Warum der Neandertaler ausgestorben ist

Evolution: Warum der Neandertaler ausgestorben ist Planet Wissen 06.09.2017 03:42 Min. Verfügbar bis 06.09.2022 ARD-alpha

Neandertaler

Warum der Neandertaler ausgestorben ist

Von Tanja Fieber/Florian Guthknecht

Wir sind noch da und der Neandertaler ist weg. Wie kann das sein, wenn der moderne Mensch und der Neandertaler in der Menschheitsgeschichte mehrfach Kontakt hatten?

Wie sich herausgestellt hat, waren der Urmensch und Neandertaler nicht nur Nachbarn, sondern auch Verwandte. Unser Erbgut zeigt, dass sie Sex hatten und sich fortpflanzen konnten.

Noch heute tragen wir zwei bis vier Prozent Neandertaler-Gene in uns. Allerdings nur weibliche. Entweder sind die männlichen Neandertaler-Gene im Laufe der Evolution verloren gegangen, vermuten Forscher, oder sie waren nicht kompatibel mit der Urmenschen-DNA.

War der Urmensch anpassungsfähiger?

Wahrscheinlich gibt es den Neandertaler nicht mehr, weil es schlicht mehr Homo Sapiens gab als Neandertaler. Wir haben ihn wohl verdrängt oder "geschluckt".

Auffällig ist, dass nur bestimmte Teile unseres Erbguts mit Neandertaler-Genen bestückt sind. Vielleicht waren die Gene unserer Vorfahren evolutionär gesehen günstiger und der Homo sapiens konnte sich besser an seine Umwelt anpassen.

Die weiße Haut haben wir aber wahrscheinlich dem Neandertaler zu verdanken. Eine schlaue Anpassungsstrategie, denn zwischen der Hautfarbe und der Produktion von Vitamin D gibt es einen Zusammenhang.

In Afrika brauchten unsere Vorfahren keine helle Haut. Als sie sich im UV-lichtarmen Europa niederließen, wo Homo sapiens und Neandertaler aufeinander trafen, war sie dringend nötig.

Karte der Menschenarten

Wo sich Urmenschen auf der Welt ansiedelten, zeigt diese Karte: Blau steht für den Homo sapiens, Rot für den Neandertaler, Gelb für den Denisova-Mensch und Grün für Homo floresiensis.

Weltkarte zeigt Verteilung der Menschen-Arten, u. a. Homo Sapiens und Neandertaler.

War der Homo sapiens schlauer als der Neandertaler?

Dumm war er nicht, der Neandertaler. Das ist ein Gerücht. Fakt ist, dass sein Gehirn größer war als das des Homo sapiens. Schlauer war er deshalb aber auch nicht, denn die Größe des Gehirns sagt nichts über die Intelligenz aus.

Sein Gehirn hat aber wohl etwas anders funktioniert als das unserer Vorfahren. Experten vermuten, dass er die Umwelt anders wahrgenommen hat als der Homo Sapiens. Darauf lässt die Gehirnentwicklung des Neandertalers im ersten Lebensjahr schließen. Vielleicht war das ein evolutionärer Nachteil.

Über das Verschwinden des Neandertalers können Forscher nur Vermutungen anstellen. Die stützen sich auf rare archäologische Funde und genetische Forschung. Mit einer neuen Methode konnten Anthropologen Urmenschen-Erbgut inzwischen auch ohne Knochen-Fund nachweisen – und zwar in Staub und Sand.

Stand: 17.07.2018, 09:20

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