Wissensfragen

Grafik: Zwei Orangenhälften und bunte Vitamin-Symbole.

Altern

Wissensfragen

Von Jochen Zielke

Für ewig jung bleiben – davon träumt die Menschheit schon lange. Können wir den Alterungsprozess aufhalten?

Aufhalten vermutlich nicht, möglicherweise aber verzögern. Am effektivsten wäre es, die Körpertemperatur zu senken. Dadurch würde es zu weniger Zerstörungen am Erbgut kommen.

Leider würde eine Absenkung der Körpertemperatur aber den im Laufe der Evolution optimierten Körperstoffwechsel empfindlich stören. Nach einer Computerberechnung wären 200 Lebensjahre bei 34 Grad Körpertemperatur möglich.

Mehr Erfolg verspricht da die Senkung der Stoffwechselrate durch weniger Kalorienzufuhr, sprich Diät. Dies könnte zu weniger "Freien Radikalen" und damit weniger Gen-Schäden führen. Längerfristige und zu radikale Diäten könnten aber auch Blutdruck, Blutzuckerwerte und die Anzahl der weißen Blutkörperchen absenken.

Radikalfänger wie Vitamine versprechen auch nicht viel, da der Körper sie schon in ausreichendem Maße besitzt. Wirklich helfen würden nach heutigem Wissensstand vermutlich nur gentherapeutisch hinzugefügte Reparatur-Gene für das Erbgut.

Leben Frauen wirklich länger als Männer?

Frauen besitzen zwei X-Chromosomen, Männer dagegen nur ein X-Chromosom und ein Y-Chromosom. Wenn auf einem X-Chromosom Gene ausfallen oder zerstört werden, fällt das bei Frauen weniger ins Gewicht. Sie haben ja noch ein zweites X-Chromosom.

Bei Männern dagegen haben Gen-Defekte auf dem X-Chromosom fatale Folgen. Diese können nicht ausgeglichen werden. Auf dem X-Chromosom liegen mehr als 200 Gene, die für das Funktionieren unseres zentralen Nervensystems, der geistigen und körperlichen Fähigkeiten wichtig sind.

Ohne ein reibungslos funktionierendes Nervensystem kommt auch die hormonelle Steuerung unserer Körperfunktionen durcheinander und die ist für ein hohes Lebensalter offenbar unerlässlich.

Ein Beispiel: In Einrichtungen für geistig behinderte Menschen leben weltweit doppelt so viele Männer wie Frauen. Die Lebenserwartung der geistig Behinderten ist deutlich geringer als bei nicht geistig behinderten Menschen.

Eine andere Ursache könnten auch die Geschlechtshormone sein. Viel diskutiert wird immer wieder der Einfluss des Geschlechtshormons Testosteron. Es soll Männer aggressiver machen, lässt sie möglicherweise mehr trinken, rauchen und im Alltag höhere Risiken eingehen.

Chromosomen

Zwei X-Chromosomen bringen einen Vorteil

Brauchen Männer weibliche Geschlechtshormone?

Nicht nur Testosteron, auch Östrogen ist für Männer wichtig. Das eigentlich typisch weibliche Hormon ist beim Mann wie Testosteron für Potenz und Fruchtbarkeit entscheidend.

Es wird in Hoden, Nebennierenrinde, Gehirn und Fettgewebe gebildet. Es sorgt für Ausgeglichenheit, Energie und Belastbarkeit. Es schützt Nervenzellen im Gehirn vor dem gefürchteten Abbau, die Knochen vor der Osteoporose und senkt das Herzinfarktrisiko.

Deshalb plädieren Anti-Aging-Ärzte dafür, Östrogen auch beim Mann im Alter zusätzlich zu geben. Aber wie bei anderen Hormonen gilt auch beim Östrogen: Die Gefahr liegt darin, dass die innere Balance der Hormone im Körper aus dem Gleichgewicht gerät. Ein erhöhtes Krebsrisiko ist nur eine der möglichen Folgen.

Stand: 14.11.2019, 15:20

Darstellung: