990er-Jahre kam Bewegung in die Sache. Die US-Streitkräfte betrieben damals auf dem Gelände des Platterhofes (auch "General Walker" genannt) ein Erholungs- und Ferienheim für ihre Soldaten.

Dann ging die Nutzung der ehemaligen NS-Liegenschaften wieder vollständig auf den den Freistaat Bayern als Eigentümer über. Damit übernahm Bayern auch die kulturhistorische Verantwortung, der besonderen geschichtlichen Vergangenheit des Ortes Rechnung zu tragen.

Das sogenannte Zwei-Säulen-Prinzip wurde entwickelt: Bayern wollte einerseits den verantwortungsvollen Umgang mit der NS-Geschichte fördern, andererseits die touristische Nutzung und Weiterentwicklung des landschaftlich einmaligen Ortes begünstigen.

"Zauberberg" mit belasteter Geschichte

Die Rechnung scheint aufzugehen. Der Obersalzberg beginnt mit seiner Geschichte Frieden zu schließen. Vorbei die Zeiten, als die "historische Kontamination" des Obersalzbergs beinahe panisch verschwiegen wurde. Ebenfalls vorbei die Zeiten fragwürdiger Desinformation, die die Geschichte des Führersperrgebietes zu verharmlosen schien.

Heute stellt sich der Obersalzberg öffentlich seiner Geschichte. Die Besucher honorieren das und führen den Obersalzberg gleichzeitig wieder seiner ursprünglichen Bestimmung zu, die er bereits lange vor den Nazis besaß: als "Zauberberg", der den Touristen Erholung in einer einzigartigen Landschaft verspricht.

Verschneite Zufahrtsstraße zum Obersalzberg

"Zauberberg" in einzigartiger Landschaft

SWR | Stand: 03.12.2019, 17:40

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