Das Monster von Aramberri

Die Paläontologen Eberhard Frey und Wolfgang Stinnesbeck zeigen ein Stück der Halswirbelsäule eines Riesen-Pliosauriers

Dinosaurier

Das Monster von Aramberri

Von Ulrike Brandt-Bohne

Das "Monster von Aramberri" nennen Paläontologen den Fund des bislang größten Meeresreptils, das jemals gelebt hat. Es zählt zu den Pliosauriern, den Meeresechsen, die vor 150 Millionen Jahren gelebt haben und zusammen mit den Dinosauriern ausstarben.


Ausgrabungen bei Temperaturen um 40 Grad

Das Monster von Aramberri wurde bereits in den 1980er Jahren entdeckt und anfänglich als Dinosaurier beschrieben. Erst 2002 erkannte das Paläontologen-Team um den Saurier-Experten Professor Eberhard Frey, dass es sich um eine Meeresechse handelte.

Unter widrigen Bedingungen gruben sie über sechs Jahre lang die Einzelteile des Fossils in der Wüste Mexikos aus. Temperaturen um die 40 Grad, unwegsames Gelände, stachelige Pflanzen und Skorpione bestimmten den Ausgrabungsalltag. Mit Pickel, Schaufel und Presslufthammern wurde das Gestein in der Wüste aufgebrochen und nach fossilen Knochenfunden durchsucht.

Das Paläontologen-Team beim Ausgraben des Fossils. Es bergt die Funde sicher.

Schweißtreibend: Die Ausgrabung in Mexiko

18 Meter lange Meeresechse

Geborgene Einzelteile des Fossils wurden in Rucksäcken, mit Eseln oder gar mithilfe von Helikoptern abtransportiert und in das Naturkundemuseum in Karlsruhe gebracht. Weitere Teile werden im Museo del Desierto im mexikanischen Saltillo präpariert.

Nur einem glücklichen Zufall ist es zu verdanken, dass das Monster so gut erhalten blieb. Als es starb und zum Meeresboden absank, hätte es eigentlich von den Sedimenten bedeckt und zerdrückt werden müssen. Doch eine Kalkschicht schützte das Skelett und konservierte es.

Die Geheimnisse der versteinerten Überreste zu lüften, bedeutete für die Forscher jahrelange Feinarbeit. Mit Lupe und Druckluftstichel wurden die Gesteinsschichten abgetragen, um das Fossil freizulegen und sein Alter zu bestimmen.

Die Rekonstruktionen, die die Wissenschaftler bisher aus den Puzzlestücken erstellten, sind beeindruckend. Sie haben die größte Meeresechse geborgen, die bisher gefunden wurde. Das Monster lebte vor 145 Millionen Jahren in den Ur-Ozeanen und war bis zu 18 Meter lang. Womöglich handelte es sich sogar um ein noch nicht ausgewachsenes Exemplar.

Auch Details zur Lebensweise und die vermutliche Todesursache ließen sich aus den versteinerten Überresten ablesen. Im Schädel des Monsters fanden sich sogar Bissspuren, die auf einen noch größeren Jäger hinweisen, der vermutlich eine Länge von über 20 Metern besaß.

Inzwischen sind die Funde, die in Karlsruhe präpariert worden, wieder nach Mexiko zurückgebracht worden. 2010 wurde in Mexiko erstmals eine lebensgroße Rekonstruktion des Monsters von Aramberri ausgestellt.

Teile der Meeresechse sind in Museo de historia mexicana ausgestellt. Der überwiegende Teil der Fundstücke befindet sich seit 2012 in der naturwissenschaftlichen Fakultät der Universidad Autónoma de Nuevo León in Mexiko, wohin das Monster von Aramberri nach Abschluss aller Arbeiten zurückkehren wird.

Stand: 01.03.2017, 14:06

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