Arbon - Funde aus der Jungsteinzeit

Arbon - Funde aus der Jungsteinzeit

Sendung vom 12. März 2013

Die Ausgrabungsstelle: in Untersuchungsbereiche abgegrenzt, mit Planen überdacht. Mehrere Archäologen sind beschäftigt.

Die Fundstelle Arbon Bleiche 3 liegt am Bodensee. Sie wurde im Sommer 1994 ausgegraben. Die Überreste der Pfahlbausiedlung liegen mehrere Meter unter der aktuellen Oberfläche. Wegen des aufsteigenden Grundwassers musste ständig gepumpt werden; dafür blieben im wassergesättigten Untergrund die organischen Reste aus der Zeit von 3384 bis 3370 v.Chr. hervorragend erhalten.

Die Fundstelle Arbon Bleiche 3 liegt am Bodensee. Sie wurde im Sommer 1994 ausgegraben. Die Überreste der Pfahlbausiedlung liegen mehrere Meter unter der aktuellen Oberfläche. Wegen des aufsteigenden Grundwassers musste ständig gepumpt werden; dafür blieben im wassergesättigten Untergrund die organischen Reste aus der Zeit von 3384 bis 3370 v.Chr. hervorragend erhalten.

Die Bewohnerinnen und Bewohner von Arbon Bleiche 3 waren selbstversorgend. Das Getreide wurde von jedem Haushalt auf Handmühlen gemahlen. Auch die Textilverarbeitung ist lückenlos mit archäologischen Funden belegt. Flachsfasern wurden mit Spindel und Wirtel zu dünnen Garnen versponnen und anschliessend auf dem Standwebstuhl zu feinen Stoffen verarbeitet.

Dank der Pfähle und Bauhölzer, die im wassergesättigten Boden ausgezeichnet erhalten geblieben sind, lässt sich das Dorf von Arbon Bleiche 3 mit der Jahrringdatierung genau datieren: 3384–3370 v.Chr. Die Kartierung der Bauhölzer, die jahrgenaue Datierung und die Holzartenbestimmung ermöglichen es, die Häuser modellhaft wieder aufzubauen.

Siedlungsmodell von Arbon Bleiche 3 am südlichen Ufer des Bodensees. Die 5400 Jahre alten Häuser haben leicht abgehobene Böden, da im Frühling der Seespiegel des Bodensees wegen der Schneeschmelze massiv ansteigt. Mehrheitlich standen die Gebäude aber im Trockenen. Die Häuser waren nicht mit Stroh oder Schilf gedeckt, sondern mit Brettschindeln, welche die Archäologen ausgegraben haben.

Ein klebriges Destillat aus Birkenrinde war der Allzweckkleber der Steinzeit. Dieses sogenannte Birkenpech wurde von den Pfahlbauern auch als Kaugummi verwendet. Vermutlich half das entzündungshemmende Betulin gegen allfällige Zahnschmerzen. In Arbon Bleiche 3 kamen zahlreiche solche ausgespuckte Kaugummis zum Vorschein.

Eine jungsteinzeitliche Handmühle besteht aus Mahlplatte (unten) und Läufer (oben). Damit konnte das Getreide – Weizen, Emmer, Einkorn, Gerste – zu mehr oder weniger feinem Mehl verarbeitet werden. Jeder Haushalt in Arbon Bleiche 3 hatte seine eigene Getreidemühle. Man war also Selbstversorger, was das tägliche Brot anbelangte.

Zwischen zwei Hausgrundrissen entdeckte man in der jungsteinzeitlichen Seeufersiedlung Arbon Bleiche 3 ein vollständig erhaltenes Hundeskelett. Diese Fundsituation verdeutlicht die hygienischen Verhältnisse in einer Pfahlbausiedlung; es dürfte im Spätsommer 3380 v.Chr. in Arbon ziemlich gemieft haben.

Die Pfahlbaufrisuren haben sich nicht erhalten, dafür die feinen Rütchenkämme. Mit gespaltenen Zweigen des Wolligen Schneeballs, die man mit dünnen Bastfäden zusammenband, entstanden diese praktischen Kämme, die man in der Seeufersiedlung Arbon Bleiche 3 entdeckte.

In der Seeufersiedlung Arbon Bleiche 3 fanden sich nicht nur Speisereste, Keramikscherben und Steinwerkzeuge, sondern auch kostbare Schmuckstücke. Dieses 5400 Jahre alte Collier besteht aus Dentaliumgehäusen – eine Grabfüsslerart aus dem Mittelmeer –, Fruchtsteinen von Schlehe und Felsenkirsche sowie Kettenschiebern aus Perlmutt. Die exotischen Kettenglieder belegen Kontakte mit dem Süden; sie beweisen direkt einen Austausch über den Alpenhauptkamm.

Man schmückte sich nicht nur in den Pfahlbausiedlungen, auch die Schminke war in er Steinzeit schon erfunden! Mit eisenoxydhaltigen Mineralien wurde ein roter Farbstoff gewonnen, der identisch ist mit dem Farbton des Lipstick perfect Nr. 20 von Estée Lauder …

In der jungsteinzeitlichen Siedlung Arbon Bleiche 3 am Bodensee entdeckten die Archäologinnen und Archäologen über 1000 kg Keramikscherben. Diese liessen sich oft zu ganzen Gefässen zusammenpuzzeln, so dass wir den „Geschirrschrank“ von damals genau kennen. In diesen Kochtöpfen wurden vor 5400 Jahren Gersteneintöpfe und Fischsuppen gekocht.

Neben Ackerbau und Viehhaltung waren auch das Fischen, Jagen und Sammeln wichtige Pfeiler der Ernährung in der Jungsteinzeit. Man sammelte Beeren, Nüsse und Wildäpfel. Letztere halbierte und dörrte man als vitaminreichen Proviant für den Winter. In der Pfahlbausiedlung Arbon Bleiche 3 fand man sogar unverkohlte Hälften von Wildäpfeln.

Stand: 18.05.2015, 16:18 Uhr

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